Der Zwischenfall im Nashorngehege des Basler Zoos hat keine unmittelbaren Folgen: Der Zoo sei eine sichere Anlage, erklärt Direktor Oliver Pagan.
Der Mann, der am 17. Februar in das Nashorngehege im Basler Zoo geklettert war, hatte Glück und überlebte den unmittelbaren Kontakt mit den Dickhäutern. Dass ein Ausflug ins Nashorngehege tödlich enden kann, zeigt der Fall einer 29-jährigen Frau, die im Jahr 1990 ins Freigehege der Nashörner gestiegen war, um ein Junges zu streicheln. Eine Nashornmutter fühlte sich und ihr Junges bedroht und attackierte die Frau.
Seither sei die Anlage umgebaut und modifiziert worden. Zum Beispiel sind die Abgrenzungsmauern höher als damals. Doch nach dem erneuten Vorfall sieht der Zoo keinen Handlungsbedarf, an der Nashornanlage etwas zu ändern, wie Zoodirektor Oliver Pagan bei einem Pressetermin darlegte. Dem Mann, der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befand, hätte es so ergehen können wie der Frau. Denn: Laut Pagan kletterte der Mann zunächst in die Bullenanlage, dann in das benachbarte Gehege der Weibchen, wo er sich den beiden Nashornmüttern Shakti und Quetta näherte.
Hätte tödlich enden können
Erst wenige Tage vor dem Vorfall verließen die beiden Jungbullen Tican und Tarun den Zolli. Wären die beiden Tiere noch im Gehege gewesen, hätten ihre Mütter möglicherweise anders reagiert, erklärt Pagan. Sie hätten ihre Jungbullen wohl präventiv beschützen wollen, so der Experte vor Medienvertretern. Wie es zu dem Vorfall kommen konnte? Der nicht zurechnungsfähige Mann überkletterte alle vier Sicherheitsschranken der Anlage – Viererdrahtabgrenzung, Pflanzenrabatte, Wassergraben samt Bachlauf und eine Abgrenzungsmauer. Während er sich auf der Anlage befand, alarmierten aufmerksame Besucher die Verantwortlichen des Zoos. Schnell war ein Tierpfleger vor Ort, der den Mann überzeugen konnte, das Gehege wieder zu verlassen – noch bevor die Polizei eintraf, die ebenfalls informiert wurde. Er habe das sinnvoll gelöst und sei sehr sanft vorgegangen, lobte Pagan den Mitarbeiter. Der Ausflug ins Gehege soll nur wenige Minuten gedauert haben.
Die Polizei habe den Mann dann in Gewahrsam genommen und zur medizinischen Abklärung ins Unispital gebracht.
Während einer Tour durch den Zoo zeigte Pagan die Grenzen aus Rabatten, Gittern, Netzen und Gräben auf. Je nach Gefährlichkeit eines Tieres gebe es entsprechende Maßnahmen. Diese sollen verhindern, dass Tiere ausbüchsen und Besucher ins Gehege gelangen.
Restrisiko besteht
Indes: Wenn jemand unbedingt eine Anlage betreten will, ist das möglich, weiß Pagan. Das passiere aber in der Regel nicht, weil die meisten Besucher auf die Gestaltung des Zollis achtgeben. „Wir sind der Meinung, dass klar sein sollte, dass Abschrankungen zu respektieren sind und nicht überwunden werden dürfen“, erklärte der Zoo auf Nachfrage unserer Zeitung unmittelbar nach dem Vorfall. Pagan machte aber auch klar, dass das Risiko nicht auf Null reduziert werden könne. Wolle man das erreichen, müssten wieder Käfige gebaut werden. „Das will aber niemand.“ Schließlich wolle der Zoo eine Begegnung zwischen Mensch und Tier ermöglichen. Ihm zufolge sei der Zolli eine sichere Anlage – vorausgesetzt, der Mensch verhalte sich vernünftig.
Zudem werde die Sicherheit immer wieder optimiert und bei Bedarf nachgebessert. So wurden unter anderem im Nashornhaus ein Schutz an der Treppe angebracht, weil Besucher immer wieder auf die Tiere gespuckt oder mit Regenschirmen versucht hätten, die Dickhäuter anzustupsen.