„Spielzeug ist Kunstwerk ist Spielzeug“: Ausstellung mit Objekten von Roland Roure im Spielzeugmuseum
Von Dennis Kalt
Riehen. Im Spannungsfeld zwischen Kunstobjekt und Spielzeug sind die Exponate des Schweizer Künstlers Roland Roure anzusiedeln, die derzeit im Spielzeugmuseum Riehen ausgestellt sind. Mit dieser Grenzverwischung entziehen sich seine vielschichtigen Objekte einer klaren Einordnung.
Spielzeug ist nicht gleich Spielzeug. Dies wird deutlich, wenn man als Besucher in die farbenfrohe und faszinierende Welt des in Südfrankreich lebenden Künstlers Roland Roure eintaucht. Hier treffen beispielsweise Jongleure, Fahrzeuge, literarische Gestalten, antike Helden und Drahtfiguren aufeinander und transportieren auf spielerische Art kindliche Geschichten oder greifen kritische Themen zu Gesellschaft, Politik und Philosophie auf. Damit erheben sich die bewegenden, filigranen und verspielten Objekte zum Medium seines künstlerischen Ausdrucks.
Roure, der in Paris mehrere Kunstakademien besucht hat, begann 1973 mit dem Bau von Spielzeugen, nachdem er für seine Tochter in der Welt der Plastikspielzeuge nichts Passendes fand. Als die Kleine dem Spielzeugalter entwuchs, führte er seine Arbeit mit einem künstlerischen Anspruch weiter und schuf bis heute eine große Zahl an spielerischen Kunstobjekten, von denen derzeit etwa 170 in Riehen präsentiert werden.
Roure verwendet für seine Objekte die verschiedensten Materialien und sieht dabei schon in ihrem Rohzustand das Wesen des späteren Kunstwerks. So verwandelt er einen alten Holzstamm mit Rissen in die Gestalt eines Wals und bestückt diesen mit kleinen Figuren und Utensilien, um den Antagonismus zwischen „Moby Dick“ und „Kapitän Ahab“ herauszuarbeiten.
Ebenso gelingt es Roure, durch eine minimalistische Schnitzerei, die Geschichte des Ödipus zu erzählen, der nach Theben auszieht, um seinen Vater zu töten und seine Mutter zu heiraten.
Inspiration holt sich der Künstler aber nicht nur aus der Literatur und der Mythologie, sondern beispielsweise auch aus dem Zirkus. So balancieren Seiltänzer elegant über dünne Drähte, Artisten fliegen spektakulär durch die Lüfte und Jongleure tanzen durch den Raum. Kritisch ist die Darstellung des weißen Clowns, der als Symbol für die Gesellschaft steht und dem „August“, der die bürgerliche Ordnung in Frage stellt.
Auch vor der Darstellung von komplexen Themen schreckt Roure nicht zurück. So formt er aus einem einzigen und sehr dünnen Stück Draht einen Mann und eine Frau, die zu einer Einheit verschmelzen und somit die verbindende Kraft aber auch Fragilität der Liebe symbolisieren. Durch die geschickte Lichtanordnung wird die schwarze Silhouette der Drahtfigur auf die dahinter liegende Wand projiziert und verleiht dem Liebespaar damit einen dreidimensionalen Touch und eine einnehmende Wirkung.
Auch biblische Themen greift Roure auf. So nimmt er sich des Sündenfalls der Menschheit an, indem er Adam und Eva durch die Verformung zweier Drähte darstellt und diese durch einen dritten Draht, in Form einer Schlange, miteinander verbindet. So schafft es der Künstler immer wieder, historische, biblische und sagenumwobenen Momente der Menschheitsgeschichte künstlerisch vereinfacht darzustellen, aber dennoch die Botschaft oder Moral, die in diesen Momenten verborgen liegt, für den aufmerksamen Beobachter zu offenbaren. u „Spielzeug ist Kunstwerk ist Spielzeug“ bis 20. September im Spielzeugmuseum Riehen: Mo und Mi bis So, 11 bis 17 Uhr