Noch nehmen die BVB-Automaten auch Bargeld an. Das soll sich ab dem Jahr 2027 ändern. Foto: Michael Werndorff

Die Basler Verkehrs-Betriebe wollen neue Fahrkartenautomaten aufstellen, an denen keine Bargeldzahlung mehr möglich ist. Basler Politiker sehen das Vorhaben kritisch. Derweil zeigt der RVL-Geschäftsführer Verständnis für die Umstellung.

Nur noch mit Karte, nicht mehr mit Bargeld: So sollen Nutzer von Bus und Tram zukünftig ihren Fahrschein an den neuen Automaten kaufen, welche die Basler Verkehrs-Betriebe ab dem Jahr 2027 aufstellen wollen. Nach gut 20 Jahren hätten die jetzigen Fahrkartenautomaten des Tarifverbunds Nordwestschweiz das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, wie Milan Sedlacek, Leiter Verkehr der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), dieser Tage vor den Medien erklärte.

 

Die neuen Automaten werden kein Bargeld mehr annehmen. Fahrgästen, die weiterhin bar bezahlen wollen, soll eine sich im Aufbau befindende Prepaid-Bezahlkarte angeboten werden. Auch Entwertungskarten werden an den neuen Automaten nicht mehr abgestempelt werden können. Eine Nachfolgelösung ist vorgesehen.

Eine Möglichkeit könnte sein, dass künftige Entwerterkarten einen QR-Code aufgedruckt haben, welche dann an den Automaten gehalten werden, wie es hieß. Ziel sei es, die neuen Automaten mit dem technischen Fortschritt auszustatten. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut BVB auf rund 15 Millionen Franken. Das Vorhaben erntet neben Zustimmung auch Kritik – nicht nur in den Kommentarspalten von Basler Zeitungen und auf Internetplattformen.

Großräte erwägen parlamentarischen Vorstoß

Mehrere Basler Großräte haben sich nämlich dafür ausgesprochen, einen parlamentarischen Vorstoß im Großen Rat einzubringen. Die Basta!-Großrätin Patricia Bernasconi hat bereits eine Anfrage eingebracht. „Der öffentliche Verkehr muss für alle zugänglich sein. Und das einfach und niederschwellig. Auch wenn heute allgemein vermehrt bargeldlos bezahlt wird, gibt es mehrere Gründe, wieso das Bargeld beim ÖPNV beibehalten werden soll“, schreibt sie. Und weiter: „In erster Linie handelt es sich bei den BVB um einen staatlichen Betrieb, nicht um ein privates Restaurant oder Bar.“ Viele Menschen würden auch spontan Bus und Tram nutzen und ein Einzelticket kaufen, das spreche ebenfalls gegen die bargeldlose Zahlung. Und was passiere, wenn das Bezahlsystem der Automaten einmal nicht funktioniere? Für solche Fälle brauche es Alternativen, ist die Politikerin überzeugt.

„Ich bin dagegen, dass die Möglichkeit, an BVB-Automaten mit Münz zu bezahlen, genommen wird“, sagt auch Andrea Strahm von der Mitte. Sie sehe immer wieder Personen mit Kleingeld bezahlen, das Bedürfnis sei also vorhanden. Das Vorhaben stößt auch bei der SVP auf keine Gegenliebe: Vor allem ältere Menschen bezahlten häufig mit Bargeld, und auch die spontane Tramfahrt könne so unter Umständen verunmöglicht werden, heißt es von Pascal Messerli. Und weiter: „Die BVB haben immer noch einen Service-public-Auftrag zu erfüllen.“ Derweil sieht Großrat Raoul Furlano von der LDP die Vorteile der Digitalisierung im Fahrkartenverkauf. Gleichzeitig soll auf ältere Menschen und Touristen Rücksicht genommen werden: „Bedenken hege ich jedoch, was ältere Menschen, sozial Benachteiligte oder Touristen betrifft, welche ohne passende Karten Schwierigkeiten haben könnten, Tickets zu kaufen.“ Wer keine Karte oder kein Smartphone dabeihabe, könne also kein Ticket mehr lösen.

Neue Automaten auch auf deutscher Seite

Die neuen Automaten, die auf den vorhandenen Sockeln aufgestellt werden sollen, betreffen auch den grenzüberschreitenden Verkehr, konkret die Tram 8 (Weil am Rhein) und die Linie 38 (Grenzach), da dort ebenfalls TNW-Automaten installiert sind, die von den BVB betreut werden, jedoch abweichend von den übrigen Schweizer Automaten das RVL-Ticketangebot vorhalten.

Der Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) sei von den Plänen der BVB informiert worden, sagte RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem hätten die BVB hinsichtlich des Pflichtenhefts umfangreiche Vorabklärungen mit den Partnern auf der deutschen Seite getroffen, verweist Bärnighausen auf die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die Stadt Weil am Rhein, Südbadenbus und RVL. „Leider wird das Thema Senioren immer gerne als Totschlagargument verwendet, aber auch bei dieser Kundengruppe nimmt die Smartphoneverbreitung perspektivisch zu“, sagt der RVL-Geschäftsführer. Bis zur Installation der neuen Automaten 2027 sei ausreichend Zeit für entsprechende Überlegungen und Vorbereitungen. „Wie so oft verursachen Veränderung und Abkehr von Gewohnheiten zunächst Verunsicherung und Kritik – wohl eher ein Sturm im Wasserglas.“

Ein Bestehen der deutschen Seite auf Bargeldannahme für ihre wenigen Automaten würde unverhältnismäßig hohe Kosten nach sich ziehen, ergänzt Bärnighausen. Darüber hinaus zeige die Analyse bisheriger Barverkäufe der vergangenen Jahre aus den betreffenden Automaten einen deutlichen Volumenrückgang und rechtfertige nicht mehr die fast doppelten Automaten- und Betriebskosten bei Vorhalten einer Bargeldannahme, kommentiert er den Abschied vom Bargeld.

In Zeiten von einer starken Aboverbreitung sei der Barkauf anteilsmäßig nicht mehr so bedeutsam, argumentiert der RVL-Geschäftsführer. Gleichwohl würden Überlegungen angestellt, welche zusätzlichen Vertriebskanäle oder Kaufmöglichkeiten die Automaten ergänzen sollten; dazu gehören bediente Verkaufsstellen und Handytickets, aber es ist laut Bärnighausen auch eine Prepaid-Kartenlösung angedacht, die eine Möglichkeit für weniger digital affine Kunden darstellen könnte.