Die Brücke vom Neuen Schulweg zum Supermarkt ist ein großes Problem, da die Treppe den barrierefreien Zugang unmöglich macht. Eine Lösung wäre die Senkung der Brücke in Verbindung mit einem Fahrstuhl. Foto: Fotos: Stadtseniorenrat Bad Liebenzell

Wie sieht es in Bad Liebenzell eigentlich mit der Barrierefreiheit aus? Der Stadtseniorenrat sucht knapp ein Jahr die großen und auch kleinen Probleme in den Gebieten rund um Stadtsee, Friedhof und das neue Ochsenareal. Nun wurden die Ergebnisse dargestellt und der Gemeinderat muss übernehmen.

Bad Liebenzell - Ein gutes Jahr lang besichtigte das Team des Projekts "Barrierefreies Bad Liebenzell" die Bereiche um den Stadtsee, den Friedhof und das Ochsenareal. Nun wurden die Probleme der Barrierefreiheit durch den Stadtseniorenrat präsentiert.

Bei dem Abend ging es darum, "eine Durchgängigkeit in der Stadt zu haben, Missverständnisse aufzuzeigen und einen Blick für die Situation zu bekommen", leitete Bürgermeister Dietmar Fischer die Veranstaltung ein.

Die Probleme könnten schon bei einer minimalen Bordsteinkante anfangen, die zu einem großen Hindernis für Rollstuhl oder Rollator werden kann. Die gezeigten Probleme und Lösungsvorschläge könnten demnach in den nächsten zwei Jahren ­angegangen werden, wie der Bürgermeister versicherte.

Optimierungen in Mobilität und Quartieren

Das Projekt entstand mit dem Anstoß des Bürgermeisters, einen Antrag an ein Förderprogramm des Vereins Allianz für Beteiligung in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg zu stellen. Daraufhin kam nicht direkt das Geld für die Umbauten, sondern eine Zusage von Beratungsgutscheinen im Wert von 4000 Euro, die der Stadtseniorenrat bei der Beratungsfirma Barrierefreies Leben in Mühlacker einlöste.

Der Vereinsvorsitzende des Stadtseniorenrats Günther Wallburg stellte zu Beginn der Präsentation klar, dass es um Optimierungen in Mobilität und Quartierentwicklung gehe, der wichtigste Hintergrund jedoch sei: "Wir wollen älteren Menschen den Wunsch erfüllen, möglichst lange zu Hause wohnen zu können." Durch Entwicklung der Infrastruktur und der Quartiere in Bad Liebenzell soll dies erreicht werden.

Im ersten Schritt wurden nun die Gebiete Stadtsee, Friedhof und Ochsenareal genauestens betrachtet. Im nächsten Schritt sollen auch die Teilorte Bad Liebenzells betrachtet werden. Hierfür wolle man auch die Ortschaftsräte hinzuziehen, wie Wallburg betont.

Umsetzung in den nächsten beiden Jahren

Die gefundenen Probleme wurden jeweils mit Bildern und Problemlösungen den Anwesenden gezeigt. Die weitere Planung und den Umgang mit den Problemen müsse der Gemeinderat übernehmen sowie auch die Kostenplanung. "Wir werden die Themen weitergeben und auch in den Haushalt mit einplanen", versicherte der Schultes.

Die Umsetzung der dann geplanten Maßnahmen solle in den nächsten beiden Jahren – zusammen mit dem Ochsenareal – fertiggestellt werden. "Denn was wir besonders im Ochsenareal bauen, wird 40 bis 50 Jahre bestehen", meinte Bürgermeister Fischer. Dementsprechend sollten barrierefreie Maßnahmen direkt mit einbezogen werden.

 Stadtsee Karlsstraße

Höhe der Bordsteinkanten, Zebrastreifen an ungeeigneter Stelle durch verminderte Einsicht und geringe Breite, unsicherer Zugang zum Aussichtsplatz, Höhe und Neigung der Ruhebänke, Treppe zum Stadtsee ohne Rampe oder geeigneten Handlauf

 Stadtsee Mathildenstraße

Höhe der Bordsteinkanten, Längs- und Quergefälle, Schotterwege

 Stadtsee Baumstraße

Höhe der Bordsteinkanten, Shared-Space-Bereiche (Gehweg sowohl für Fußgänger als auch Fahrradfahrer), unebene Straßenbeläge, Übergänge von Asphalt zu Pflaster beschädigt

 Parkplatz Baumstraße

kein Behindertenparkplatz, Zugang zum Bürgerhaus, 14-prozentige Steigung des Verbindungswegs am See

 Stadtsee Rundweg

Unebenheiten und Wegschäden, Zugang zur Lengenbachbrücke unklar, Neigung der Ruhebänke, 3,2-prozentige Steigung des Wegs, fehlende Zugänge zu Spielplatz, fehlende Sitzmöglichkeiten

 Friedhof

Wegegestaltung, Schotter, Treppe ohne Beschilderung zum bereits bestehenden barrierefreien Zugang

 Ochsenareal

Anbindungen an Straßen, Nahverbindungen (Supermarkt, Bäckerei und Metzgerei) und Nah- und Fernverkehr

 Bushaltestelle Karls-/Kirchstraße

nicht behindertengerecht, geringe Einsicht

 Alter Schulweg

Höhe der Bordsteinkanten, Asphaltierung beschädigt

 Neuer Schulweg

Gefälle, Treppen, Brücke zum Supermarkt zu hoch mit Treppe

 Hindenburgstraße

Zu enger Gehweg durch Straßenpoller, Übergänge gepflastert

 Pforzheimer Straße

Busbahnhof nicht behindertengerecht, diesen entsprechend umbauen

 Badweg

Treppe und kein behindertengerechter Handlauf, Asphaltierung, fehlende Ruhebänke

 Lösungsvorschläge

Anpassung der Bordsteinkanten, Asphaltierung erneuern oder Pflaster ersetzen, Gefälle und Steigungen senken, Treppen überdenken und mit Rampen oder Wegen und passenden Handläufen ergänzen, Aufstehhilfen an Ruhebänken anbringen, weiter Ruhebänke aufstellen, Ausschilderung alternativer Wege, Wegegestaltung, Fahrstuhl für die Neuer-Schulweg-Brücke