Chorleiterin Susanne Moßmann hat die Restaurierung der Silbermannorgel in Meißenheim von Anfang an begleitet Foto: Evangelische Dekanat Ortenau

Die Organistin und Chorleiterin Susanne Moßmann lässt die Zeit der Restauration der Silbermannorgel einmal Revue passieren und spricht über Höhen und Tiefen.

Seit 2018 existieren die Pläne zur Restaurierung, im September 2022 wurde die Renovierungsphase begonnen. Die Organistin und Chorleiterin Susanne Moßmann spricht über die verschiedenen Abschnitte der zurückliegenden Jahre, über Höhen und Tiefen und über die geplanten Veranstaltungen zur Wiedereinweihung. Durch zahlreiche Aktionen sowie die Unterstützung von Stiftungen und privaten Spendern konnte die notwendige Finanzierung des Eigenanteils fast ganz erbracht werden, die die Fördermittel des Denkmalschutzes des Bundes und Landes sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ergänzte, heißt es in der Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Ortenau. Ohne diese Mittel wäre eine Renovierung dieses Ausmaßes nicht möglich gewesen.

 

Frau, Moßmann, was ist denn das Besondere an der Orgel?

Die Orgel hat eine immense Bedeutung, da sie die einzige erhaltene Silbermann-Orgel in der Evangelischen Landeskirche Baden ist. Sie steht außerdem am originalen Aufstellungsort, für den sie konzipiert wurde. Etliche Teile sind in ihrem ursprünglichen Bestand erhalten wie sie 1776 von dem Straßburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann installiert wurden. Und wir können im Mai diesen Jahres den 250. Geburtstag der Orgel begehen und gleichzeitig das Jubiläum mit der gelungenen Restaurierung feiern. Anlass genug, dies mit Festgottesdienst am 10. Mai zu begehen sowie mit dem Orgelkonzert, das bereits am 9. Mai ab 19.30 Uhr stattfindet mit ausgewählten Orgelwerken aus Barock, Romantik und Moderne.

Wie erlebten Sie die vergangenen Jahre vom Beginn der Restaurierung bis heute?

Wir dachten alle nicht, dass die Renovierung solch eine lange Zeit beanspruchen würde. Es war zunächst nur eine Generalüberholung geplant, da es keine größeren Schäden gab. Aber nach und nach entschied man sich auch aufgrund der Beratung des Sachverständigen Professor Michael Kaufmann und durch mehrere Orgelbauer zur großen Renovierung, um die Orgel für weitere Generationen im optimalen Zustand erhalten zu können. Mit Orgelbaumeister Andreas Schiegnitz aus Grünstadt in der Pfalz konnten wir einen echten Restaurierungsfachmann damit beauftragen. Und es gab viele Überraschungen beim Abbau der Orgel wie beispielsweise historische Kritzeleien an der Rückwand des Standortes der Orgel oder auch die Originalwandfarbe und der Holzfußboden. Da kamen die Restauratoren und die Denkmalschützer ins Schwärmen. Das musste dokumentiert werden, da man solch gut erhaltene historische Originale nur selten noch sieht.

Gab es ein Erlebnis, das Sie persönlich berührte?

Es waren viele Kleinigkeiten, die dann aber zu großen Herausforderungen wurden. Beispielsweise sind die älteren Orgelakten alle in Sütterlinschrift verfasst, dies kostete erhebliche Zeit zum Übersetzen. Auch die Aktion und Mithilfe der Feuerwehr wird mir immer im Gedächtnis bleiben, wie das historische Orgelgehäuse mit Seilen und Wagenhebern beim Zurückrücken an den originalen Standort abgesichert werden musste. Das war sehr aufregend. Besonders war die Suche nach einem Schmied, der die erforderlichen Nägel nach historischem Vorbild schmieden musste. Oder die zahlreichen Recherchefahrten zu Silbermannorgeln im Elsass und Ettenheimmünster, um immer wieder das historische Vorbild zu haben.

Sie haben jede Menge Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Ihre Leidenschaft für die Musik und die Kirche in Meißenheim müssen sehr groß sein.

Solch eine umfangreiche Maßnahme ist immer Teamarbeit – und es gab ein gutes Team mit Frank Spengler und mir als Organistin, Altbürgermeister Alexander Schröder und Pfarrer i.R. Heinz Adler sowie großes Vertrauen und Rückhalt im Kirchengemeinderat. Auch Pfarramtssekretärin Ingrid Kern hatte eine Unmenge bürokratischer Arbeiten zu leisten. Auftraggeber der Restaurierung ist die evangelische Kirchengemeinde Meißenheim. Und ja, ich liebe die Meißenheimer Kirche, Konzerte aller Art sind ein wahrer Genuss aufgrund der hervorragenden Akustik. Wir hatten viele Fachleute aus Denkmalschutz und Instrumentenbau in den Jahren hier zu Gast – und alle haben sich für diesen wunderbarem Raum und seinen Klang begeistert. Das Orgelspiel ist nicht nur besonders festlich erhebend, sondern auch trostspendend, was vor allem bei Trauerfeiern nun wieder von den Menschen erfahren werden kann.

Wie beschreiben Sie Ihre Gefühlswelt angesichts der baldigen Fertigstellung und der damit verbundenen Feierlichkeiten?

Mir gab es schon ordentliche Stiche ins Herz wegen der Aufschübe der Termine für die Fertigstellung. Man kann sich verlieben, aber auch verlieren in dem Bereich, denn man bangt mit. Man ist unglücklich, wenn wieder etwas nicht funktioniert – auch am 9. Mai wird noch nicht alles fertig sein. Aber wir wissen wie die Fachwelt um die Bedeutung und den Wert, auch den ideellen, der faszinierenden Orgel. Viele Menschen kamen nach Meißenheim, um die Orgel zu sehen, auf der schon Albert Schweitzer gespielt hat. Wir sind froh, den Entschluss gefasst zu haben, die Orgel im Zuge der Renovierung für das nächste Jahrhundert zu erhalten und freuen uns, wenn wir zukünftig die Konzertbesucherinnen und -besucher und die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher mit dem einmaligen festlichen, ruhigen und edlen Klang unserer Silbermann Orgel wieder begeistern können.

Gottesdienst

Der Festgottesdienst zur Wiedereinweihung der Silbermannorgel ist für Sonntag, 10. Mai, ab 10.15 Uhr geplant. Weitere Informationen gibt es unter www.ekimeissenheim.de.