Beeindruckende Abschlaghöhe: Nyherowo Omene, Diagonalangreifer der Barock Volleys Ludwigsburg. Foto: Baumann/Britsch

Der US-Volleyballer Nyherowo Omene (22) hat bei Bundesliga-Aufsteiger Ludwigsburg voll eingeschlagen – weshalb der Diagonalangreifer ziemlich sicher nicht zu halten sein wird.

Das Schöne am Sport ist seine Unberechenbarkeit. Manchmal überholt die Realität sogar den eigenen Anspruch. Eigentlich lautet die Zielsetzung der Barock Volleys MTV Ludwigsburg: „Gekommen, um zu bleiben.“ Doch nach sechs Spieltagen steht der Bundesliga-Aufsteiger so gut da, dass viel mehr möglich scheint. Das liegt vor allem an der guten Personalstrategie – und an einem, der dermaßen auftrumpft, dass er kaum zu halten sein wird.

 

Gegen die Volley Goats Mitteldeutschland feierte das Team aus Ludwigsburg am Sonntag nicht nur einen 3:0-Erfolg (25:15, 25:21, 25:19), sondern auch schon seinen vierten Sieg. Damit befindet sich der Neuling, der zudem beim 2:3 im Auftaktspiel für den einzigen Punktverlust von Spitzenreiter SVG Lüneburg sorgte, in der Tabelle völlig unerwartet auf Platz vier. Und es gibt sogar Ranglisten, die ein Ludwigsburger anführt: Nyherowo Omene ist mit 125 Punkten vor Theo Timmermann (Königs Wusterhausen/108) und Lars Migge (Giesen/93) der gefährlichste Angreifer der Bundesliga, keiner erzielt im Schnitt mehr Punkte pro Satz (5,7) und auch in der Scorer-Wertung (Punkte abzüglich Fehler) liegt er mit 61 Zählern auf Rang eins. „Wir wussten, dass wir einen sehr guten Diagonalangreifer brauchen, um als Aufsteiger bestehen zu können“, sagt Sportdirektor Michael Dornheim, „Nyherowo Omene hat voll eingeschlagen.“

Sportdirektor Michael Dornheim lobt: „Ein exorbitant guter Angreifer“

Klar ist: Ohne starkes Team geht im Volleyball nichts. Dass der frühere Zuspieler Michael Dornheim (57), der 192 Partien mit dem deutschen Nationalteam bestritt und in der vergangenen Zweitliga-Saison Trainer der Ludwigsburger war, ein gutes Händchen für die Zusammenstellung eines erfolgversprechenden Kaders hat, in dem es sportlich wie menschlich passt, ist offensichtlich. Die Neuzugänge Jeffrey Klok (Libero), Tomi Saarinen (Zuspiel) und Jan Huber (Mittelblock) wurden auf Anhieb zu Führungskräften, zu denen auch Kapitän Ben-Simon Bonin gehört.

Klar ist aber auch: Richtig stark kann ein Team im Volleyball nur dann sein, wenn es Spieler hat, die den Ball auf den Boden bringen. „Nyherowo Omene verfügt über eine unglaubliche Physis, seine Kraft und Athletik sind unfassbar“, sagt Michael Dornheim über den 2,01 Meter großen US-Amerikaner, dessen Abschlaghöhe 3,70 Meter beträgt, „er ist ein exorbitant guter Angreifer.“ Der die erste Saison als Volleyball-Profi bestreitet.

Schmetterschlag durch den Lüneburger Block: Nyherowo Omene. Foto: Baumann/Julia Rahn

Sein Talent zeigte Nyherowo Omene (22) in den vergangenen Jahren im College-Team der Princeton-University im Bundesstaat New Jersey, an der er Architektur studierte, sowie in der U-21- und der U-23-Nationalmannschaft der USA. Nachdem er den Bachelor in der Tasche hatte, entschied er sich dafür, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. „Ich will mich weiterentwickeln, in der Bundesliga bekannt werden“, sagt Nyherowo Omene, „deshalb war es die richtige Entscheidung, nach Ludwigsburg zu kommen. Team und Umfeld sind perfekt.“

Nyherowo Omene freut sich über die Belohnung

Der Wechsel kam auch deshalb zustande, weil Michael Dornheim mit der italienischen Agentin von Nyherowo Omene, die zudem MTV-Außenangreifer Tim Köpfli vertritt, schon länger gut zusammenarbeitet. Wenn sie nicht überzeugt gewesen wäre, dass Ludwigsburg für den Diagonalangreifer der richtige Ort ist, um den nächsten Schritt zu machen, wäre er nicht hier. Bisher geht die Rechnung voll auf. „Wir haben ein sehr starkes Team, das hart daran arbeitet, besser zu werden“, sagt Nyherowo Omene, der sich nicht in den Vordergrund stellen will und Rang eins in der Scorer-Liste vor allem als Bestätigung sieht: „Es fühlt sich gut an, wenn sich das Training auszahlt.“

Zugleich warnt der US-Amerikaner, der sich selbst als hartnäckig und zielstrebig beschreibt, aber auch als „immer positiven, entspannten Kerl“, aus dem gelungenen Auftakt die falschen Schlüsse zu ziehen. „Wir freuen uns über den gelungenen Start, doch niemand gibt sich damit zufrieden“, erklärt Nyherowo Omene, „und niemand im Team würde jetzt die Erwartungshaltung verändern. Denn wer zu viel erwartet, befindet sich zwangsläufig auf der Straße der Enttäuschungen.“ Ähnlich sieht es der Sportdirektor.

Michael Dornheim: Es kommt auf jeden Mosaikstein an

„Wir wissen nach den ersten sechs Partien, dass wir eine starke Mannschaft gebaut haben, die eine tolle und erfolgreiche Saison spielen kann“, antwortet Michael Dornheim auf die Frage, ob sogar der Einzug in die Play-offs möglich ist, „allerdings nur, wenn alle gesund bleiben und ihr Leistungsvermögen voll ausschöpfen. Bei uns darf kein Mosaikstein herausbrechen.“ Und selbst dann gibt es das Problem, das immer auftritt, wenn es in einer Mannschaft gut läuft.

Der Saisonetat der Barock Volleys MTV Ludwigsburg bewegt sich im mittleren sechsstelligen Bereich. Schon um den im Sommer noch weitgehend unbekannten Nyherowo Omene verpflichten zu können, musste der Aufsteiger an seine finanziellen Grenzen gehen. Spielt der US-Amerikaner so weiter, kann ihn sich der Club künftig nicht mehr leisten. „Er hat in der Bundesliga derart überrascht, dass sein Marktwert in Europa schon jetzt explodiert ist“, sagt Michael Dornheim, „wenn sich unser Budget nicht exorbitant erhöht, werden wir ihn nicht halten können.“ Was eines deutlich aufzeigt: Es gibt im Profisport auch Dinge, die ziemlich berechenbar sind.