Mit Begeisterungsstürmen endete das vom Hotel Bareiss veranstaltete Adventskonzert in der Christuskirche. Unser Bild zeigt Harfenist Kiko Pedrozo, Marie-Josefin Melchior (Violine) und Johann Zeller (Akkordeon) mit (von links) dem Pfarrer der Verbundkirchengemeinde Mitteltal-Obertal, Markus Fellmeth, Bürgermeister Michael Ruf, Britta Barreis und Seniorchef Hermann Bareiss. Foto: Günther

Erstmals nach der Corona-Pause hatte das Hotel Bareiss wieder zum Adventskonzert in die Christuskirche eingeladen – und dabei einen Volltreffer erzielt.

Baiersbronn-Mitteltal - Das Ensemble "KlangZeit & Kiko Pedrozo" mit Kiko Pedrozo, Marie-Josefin (Finni) Melchior und Johann (Hansi) Zeller riss mit seinem Harfen-, Flöten-, Gitarre-, Geigen-, Flügelhorn- und Akkordeonspiel sowie dem Gesang die Konzertbesucher in der voll besetzten Christuskirche geradezu zu Beifallsstürmen hin.

Virtuosität und Witz

Versprochen hatte der Veranstalter "ein besonderes Erlebnis mit Momenten voller Innigkeit, reich gespickt mit Virtuosität, Witz und viel musikalischer Spritzigkeit". Ein Versprechen, das voll eingelöst wurde. Dazu kam ein Adventsempfang in der Pause, bei dem anregende Gespräche bei Getränken und Weihnachtsgebäck zusätzlich für die richtige Einstimmung in den Advent sorgten.

Patron Hermann Bareiss hatte in seiner berührenden Ansprache dafür geworben, in der Adventszeit mit einer "Prise menschlicher Liebenswürdigkeit" und einem kleinen Lächeln in den Augen aufeinander zuzugehen. "Endlich, endlich, endlich haben wir unser traditionelles Adventskonzert zurück", freute er sich. Den Konzertbesuch und die Musik definierte er als eine Realität einer Lebensfreude, "nach der wir uns sehnen und die wir brauchen wie die Luft zum Atmen". Als Hausherr begrüßte auch der Pfarrer der Verbundkirchengemeinde Mitteltal-Obertal, Markus Fellmeth, die vielen Gäste. Für Fellmeth stellt das Bareiss-Adventskonzert einen lieb gewordenen Auftakt in den Advent und eine gelungene Verbindung von Kirche und Kultur dar. Die Spenden dieses kostenlosen Konzerts erbat er – in Absprache mit Familie Bareiss – für "Brot für die Welt".

Das aus Bayern angereiste Ensemble stellte sein überragendes musikalisches Niveau gleich vom ersten Takt mit dem von Hansi Zeller komponierten bayerischen Zwiefalter "Caspars Reise" unter Beweis. Da wurde die Reise des dritten der Heiligen Drei Könige mit Harfe, Akkordeon und Geige musikalisch beschrieben und besungen. Ungewöhnlich und schön dabei, dass alle Musiker ihre Instrumente anfangs als rhythmische Klangkörper nutzten. Bei Zellers Eigenkomposition "Valse pour le moment" war angesichts des harmonischen Dreiklangs dagegen einfach nur Träumen angesagt – und Freude über den perfekten Gesamtklang von Harfe, Violine und Akkordeon sowie über die Einzelleistungen der drei Vollblutmusiker.

Andere Klangwelten

Mit einem Stück aus Paraguay, Pedrozos Heimatland, entführte dieser in völlig andere Klangwelten. Da erklang die Harfe nicht sanft und weich, sondern temperamentvoll, fordernd und forsch zugleich. Dass dies neben dem ungewohnten Harfenrhythmus auch an einer anderen Spielweise lag, verriet Pedrozo hinterher dem gebannt lauschenden Publikum. Werden doch in seiner südamerikanischen Heimat die Saiten nicht wie hierzulande üblich mit den Fingerkuppen, sondern mit den Fingernägeln angeschlagen.

Auch mit Astor Piazzollas weltbekanntem Tango "Adios nonino" gelang dem Trio, und in dem Fall speziell Zeller, geradezu ein Kunststück, ein grandioses noch dazu. Bemerkenswert, wie gut es ihm gelang, mit seinem Akkordeon den typischen Bandoneonklang und -rhythmus zu erzeugen. Manch einer der begeisterten Zuhörer mag sich dabei gefragt haben, ob der edle Sandsteinboden der Kirche sich nicht zum Tango tanzen eignen könnte, so leidenschaftlich, schwermütig und zugleich mitreißend interpretierte Zeller die weltbekannte argentinische Melodie.

Damit die Parität gewährt sei, so Marie-Josefin Melchior schmunzelnd, spielten die Musiker anschließend das Lied von der Schäferin und den Hirten auf dem Feld. Mal in Anlehnung an bayerische Stubenmusik, mal mithilfe irischer Klänge verkündete diese das frohe Ereignis. Glänzend dabei Melchior, die sowohl für ihr Flöten-, als auch mit ihrem Violinsolo großen Beifall erhielt. Bemerkenswert war erneut die vollständige Harmonie, mit der die Spieler miteinander agierten.

Mit weiteren Eigenkompositionen, Stücken bekannter Interpreten, herrlicher Klezmermusik sowie einigen volkstümlichen Stücken endete der beeindruckende Konzertabend traditionell mit dem gemeinsam gesungenen "Oh du fröhliche". Wobei sich die Musiker angesichts des langen, stehenden Applauses noch zwei Zugaben ihrer, so Bareiss abschließend, "Weltmusik vom Feinsten" entlocken ließen.