Die Anzahl an Barbershops nimmt deutschlandweit stetig zu. Auch in Villingen-Schwenningen gibt es einige. Dass es unter den Salon-Betreibern auch schwarze Schafe gibt, weiß der Inhaber eines Meisterbetriebs aus der Doppelstadt. Er und eine Friseurin berichten von ihren Erfahrungen und fordern stärkere Kontrollen.
Erst vor wenigen Wochen eröffnete ein neuer Barbershop in der Villinger Innenstadt. „Wieder einer mehr. Aber besser als Leerstände“, findet Friseurin Angelina Vosseler-Krieger. Sie ist seit 14 Jahren Friseurmeisterin und Inhaberin eines Friseursalons in der Hammerhalde. Dennoch fragt sie sich: „Wie funktioniert das?“ Die Barbiere würden ihre Salons nicht selten in Gegenden eröffnen, in denen hohe Mieten verlangt werden. Hinzu komme die große Konkurrenz, weil es inzwischen so viele Barbershops gibt. Die Salons seien meist edel eingerichtet, gleichzeitig entdecke man im Vorbeigehen oft nur wenige Kunden. Wie diese Rechnung aufgehen kann, versteht die Friseurin nicht.
Für sie seien die Barbershops keine Konkurrenz. In ihren Salon kämen auch viele männliche Kunden. Oft höre sie jedoch, dass die Barbiere keinen Meistertitel bräuchten, um einen Salon eröffnen und betreiben zu dürfen. „Wenn das stimmt, finde ich das schon unfair“, sagt Vosseler-Krieger. Friseure, die einen eigenen Salon eröffnen möchten, brauchen den Meistertitel zwingend. „Da investiert man echt viel Zeit und der Meister ist auch teuer“, weiß sie. Deshalb fände sie es nicht in Ordnung, wenn es da Unterschiede gäbe.
Doch gibt es die? Auf Anfrage bei der Handwerkskammer Konstanz erklärt Pressesprecherin Petra Schlitt-Kuhnt, dass Barbiere bei der Eröffnung eines eigenen Salons die gleichen Vorgaben wie Friseure erfüllen müssen. Es sei ein Handwerksrolleneintrag für das Friseurhandwerk nötig. Der Inhaber eines Barbershops müsse selbst keinen Meistertitel nachweisen. Jedoch müsse stattdessen ein Vollzeit-Betriebsleiter mit Meister eingestellt werden, der nach Tarif bezahlt wird, heißt es seitens der Handwerkskammer.
Viele Barbiere halten sich nicht an die Regeln
Alternativ müsse eine Ausnahmebewilligung vorliegen. Diese bekomme man nur, wenn „sowohl theoretische und praktische als auch kaufmännische und allgemeinrechtliche Kenntnisse in einer Prüfung“ nachgewiesen werden können, erklärt Schlitt-Kuhnt. Man müsse zeigen, dass das erforderliche Wissen aus dem Friseurhandwerk beherrscht wird und dass man in der Lage ist, einen Salon zu leiten. Ein Barbershop ohne Meister dürfe außerdem nicht ausbilden.
Dass es Barbiere gibt, die sich nicht an diese Regeln halten oder rechtliche Grauzonen nutzen, weiß Granit Gavranaj. Er ist Friseurmeister und betreibt selbst einen Barbershop in Villingen. Sein Salon „Gentlemen´s Club Granit´s Barber Shop“ wurde beim Kundentest des Playboy Magazins bereits zwei Mal unter die 100 besten Barbershops deutschlandweit gewählt. In Baden-Württemberg hat er es unter die besten zehn Salons geschafft. Das war in den Jahren 2018 und 2019.
Gavranaj weiß, dass Barbershops einen schlechten Ruf haben. Und er weiß, dass das nicht unbegründet ist - aus eigener Erfahrung: „Ich wurde schon von anderen Barbieren gefragt, ob sie mich als Meister bei sich eintragen dürfen“, erzählt er. Das sei schon drei oder vier Mal passiert. Man habe ihm dafür Geld geboten, er habe natürlich immer abgelehnt.
Meister-Titel werden gekauft, Bilder geklaut
Dabei gehe es nicht nur darum, dass die Barbiere ohne einen Meister keinen Salon eröffnen dürfen. Ohne den Titel dürfen sie auch kein Haupthaar schneiden, erklärt er: „Ein Barbier darf nur Barthaare schneiden, rasieren und trimmen.“ Alles oberhalb des Brillenbügels ist Sache eines Friseurs.
Dennoch bieten die meisten Barbiere auch Herrenhaarschnitte an. Es sei nicht selten, dass die Barbershops fremde Meister eintragen lassen, die jedoch gar nicht in dem entsprechenden Salon arbeiten, erzählt Gavranaj. Der Friseurmeister vermutet, dass das bei 80 bis 90 Prozent der Barbershops in der Doppelstadt so laufe. Ihn ärgert das: „Solche Leute machen die Branche kaputt.“
Doch nicht nur mit solchen Angeboten habe er schlechte Erfahrungen gemacht: „Auch meine Bilder, die ich gepostet habe, wurden schon von anderen Barbieren geklaut.“ Manche Barbiere würden auch Bilder von Salons aus dem Ausland benutzen und als ihre eigenen ausgeben. Einmal habe in der Doppelstadt sogar ein Salon mit einem ganz ähnlichen Namen eröffnet, so dass Kunden dachten, die Barbershops gehören zusammen.
Barbershops sollten stärker kontrolliert werden
Der Barbershop-Betreiber findet, dass eine Friseurausbildung auch für Barbiere wichtig ist: „Allein wegen der Hygiene.“ Er ist sich auch nicht sicher, ob sich alle an die Hygienevorschriften halten. Wegen mangelnder Hygiene und unzureichender Desinfektion von Rasiergeräten macht sich laut vielen Medienberichten aktuell ein hochansteckender Pilz auf den Köpfen junger Männer breit, die zuvor im Barbershop waren.
Bei der Friseur-Ausbildung lerne man Dinge, die für das Handwerk wichtig seien, etwa färben, schminken, Nagelpflege und vieles mehr. Er selbst habe in seinem Barbershop bereits einen Friseur ausgebildet. Dabei habe er mit Friseursalons zusammengearbeitet. „Die haben ihn dann bei sich arbeiten lassen und ihm Dinge beigebracht, dafür hatte ich auch schon Azubis von Friseursalons bei mir. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich finde es wichtig, dass man sich innerhalb der Branche versteht.“
Wie auch Angelina Vosseler-Krieger findet er, dass Barbershops stärker kontrolliert werden sollten. „Aktuell wird meiner Meinung nach gar nicht richtig kontrolliert.“ So könnten die schwarzen Schafe der Branche einfach immer so weitermachen. „Da muss man sich nicht wundern, wenn die Leute mit Barbershops etwas Schlechtes assoziieren.“