Wolfgang Niedeckens BAP begeben sich auf „Zeitreise 81/82“ – und die ausverkaufte Liederhalle reist mit: Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert in Stuttgart.
Wolfgang Niedecken hat sich eine Regel gesetzt, für die aktuelle Tournee von BAP: Nicht einen Song, sagt er, wolle er spielen, der nicht mindestens 40 Jahre alt sei. Die Zeitreise, auf die er sich so begibt, führt in die richtige Zeit, denn 1982 war Deutschland im BAP-Fieber, schoss jede Single der Band an die Spitze, standen die Alben „Für usszeschnigge!“ und „Vun drinne noh drusse“ in jedem Regal.
BAP gründeten sich 1976 und wurden mit „Verdamp lang her“ zu Stars, lösten die Neuen Deutschen Welle ab mit Rock’n’Roll, Balladen, Poesie und Politik. Sie prägten eine Generation – und die scheint nun auch gekommen zu sein, am Samstagabend, nahezu vollzählig: Die Liederhalle ist ausverkauft.
BAP spielen ihre ersten Alben, spielen Stücke, die sie noch nie oder seit Jahrzehnten nicht gespielt haben. Die Tour läuft seit Anfang November. „Es ist phänomenal“, sagt Wolfgang Niedecken, „was dabei im Publikum passiert. Ich hab Leute mit Tränen in den Augen gesehen, und auf einmal wurden alle 40 Jahre jünger.“ Doch freilich: Die Welt hat sich verändert.
Alles geht los mit „Koot vüür Aach“
Der einstige Junggeselle Niedecken ist heute 73 Jahre alt, Großvater, und er sagt: „Die eine oder andere Einstellung hat sich auch ein bisschen modifiziert. Man muss nicht mehr unbedingt der Meinung von vor 42 Jahren sein. Man muss immer wieder über die selben Sachen nachdenken und bereit sein, andere Schlüsse zu ziehen. Das ist wichtig.“
Mehr als drei Stunden stehen BAP in Stuttgart ununterbrochen auf der Bühne und spielen 30 Stücke – der Chef hält sowohl Pause als auch Zugabe für Tand und nutzt die Zeit, um von ehemaligen Stammkneipen zu erzählen, von frühen Konzerterlebnissen, chaotischen Reisen und davon, wie dieser oder jener Song entstand – der „Waschsalon“ zum Beispiel.
BAP sind im Jahr 2024 Wolfgang Niedecken, Bassist Werner Kopal, Multiinstrumentalistin Anne de Wolff, Keyboarder Michael Nass, Gitarrist Ulrich Rode, Schlagzeuger Sönke Reich; hinzu kommt eine dreiköpfige Bläsersektion, die manch altem BAP-Hit druckvolle Reife verleiht. Alles geht los mit „Koot vüür Aach“ und „Südstadt verzäll nix“; es geht weiter mit „Nemm mich mit“ und Niedeckens Version des „Summertime Blues“.
Beim „Müsli-Män“ setzt der Schlagzeuger sich den Rasta-Hut
Viel später gibt es Coverversionen der Dylan-Songs „Like a Rolling Stone“ und „Hurricane“ – Anne de Wolff wird dabei zur Teufelsgeigerin. Davor: Alles, was den echten BAP-Fans die Tränen in die Augen treiben kann, gespielt von einer rockigen, gut gelaunten Band, gespickt mit kräftigen Soli für Gitarre, Saxofon oder Kazoo. Da kommen „Jupp“ und „Frau, ich freu mich“ und ein ganzer Block mit stillen Stücken, Cello-Klängen.
Beim „Müsli-Män“ setzt der Schlagzeuger sich den Rasta-Hut auf, bei „Wellenreiter“ prüft Niedecken die Kölsch-Kenntnisse seiner Stuttgarter Fans. Einstmals, das weiß er noch, schwenkten die Fans bei „Do kanns zaubere“ die Räucherstäbchen, heute schwenken sie die Smartphones – aber „Zehnter Juni“, die alte Absage an den Krieg, funktioniert noch gut: Niedecken singt diese Hymne heute für die Desserteure der russischen Armee.
BAP: Setlist in Stuttgart
- Koot vüür Aach
- Südstadt, verzäll nix
- Nemm mich met
- Wo mer endlich Sommer hann
- Waschsalon
- Ens em Vertraue
- Nit für Kooche, Teil 1
- Nit für Kooche, Teil 2
- Ahn ’ner Leitplank
- Wellenreiter
- Müsli Män
- Zehnter Juni
- Wenn et Bedde sich lohne däät
- Kristallnaach
- Fuhl ahm Strand
- Weisste noch?
- Eins für Carmen un en Insel
- Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau
- Jupp
- Ne schöne Jrooß
- Verdamp lang her
- Frau, ich freu mich
- Do kanns zaubere
- Anna
- Jraaduss
- Wie ’ne Stein
- Hurricane
- Stell dir vüür
- Wahnsinn
- Häng de Fahn eruss
- Et letzte Leed
- Helfe kann dir keiner