König Bansah trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein und unternimmt eine Sonderfahrt mit der ältesten betriebsbereiten elektrischen Eisenbahn der Welt. Foto: Ingrid Kohler

Er feierte 2022 sein 30-jähriges Thronjubiläum, König Céphas Kosi Bansah von Hohoe Gbi Traditional Ghana. Jetzt weilte er gemeinsam mit seiner deutschen Frau Gabriele in der Musikstadt Trossingen, um, so sein Wunsch, eine Fahrt auf der ältesten betriebsbereiten elektrischen Eisenbahn der Welt zu machen.

Seit vielen Jahren besteht eine Freundschaft zwischen König Bansah und dem Trossinger Georg Quandt, der mit seinem Deutsch-Namibischen Hilfsfonds die Ärmsten der Armen in Namibia unterstützt.

 

Und in all den Jahren, wenn König Bansah nach Trossingen kam, wurde er von Quandt, aber auch anderen Trossingern mit Hilfsgütern für Ghana bedacht. So auch bei seinem jüngsten Besuch.

Der mit einem farbenfrohen prächtigen Gewand und einzigartigem Goldschmuck bekleidete König kam nicht direkt aus seinem Königreich Ghana, sondern mit dem Auto aus Ludwigshafen am Main angefahren und wurde vor dem Eisenbahnmuseum von Karsten Kühn, dem neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Trossingen, begrüßt, betonte aber sofort „wir sagen alle Du – ich bin Céphas“.

Einzigartige Unterschrift im Goldenen Buch

Bevor er sich in das von Bürgermeisterin Susanne Irion mitgebrachte Goldene Buch der Stadt mit seiner schönen Schrift und der einzigartigen Unterschrift eintrug, erzählte der inzwischen 76-jährige König Bansah, dass er in jungen Jahren im Rahmen eines Austauschprogrammes nach Deutschland gekommen sei, hier Kfz- und Landmaschinenmechaniker gelernt, den Meister gemacht und geblieben sei mit eigener Werkstatt in Ludwigshafen am Main.

Der König hatte 73 Geschwister

Sein Vater habe zwölf Frauen gehabt „ich hatte 73 Geschwister“. Der Opa sei König gewesen, doch sein Vater und sein ältester Bruder waren Linkshänder und durften somit nicht König werden. Bürgermeisterin Susanne Irion, die Bansah zuvor als „Königin von Trossingen“ begrüßt hatte, meinte lachend, dass auch sie Linkshänderin sei und deshalb keine Königin werden könne.

Schmerzhafte Prüfungen in Quarantäne

„Als mein Opa gestorben ist, wurde ich als der kleine Junge aus Deutschland als König bestimmt“, allerdings galt es für ihn eine Woche lang sehr harte und schmerzhafte Prüfungen in Quarantäne zu überstehen. „Ein König muss stark sein“, betont Bansah, der seit seiner Krönung König von zehn Stämmen ist.

Die Arbeit in Ghana erledige schwerpunktmäßig sein Bruder, doch immer wieder fliegt er in sein Land, um Entwicklungshilfe der unterschiedlichsten Art zu schaffen. „Gleich als ich König wurde, habe ich Wasserpumpen gesammelt, die Fracht für den Transport hat Margarethe Schreinemakers bezahlt“, denn die ehemalige TV-Moderatorin und Alfred Biolek hätten ihn fürs Fernsehen entdeckt. „Ich habe jetzt insgesamt 22 Brunnen gebaut – mehr als die Regierung“, betont König Bansah. Seit es sauberes Wasser gebe, sei die Kindersterblichkeit sehr zurückgegangen.

Größter Respekt für sein Werk

„Wir haben ein Wasser-Überangebot“, betonte Stadtwerke-Chef Karsten Kühne, doch „die Sicherheit des Wassers kostet in Deutschland Millionen Euro“, und zollte dem ghanaischen Gast allergrößten Respekt für sein Werk, denn „für uns sind viele Dinge, die Sie anpacken, Selbstverständlichkeit“.

Stadtwerke finanzieren weiteren Brunnen in Ghana

Kühn überraschte König Bansah mit der Zusage, dass die Stadtwerke Trossingen die Kosten in Höhe von rund 6000 Euro für den Bau eines weiteren Brunnens in Ghana übernehmen. „Vielen Dank, das ist der 23. Brunnen – lieber Gott ich werde euch nicht vergessen – danke Trossingen“, waren Worte des ghanaischen Königs.

Seit rund 125 Jahren fahren sie elektrisch

Stefan Ade, der Vorsitzende des Freundeskreises Trossinger Eisenbahn, informierte im Eisenbahnmuseum, dem Technischen Kulturdenkmal, die Gäste über die damalige Entscheidung, bei Kerzenlicht im kleinen Dorf Trossingen eine elektrischen Eisenbahn zu bauen, und meinte „heute reden wir alle über Elektromobilität, für Trossingen ist das ein alter Hut, wir fahren seit rund 125 Jahren elektrisch“.

Er hoffe, dass es über eine umschaltbare Oberleitung von 15 000 Volt für die geplanten neuen Ringzüge, auf 600 Volt für die historischen Trossinger Fahrzeuge möglich sei, den Museumsbahnbetrieb in Zukunft aufrecht zu erhalten.

Historische grüne Garnitur setzt sich in Bewegung

Pünktlich um 11.14 Uhr setzte sich für die besonderen Gäste die historische grüne Garnitur in Bewegung vom Museumsgleis in Richtung Staatsbahnhof.

Der illustre König Bansah ließ es sich nicht nehmen unter Anleitung von Stefan Ade, den Zug selbst zu führen und weckte an der Schranke die Neugier der wartenden Autofahrer. Nachdem Stefan Ade an das Betriebswerk in Karlsruhe die

„Zugvollständigkeitsmeldung“ vollzogen hatte, ging die Fahrt zurück nach Trossingen Stadt, wo der König die anwesenden Frauen „Glücksarmbänder“ verteilte, gefertigt von einer 90-jährigen Frau in Ghana und freute sich, dass es sein Freund Georg Quandt es möglich gemacht hatte, einmal mit der Trossinger Eisenbahn zu fahren.