Beim Start begrüßte Oberbürgermeisterin Diana Stöcker und Roland Christ (rechts) vom Schwarzwaldverein die große Schar an Teilnehmern. Foto: mme

Das Dorf oberhalb von Weil am Rhein hat es in sich. Die Aussicht genießen gerne auch Prominente – einige bleiben sogar für immer.

Im Vorfeld der Bannwanderung am Samstag sagte Oberbürgermeisterin Diana Stöcker noch: „Ich würde mich sehr freuen, wenn uns interessierte Bürger begleiten würden“. Da war der Routenplaner, in Person von Roland Christ, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Weil am Rhein, bereits schon optimistischer.

 

Bei Christ hatten sich nach der Ausschreibung schnell zahlreiche Teilnehmer angemeldet. Wer dann wirklich alles kam, das überraschte dann doch den Vorsitzenden und erfreute das Stadtoberhaupt: Tatsächlich fanden sich am Treffpunkt bei der Bushaltestelle „Alte Post“ in Alt-Weil rund 80 gut gelaunte Mitwanderer ein.

Wie bereits schon bei verschiedene anderen Führungen konnte Christ wieder auf informative Unterstützung aus der Stadtführergruppe zählen. So erzählte Stadtführerin Sabine Theil zu Beginn in kompakter und humorvoller Weise, welche große Bedeutung dieser älteste Teil der Gemeinde in den vergangenen Jahrhunderten bis vor nicht allzu langer Zeit hatte.

Das Dorf am Tüllinger, welches zur Stadt wurde

Begonnen über die erste Erwähnung 751 von Leidikon, über die „Bannmühle“, die auch Fortschritt sowie Lebensgrundlage bedeutete und die von enormer Wichtigkeit für das kleine Dorf war. Sie erzählte vom Leben an der Grenze und dem sich bewegenden Grenzstein, an dem Fluss Wiese als Lebensader, dem Waschhaus, dem Meierhof, vom Unter- und Oberdorf, bis zum Theater am Mühlenrain. Viel Applaus und Blumen gab es dafür.

Bannwanderung zu Weil am Rheins höchstem Punkt

Danach machte sich ein langer Lindwurm über den Grenzacher Weg hinauf zum Oberen Schlipfweg, wo Christ eindrücklich aufzeigte, wie die Weiler Gemarkung bis zur Wiese hinunter reicht. Es folgte ein steiler Anstieg den Tüllinger Berg hinauf, bis ein fast ebener Panoramaweg erreicht wurde, von dem an diesem herrlichen Frühlingstag ein wundervoller Blick über die Reben ins Dreiländereck mit Jura und Vogesen genossen werden konnte.

Am Fasnachtsfeuerplatz vorbei ging es weiter aufwärts Richtung Lindenplatz bis zu einer alten Bunkeranlage, die im Zweiten Weltkrieg von Funkern genutzt wurde. Der alte Bunker hat einen Stein auf dem 1863 eingemeißelt ist. Stadtführer Joachim Kempf hatte darüber bereits einmal Nachforschungen angestellt. Immer an der Gemarkungsgrenze entlang ging es über eine Wiese zum Lindenplatz mit einem Denkmal für ein Ehrenbataillon aus dem Ersten Weltkrieg.

Ersatz für das zerstörte Marktfrauen-Bänkli

Eine Überraschung bot sich auf dem weiteren Streckenteil. Für das zerstörte „MarktfrauenBänkli“ stand Ersatz da. Einen Tag vor der Bannwanderung hatte die Firma Holzbau Enderlin aus Ötlingen einen Ersatz aufgestellt. Auf Initiative des Schwarzwaldvereins fand sich die Sparkasse als Sponsor.

Sparkasse Markgräflerland fördert Neubau

Das Bänkli war bis zu seiner Zerstörung vor kurzer Zeit, eine Erinnerung an die früheren Marktfrauen, die auf ihrem beschwerlichen Weg von Haltingen zum Lörracher Markt waren. Die schweren Lasten, die sie auf den Köpfen und Schultern trugen, konnten sie dort abstellen und verschnaufen.

„Türkenlouis“, Maler, Schriftsteller und Tierfilmer

Über den Haltinger Weg, mit schönem Blick auf die Burg Rötteln, ging es dann dem Etappenziel Ötlingen entgegen. Dort wartete auf dem Kirchplatz Monika Merstetter. Die Stadtführerin erklärte der Wandergruppe anekdotenbehaftet, wieso Ötlingen so ein besonderer Ort ist, um dort zu wohnen.

Nicht nur der „Türkenlouis“ Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden wusste 1702 das Ötlinger Pfarrhaus als Feldherr zu schätzen. Es gab den bedeutenden Maler Hermann Daur, der überzeugende Gründe nannte. Genauso zog es einen der bedeutendsten Karikaturisten Hans Pfannmüller ins Dorf oder den mit Preisen überhäuften Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel.

Heute lebt Hans Schweiger immer noch im Dorf. Der 77-Jährige ist zusammen mit seinem Kollegen Ernst Arendt international bekannt und ausgezeichnet durch die Dokumentarreihe „Tiere vor der Kamera“. Genauso lebt Stefan Winterle in Ötlingen, ein großartiger international anerkannter Street Art Künstler, der zur Freude der Teilnehmer sogar die Tour mitgelaufen ist.

Ausklang bei einem Glas Wein

So gab es zum Schluss beim Ausklang im Weingut „Vinessli“ zahlreiche strahlende Gesichter und noch lange blieben einige Grüppchen bei angeregten Gesprächen stehen. Die Oberbürgermeisterin war bei ihren Schlussworten sehr erfreut über die Resonanz. Stöcker freut sich schon jetzt auf den dritten Teil der Bannwanderung von Ötlingen nach Märkt im nächsten Jahr.