Der Bankeinbruch in Gelsenkirchen ist kein Einzelfall. Banken müssen verhindern, dass Tresorraum-Einbrüche das neue „Automaten-Sprengen“ werden, meint unser Autor Daniel Begemann.
Tresor-Knacker lieben Feiertage, besonders Ostern und Weihnachten. Etwa 300 Bankschließfächer räumen hoch spezialisierte Täter an Ostern 2023 in einer Sparkasse im brandenburgischen Strausberg aus. Sie nutzen ein Kernbohrgerät, um in den Tresorbereich zu gelangen. Ihre Beute damals: Bargeld und Wertsachen in zweistelliger Millionenhöhe. Die Tat soll sich über mehrere Tage erstreckt haben.
Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), Weihnachten 2025: Offenbar mindestens zwei Tage verbringen Unbekannte damit, in den Tresorraum der Sparkasse einzubrechen und Tausende Schließfächer aufzubrechen. Auch in Gelsenkirchen nutzen sie einen Diamant-Kernbohrer, um die Stahlbetonwand zu durchdringen. Ihre Beute dürfte um ein vielfaches höher liegen als in Strausberg: Schätzungen über die Höhe der Beute reichen bis hin zu 300 Millionen Euro und mehr.
Um den Jahreswechsel trifft es dann auch eine Sparkasse in Halle (Westfalen): Unbekannte gelangen mitten am Tag während der Öffnungszeit in den Schließfachbereich und brechen vier Fächer auf.
Kein Einzelfall
Diese Historie zeigt: Der jüngste Millionen-Coup in Gelsenkirchen hat zwar ein Alleinstellungsmerkmal, was die Schadenshöhe angeht, er ist jedoch längst kein Einzelfall mehr. Der Aussage von Banken, ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen, sollten unbedingt Taten folgen. Viel zu lange hat es gedauert, bis Banken anfingen, ihre Geldautomaten durch Farbpatronen zu schützen und damit einen Aufbruch oder eine Automatensprengung zwecklos zu machen.
Sicherheit verbessern
Um Einbrüche in Tresorräume in Zukunft zu verhindern, wird es nicht helfen, auf einen Versicherungsschutz der Schließfächer zu verweisen. Banken müssen sich ernsthaft überlegen, wie sie ihre Sicherheit verbessern können und dafür möglicherweise auch Geld investieren. Zu Zeiten, in denen der Goldpreis auf Rekordniveau liegt, könnte es sonst sein, dass die Kriminellen für die nächsten Feiertage schon Pläne schmieden.