Nach dem Raub in Millionenhöhe aus Bankschließfächern in Gelsenkirchen stellt sich die Frage: Wie sicher sind meine Vermögenswerte?
Man kennt die Szene aus der bekannten PS-Filmreihe „Fast and Furious“: Im fünften Teil rauben Dominic Toretto und seine Crew gleich einen gesamten Tresor mit zig Millionen Dollar und ziehen ihn mit ihren Autos – freilich spektakulär inszeniert samt einer Schneise der Verwüstung – durch die Straßen von Rio de Janeiro. Am Ende glückt der Coup und die Geldscheine purzeln nur so aus dem geraubten Tresor.
Derart spektakulär war der Einbruch in den Tresorraum einer Sparkasse im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen dann doch nicht, der sich im Dezember des Vorjahres ereignet hatte. Trotzdem räumten die Täter 3200 Bankschließfächer aus und erbeuteten, so aktuelle Schätzungen der Ermittler, bis zu 100 Millionen Euro.
Doch damit nicht genug: Auch in anderen Städten wie Bonn oder Halle sind zwischenzeitlich Diebstähle aus Bankschließfächern bekannt geworden. Und teils brauchte es dazu nicht wie in Gelsenkirchen einen Spezialbohrer, mit dem die Gauner aus einem Archivraum heraus die Wand öffneten, sondern sie spazierten einfach in den offenen Tresorraum und räumten Schließfächer aus.
„Kann das auch bei uns passieren?“
Das sorgt landauf, landab freilich für zahlreiche Fragen, vor allem derer nach der Sicherheit von solchen Schließfächern. Kann ein solch dreister Raub also auch im Zollernalbkreis passieren?
„Ein solcher Vorfall kann grundsätzlich jede Bank betreffen“, erklärt Wolfgang Stahl von der Sparkasse Zollernalb. Doch gerade deshalb informiere man die Kunden transparent und gebe ihnen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand. Die Bank nehme die Vorkommnisse in Gelsenkirchen „sehr ernst“, sagt Stahl. Und naturgemäß – der Fall machte bundesweite Schlagzeilen – seien auch Kunden von sich aus auf ihre Berater zugekommen, um sich informieren zu lassen.
Was darin verwahrt wird? Ob Gold, Uhren, Bargeld oder sonstige Vermögenswerte, das weiß nicht mal die Sparkasse selbst, sagt Stahl: „Zunächst möchten wir klarstellen, dass die Sparkasse Zollernalb über die Inhalte und die verwahrten Werte der Schließfächer ihrer Kunden keine Kenntnis hat.“ Ebendarum sei es auch nicht möglich, für die Schließfächer allgemein eine passende Versicherung abzuschließen. Hier müsse jeder Kunde individuell entscheiden, man habe aber wohl in-house-Lösungen parat.
Sicherheitsvorkehrungen geheim
Damit es eine solche Versicherung aber gar nicht erst braucht, kommt es natürlich auf die Sicherheitsvorkehrungen der jeweiligen Bank an. Doch da hütet sich die Sparkasse, genauere Informationen preiszugeben: „Zu unseren Sicherheitssystemen oder Alarmanlagen erteilen wir grundsätzlich keine Auskünfte“, erklärt Stahl.
Man sei aber gut aufgestellt und bleibe trotz des Gelsenkirchener Vorfalls positiv gestimmt: „Wir halten das Risiko aufgrund unserer Rahmenbedingungen für äußerst gering, Opfer eines ähnlichen Vorfalls zu werden.“
Auch bei der Konkurrenz der Volksbank Zollernalb hält man einen solchen Raubzug für eher unwahrscheinlich. „Der Eintritt eines Szenarios, wie bei der Sparkasse in Gelsenkirchen, wird von uns als sehr gering eingestuft, da unsere Schließfachanlagen generell strengen Sicherheitsstandards unterliegen“, erklärt Nico Gotthardt aus dem Vorstandsstab der Bank.
„Verstärkung nicht notwendig“
Diese Standards seien im Übrigen organisatorischer, baulicher und technischer Natur. Die Volksbank ist hier zumindest etwas auskunftsfreudiger: Zugangskontrollen, aktive und passive Sicherheitsvorkehrungen und aktuellste Technik an den Schließfächern selbst sollen vor Diebstahl schützen.
Weitere Details kann und will aber auch die Volksbank nicht kommunizieren. Zudem hält man das derzeitige Level für ausreichend, eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen ist laut Gotthardt „unseres Erachtens nicht notwendig“.
Banken nehmen die Sache aber ernst
Welche Summen sich in den Schließfächern finden, das weiß auch die Volksbank nicht, da man keinen Einblick darin habe, was die Kunden dort genau aufbewahren. Zur Versicherungsthematik habe man im vergangenen Jahr ohnehin „aufgrund einer neuen rechtlichen Anforderung“ neue Versicherungen für die Bankschließfächer abschließen müssen – und in diesem Zuge habe man die Kunden natürlich auch umfassend in dieser Hinsicht beraten.
Beide Institute nehmen die Vorkommnisse aus dem Ruhrpott durchaus ernst, sind sich aber sicher, dass die hiesigen Sicherheitsvorkehrungen ausreichend sind, um potenzielle Bankschließfachräuber im Zollernalbkreis abzuschrecken.