Über das Dach verschafften sich die Täter Zugang. (Symbolfoto) Foto: Racle Fotodesign – stock.adobe.com

Bargeld, Tabakwaren, Schuhe und Werkzeug wurden bei einer großen Diebstahlserie im vergangenen Jahr entwendet. Fünf Angeklagte müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Rottweil wegen schweren Bandendiebstahls verantworten.

Kreis Rottweil - Im Zeitraum Dezember 2019 bis Juli 2020 sollen die Angeklagten in unterschiedlicher Besetzung Einbruchsdiebstähle in Ladengeschäfte und Einkaufsmärkte begangen haben. Die Bandenmitglieder im Alter von 23 bis 53 Jahren soll insgesamt 20 Straftaten, darunter einige im Kreis Rottweil, begangen haben.

Die Tatverdächtigen, die sich bereits in Untersuchungshaft befinden, wurden alle in Rumänien geboren, vier von ihnen stammen aus dem gleichen Geburtsort. Der erste Verhandlungstag bringt Details zu den persönlichen Verhältnissen der Angeklagten ans Licht. Alle fünf verließen vor einigen Jahren das Land, um Arbeit zu finden, da sie zum Teil keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und keinen sicheren Arbeitsplatz finden konnten.

Sie wuchsen alle in ähnlichen Verhältnissen auf. Der 23-Jährige erzählt mit Hilfe einer Dolmetscherin, wie er schon mit circa sechs Jahren in seinen Ferien bei einem Schäfer arbeiten musste und später auch seine Schwester finanziell unterstützte. Italien schien für die meisten ein beliebtes Ziel, um dort Arbeit zu finden. Immer wieder erzählen sie, wie sie ihr Geld auf Baustellen verdienten, meist mit Schwarzarbeit. Aber auch in England, Frankreich und den Niederlanden hätten sie gearbeitet.

Drei der Angeklagten sind schon vor diesen Taten in Konflikt mit dem Gesetz gekommen. Der 53-Jährige befand sich bereits für sieben Monate in England in Untersuchungshaft und ist auch in Deutschland schon vorbestraft, wie er während der Verhandlung erzählt. Aufgrund von Diebstählen befand sich auch der 38-jährige Angeklagte schon in frühen Jahren in einer Umerziehungsanstalt. Wobei er auch danach immer wieder in Rumänien, Italien und Frankreich in Konflikt mit dem Gesetz stand. Auch wegen Diebstahl und Handel mit gestohlenen Waren saß der 40-Jährige schon in Haften. Vor allem bei diesen dreien wird klar, dass sie auch des Öfteren Drogen konsumieren. Auch gestehen zwei von ihnen, Probleme mit dem Glückspiel zu haben und sie deswegen auch noch Schulden abbezahlen müssen.

Einbruch auch bei Bauunternehmen

Zwei der Angeklagten waren vor ihrer Inhaftierung in Tuttlingen wohnhaft. Laut Anklageschrift soll einer davon den anderen in seiner Wohnung Unterschlupf gewährt haben. Hier sollen die Täter auch die Werkzeuge versteckt haben, die für die Einbrüche von Nöten waren. Die anderen drei Täter sollen nur nach Deutschland gekommen sein, um Diebstähle zu begehen.

Die Einbruchsdiebstähle wurden laut Anklage hauptsächlich mit derselben Vorgehensweise begangen. Zuerst verschafften sich die Täter Zugang auf das Dach des Gebäudes, um von dort aus einige Ziegel abzudecken und wenn nötig die Dämmung zu durchtrennen. So gelangen sie zu der Zwischendecken, auf der sie sich auch bewegten, um keinen Alarm auszulösen. Von dort aus lupften die Täter die Deckenpaletten ab, um in die Sozialräume der Einkaufsmärkte zu gelangen. In den meisten Fällen versuchten sie über die Rückwand des Tresors, diesen aufzuflexen und so an das Bargeld zu gelangen. Missglückte dies, so durchsuchten sie die Spinde der Mitarbeiter nach Wertgegenständen. Aber auch Tabakware entwendeten die Täter des Öfteren. Während meist zwei von ihnen sich Zutritt in die Läden verschafften, fungierte ein dritter als Fahrer, um den Fluchtweg zu sichern, heißt es weiter in der Anklageschrift.

Bei der vermutlich dritten Tat verschafften sich die Täter Zugang zu einem Bauunternehmen, um von dort Werkzeug zu entwenden, das zum späteren Zeitpunkt bei weiteren Taten verwendet wurde. Dort verübten sie auch ein zweiten Einbruch, um sich neues Werkzeug zu beschaffen. Da bei dem Einbruchsdiebstahl zuvor ein Alarm ausgelöst wurde und sie den Tatort ohne Diebesgut und unter zurücklassen einiger Werkzeuge verlassen haben, benötigten sie neue. Auch ein Einbruch in ein Schuhgeschäft in Zimmern wird den Angeklagten vorgeworfen, dort entwendeten sie Kartons mit Schuhen und hinterließen einige davon in der Zwischendecke. Bei den insgesamt 20 vorliegenden Tatbeständen, missglückt der Diebstahl hin und wieder. Denn nicht immer schaffen es die Täter keinen Alarm auszulösen. Dennoch gelang es, den Tätern über das Fluchtauto zu entkommen.

Der Prozess wird heute fortgesetzt, sechs Verhandlungstage sind angesetzt.

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