Auf der Spitze tanzen ist die höchste Kunst im Ballett. Die Gäste in der Zuschauerwoche staunten über das Können der Elevinnen. Foto: Karina Eyrich

Wehmut schwang mit in der Zuschauerwoche der Ballettschule Armin Weiss, denn mehrere der ältesten Elevinnen ziehen studien- respektive berufsbedingt weg.

Wie Armin Weiss „Körper lesen kann“, weiß niemand besser als seine Tochter Emma. Sie ist Elevin in der Oberstufe, die zum Abschluss der Zuschauerwoche eine beeindruckende Leistung abliefert, und weiß auch als Freestyle-Skifahrerin, wie viel sie von ihrem Vater gelernt hat.

 

„Du muss ein Bild und am besten einen Film im Kopf haben“, sagt Weiss über die Choreografien, an denen er oft stundenlang tüftelt, und: Für Ballett müsse man analytisch denken können, „Strukturen und Geometrien erkennen“.

Die Elevinnen haben viel gelernt. Foto: Karina Eyrich

Sein ältester Schüler, Klaus Bitzer, ist 70 Jahre alt, hat mit 60 angefangen, die Jüngsten sind im Kindergarten- und Grundschulalter. Ihnen allen gibt Weiss etwas mit auf den Weg, was sie auch außerhalb des Ballettsaals brauchen: Haltung, Ausdruck, Selbst-Bewusstsein im Wortsinn.

Das Bewusstsein darüber, aus wie vielen Muskelfasern, Sehnen und Knochen ihr Körper besteht, haben die Elevinnen – ein paar Jungs sind auch dabei, aber die meisten sind Mädchen und Frauen – nach einer Ballettstunde ganz bestimmt: Als ob es das Einfachste auf der Welt wäre, tanzen sie, springen sie und drehen sie sich, wiegen sich wie Bäume im Wind, strecken sie Beine und Arme, vollendet bis zu den Finger- und Zehenspitzen.

Auf der Spitze tanzen ist am anspruchsvollsten. Foto: Karina Eyrich

Die stecken zuweilen in den Spitzenschuhen, wie man sie von der Prima Ballerina in der Staatsoper kennt, und darauf zu stehen, Pirouetten zu drehen und das komplette Gewicht auf eine Spitze zu verlagern, während das andere Bein grazil nach oben streckt, verlangt Körperbeherrschung aus dem Effeff. Die glänzenden Muskeln der Elevinnen, nach kurzer Zeit von einem Schweißfilm bedeckt, zeugen davon.

Dennoch: „Ich hatte schon Schüler mit Skoliose“ – eine Verkrümmung der Wirbelsäule – „und mit Glasknochen“, berichtet Weiss und will damit deutlich machen: Tanzen könne grundsätzlich fast jeder. Wichtig sei, es zu wollen und bereit zu sein, sich einzubringen.

Armin Weiss hat selbst bei einer der besten Ausbilderinnen seine Kunst gelernt

Er selbst „hatte das Glück“, wie er sagt, bei Ursula Borrmann zu studieren, einst Solistin an der Staatsoper Dresden und am Staatstheater Duschanbe, die eine Methodik für den Unterricht an Ballettschulen, basierend auf dem Lehrplan des Leningrader Choreographischen Waganowa-Instituts, entwickelt hat.

Armin Weiss kann Körper lesen. Foto: Karina Eyrich

Der 62-Jährige ist selbst „mit ganzem Herzen und ganzem Körper“ dabei, wie seine Tochter betont, als sie ihrem Vater und Lehrer für die Ausbildung dankt – inmitten weinender Kommilitoninnen.

Ballett ist zuweilen eine schweißtreibende Angelegenheit. Foto: Karina Eyrich

Warum die Elevinnen in Tränen ausbrechen, erklärt Eva Weiss: „Einige von ihnen gehen jetzt weg zum Studieren“ – und verlassen damit ihr zweites Zuhause: Acht Stunden pro Woche seien manche gekommen, berichtet Eva Weiss, und ihr Mann erzählt, dass eine Schülerin einst ihren Eltern erklärt habe, in die Ballettschule ziehen zu wollen. „Sie haben hier auch sich selbst gefunden“, weiß deren Inhaber, und viele kämen nicht aus Ehrgeiz, auf der Bühne zu stehen, sondern weil sie merkten, wie gut ihnen Ballettanz tue.

Die Zuschauer sind fasziniert von der Eleganz der Elevinnen. Foto: Karina Eyrich

Dabei werde es für die jungen Menschen, die auch Schüler einer Bildungsanstalt sind, immer schwieriger, in Zeiten von Ganztagsschulen die Zeit dafür frei zu schaufeln. Dennoch geht Armin Weiss nicht den Weg der Kooperation mit Ganztagsschulen, weil er Schülerinnen und Schüler will, die tanzen, weil sie wollen – nicht um Unterrichtszeit zu füllen.

Besonders interessiert: die Kinder. Wer will nicht mal selbst Ballerina sein? Foto: Karina Eyrich

Wie gerne die Oberstufen-Elevinnen tanzen wollen, beweisen sie am Schluss mit einem wunderschönen Auftritt zu einem Walzer aus Tschaikowskis „Dornröschen“, den sie erst am Abend zuvor einstudiert haben, und die Zuschauer beobachten sie mit glänzenden Augen.

Seine Oberstufe ist Armin Weiss ans Herz gewachsen: Viele Jahre haben die Elevinnen bei ihm trainiert und viel von ihm gelernt. Foto: Karina Eyrich

Armin und Eva Weiss freuen sich nun darauf, im Herbst eine neue Unterstufe an der Ballettschule begrüßen zu dürfen, denn die Arbeit mit begeisterungsfähigen Kindern macht ihnen viel Spaß – und die Ballettschulfamilie bekommt neue Mitglieder.

Wer sich für die Ausbildung interessiert und eine kostenlose Probestunde vereinbaren will, meldet sich unter Telefon 07431/59 05 95 oder unter E-Mail armin@ballettscchule-weiss.de