Leonie Klingenstein zeigte bei ihren Solos, dass sich 13 Jahre Ballettschule Bender bemerkbar machen. Foto: Alexandra Feinler

Nur noch wenige Minuten und Leonie Klingenstein hat zum ersten Mal eine der Hauptrollen inne.

Auf der Bender-Ballett-Bühne in Göttelfingen gingen am Samstag und Sonntag bei „die geheimnisvolle Tür“ Träume in Erfüllung – und das nicht nur bei den Ballettschulen-Leiterinnen Lilo und Melina Bender.

 

Beim geplanten Jubiläum kam Corona dazwischen Eigentlich wollten die beiden das 40-jährige Bestehen 2020 groß feiern, doch dann kam die Corona-Pandemie. „2022 wussten wir nicht, ob wir so eine große Veranstaltung umsetzen dürfen und so feiern wir nun 44 Jahre Ballettschule“, erklärt Melina Bender, die seit ihrem dritten Lebensjahr Ballett tanzt. Seit 2012 ist sie in der Leitung der Ballettschule ihrer Mutter Lilo Bender dabei.

Kinder und Jugendliche leben ihre Leidenschaft

Höhepunkt aus 44 Jahren zusammengefasst Aus den vergangenen 44 Jahren haben Mutter und Tochter einige Höhepunkte zusammengetragen und auf die rund 100 Tänzerinnen und Tänzer angepasst. Von Märchen wie Aschenputtel oder Dornröschen bis hin zu Ballettklassikern wie „Der Nussknacker“ oder „Schwanensee“ vereinten die beiden Göttelfingerinnen Stücke zu einer Geschichte – und das in doppelter Hinsicht, erklärt Lilo Bender: „Als ich 1980 im damals 600-Seelen-Dorf meine Ballettschule eröffnete, wurde ich von vielen belächelt. Ich habe mich nicht entmutigen lassen.“ In den vergangenen Jahren habe sie einen Raum geschaffen, wo Träume geboren wurden – Kinder und Jugendliche durften ihre Leidenschaft, das Ballett leben.

In der Szene aus „Der Nussknacker“ wurde das Spielzeug lebendig – wie hier die Puppenwelt. Foto: Alexandra Feinler

Leonie Klingenstein tanzt die Hauptrollen Einen riesigen Traum hat sich dieses Mal auch die Bildechingerin Leonie Klingenstein erfüllt, denn zum ersten Mal tanzte sie mit sieben Solos eine der Hauptrollen. Gemeinsam mit Vanessa Gruidl findet sie eine magische Türe, erklärt Ansagerin Dorothea Katz. Das Licht in der Korntalhalle wird gedimmt, Musik erklingt, der weiße Vorhang geht auf. Die beiden dunkelbraunen Stühle, die bereits bei den vergangenen Ballett-Aufführungen von Benders platziert wurden, stehen in der Mitte der Bühne. In ihren weißen Kleidern tanzen Leonie und Vanessa auf die Bühne, heben ein rotes und ein hell-türkises Kleid hoch und tanzen weiter.

Tänzerinnen und Tänzer von sechs bis 30 Jahre Die geheime Tür zieht sie jedoch in ihren Bann und so landen sie im Spielzeugladen. Dort tanzen Puppenfeen und der Wunsch von Dorothea Katz scheint wahr zu werden: „Wir lieben Zaubergeschichten. Wer möchte nicht gerne fliegen? Kommt lasst uns alle zaubern.“ Gemeinsam schaffen die sechs- bis über 30-jährigen Tänzerinnen und Tänzer dieses ambitionierte Ziel in Angriff zu nehmen. Unterstützung erhalten sie durch die Licht- und Sound-Elemente von Casch Sound and Light. Das bis ins kleine Detailgetreue Bühnenbild von Mike Weckenmann und Claudia Amann zeigt neben dem Aschenputtel-Kamin und den Tauben bald die Winterwelt des Nussknackers.

Leonie Klingenstein umgeben von lauter Tauben, die Aschenputtel beim Aufsammeln helfen. Foto: Alexandra Feinler

Zweieinhalb Jahre für ihre Hauptrollen geübt Gekonnt binden Leonie und Vanessa die kleinen Tänzerinnen ein, immerhin haben sie zweieinhalb Jahre für ihre Hauptrollen geübt. „Da wird auch mal der Esstisch beiseitegeschoben, damit unsere Leonie genug Platz für das Training hat“, erklärt Papa Patrick „Patex“ Klingenstein stolz. Die ganze Familie hatte sich sehr gefreut, dass die 18-Jährige zum ersten Mal eine der Hauptrollen spielen darf. Und das, obwohl sie gerade mit Abi-Vorbereitungen für April 2025, den Auftritten bei der Starparade vor zwei Wochen und weiteren Hobbys genug zu tun hat. Doch gemeinsam mit ihrer Freundin und Ballett-Trainerin Vanessa, die schon einige Hauptrollen beim Bender-Ballett inne hatte, wagte sie die Herausforderung. „Ich freu mich besonders, in dieser kurzen Zeit in so viele verschiedene Rollen einzutauchen - von orientalisch in „La Bayadère“ zu klassischem „Dornröschen“, beschreibt die Tänzerin und fügt hinzu: „Schnell wandelbar zu sein ist hier unfassbar wichtig“.

Während der Corona-Pandemie online trainiert

An mancher Stelle kullert eine Freudenträne Das gilt auch für die weiteren Mitwirkenden, die hinter der Bühne rund um Melina und Lilo Bender herumwirbeln. Ob als Schwäne, Puppen, Spielzeug, Marienkäfer – die Kinder und Jugendlichen zeigen in den bunten Kostümen der vergangenen 44 Jahren ihr ganzes Können. Gespannt ist auch die zehnjährige Kiara Wolfersperger: „Ich bin ein Schwan und spiele bei Schwanensee mit.“ Seit einigen Jahren trainiert sie beim Ballettstudio Bender und freute sich schon einige Wochen vorher auf den großen Bühnen-Moment. Dass die Kinder und Jugendlichen auch während der Corona-Pandemie online trainiert haben, zeigte sich bei vielen. Starken Applaus erhielten Klein und Groß vom Publikum. „Am besten fand ich den Nussknacker. Der hat mir sehr gut gefallen“, erklärt Lia Rakoczy, die auf den Aufritt ihrer Cousine Mara in der Puppenwelt wartete und begeistert war. Auch Lilo und Melina Bender waren von den gekonnten Auftritten an beiden Tagen mitgerissen, so dass an mancher Stelle eine Freudenträne kullerte: „Wir freuen uns sehr, 44 Jahre, das war mehr als gelungen.“