Die Ur-Schwenningerinnen Günther Hermel (links) und Jürgen Wangler erheitern mit ihrem Necklemer Gschwätz auch am Gardasee Foto: Rainer Bombardi

La Dolce Vita machte sich während drei Stunden in der Neckarhalle breit und ließ das Publikum während zwei ausverkauften Abenden von Sommer, Sonne, Strand und Meer träumen.

Eingeladen hatte die Narrenzunft Schwenningen, deren Zunftball einmal mehr das „Viva La Fasnet“ in seiner gesamten Dimension aufzeigte.

 

Auch einen Hauch von Mafia, der über dem närrischen Geschehen schwebte, trübte das Erlebte nicht, das aus einer Mischung von Büttenreden, südländischer Tanzbegeisterung, mediterranen Lebensszenen, eingebettet in reichlich Komik und Klamauk, bestand. Der Brauchtumsteil spielte sich noch in hiesigen Gefilden ab und belohnte den wiedererstarkten Fanfarenzug und die Zunftmusik mit reichlich Beifall.

Dem traditionellen Einmarsch der Zunftfiguren mit Zunftmeister Florian Schütze an der Spitze folgten der Brauchtumstanz der Moosmulle und der Auftritt der Garde. Die Stimmung war bereits on top angelangt, doch die Italienreise ging nun erst richtig los.

Die Reisemoderatoren Nils Mühlbacher (links) und „Pastor“ Martin Güntter auf ihrem Weg zur nächsten Reisestation. Foto: Rainer Bombardi

Die selbst ernannten „Leise-Leitung“, der seit 2019 erprobten Moderatoren Nils Mühlbacher und Martin „Pastor“ Güntter nahm das Publikum entlang diversen Stationen über den Brenner, den Gardasee entlang bis nach Neapel und weiterführend an den Zielpunkt auf Sizilien mit.

Die Power Kids fiebern in der Mini-Disco ihrem Italien-Urlaub entgegen. Foto: Rainer Bombardi

Die Begeisterung, mit welcher sie dies taten, war ansteckend. Dabei genossen die Italienreisenden die Vielfalt an Erlebnissen entlang der einzelnen Stationen in vollen Zügen. Die tänzerische Begeisterung auf der Mini-Disco der Power Kids und der Teenie Dancers während ihrem Urlaub in Venedig machte Appetit auf Bella Italia. Sie war gleichzeitig ein Beleg für eine lebendige Zunftjugend.

„Italien kann ich mir auch nach Hause holen“, sagt Jochen Schwillo. Foto: Rainer Bombardi

Einer, der diese Begeisterung für das Land, in welchem die Zitronen blühen, nicht teilte war Balkonien-Fan Jochen Schwillo. Er bevorzugte das Leben in den Neckargefilden, welches er als ebenso angenehm empfindet. In der Bütt versuchte er den Urlaub daheim dem Publikum zu versüßen und entdeckte in Reimform alles, was es in Italien gibt, auch zu Hause. Die Begeisterung der Gäste war ihm sicher, doch bevorzugten sie ihre Italienreise fortzusetzen.

Es wäre schade gewesen, hätten sie den Trip abgebrochen. An den Reisestationen erwartete sie noch das Necklemer-Geschwätz der beiden Kult-Schwenningerinnen Jürgen Wangler und Gonzo Hermel, die auf ihrem Weg „Ghot Genitalien“ auf Italo Ober Volker Müller trafen. Auch die tänzerische Südfrucht-Einlage der „Tutti Frutti“ Happy Neckar Dancers oder die Stippvisite der mörderisch aufgelegten Damenballett-Mafia wäre den Gästen entgangen.

Der Holzofen qualmt beim Auftritt der Pizza-Bäcker- Foto: Rainer Bombardi

Mafiöse Züge waren auch bei den Schorlesängern im Spiel, doch zu diesem Zeitpunkt war das Publikum ohnehin bereits außer Rand und Band. Nicht nur die schwarz-weiß gekleidete Gangsterbande prägte den Klamauk. Dass es in Italien auch Probleme gibt wie anderswo, zeigten „Mamma“ Rosi Hermel-Lukas und ihre „Tochter“ Celine Zölle während ihrem Diskurs über das Leben mit und ohne Hash-Tag Wlan.

Die bunten Tutti-Frutti Südfruchttänzerinnen vom Happy Neckar begeistern mit ihrem Auftritt. Foto: Rainer Bombardi

Pizza satt und eine Stimmung, mit welcher die Neckarhalle vom Boden abzuheben schien, verbreiteten die Pizzabäcker des Männerballetts. Als Justin Cioncialdi und Jonas Schlenker in ihrem Cabrio bei „Don Carbonara“ Philipp Herzner in Palermo ankamen, endete das Reisespektakel unter stürmischem Beifall seiner Gäste.

Erfrischend wirkten die Akteure, welche Textunsicherheiten schlagfertig kommentierten. Auch im Publikum war das mediterrane Flair spürbar und vielfach in den Häsern zum Ausdruck gebracht worden.

Zunftmeister Schütze nutzte die Chance, den mehr als 100 Akteuren und dem Publikum zu danken, das die Reise nach Italien angetreten hatte. Er bedauerte den angekündigten Abschied der Reisebegleiter, die nach sieben Jahren letztmals den Zunftball moderierten.