15 500 Kilometer von Paris entfernt verfolgte Henriette Braun die olympischen Surf-Contests Foto: privat

Henriette Braun aus Balingen hatte sich in den Kopf gesetzt, die olympischen Surfwettbewerbe auf Tahiti zu verfolgen. Für Deutsche war es fast unmöglich, an Tickets zu kommen. Doch mit viel Glück verfolgte sie das Finale am anderen Ende der Welt.

Mitten im Pazifischen Ozean, rund 15 700 Kilometer von Paris entfernt, auf der größten Insel Französisch Polynesiens, Tahiti, wurden die Surfwettkämpfe der Olympischen Spiele ausgetragen. Nicht als Athletin aber als Zuschauerin mit dabei war Henriette Braun aus Balingen, für die damit ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist. Obwohl die 33-Jährige als Snowboardlehrerin eher dem Wintersport verschrieben ist, hat sie ein großes Interesse für Boardsport und stand dann und wann auch selbst auf dem Surfbrett. Nach ihrem ersten Tahiti-Aufenthalt vor fünf Jahren war daher für sie klar, dass sie wieder kommt und die Reise mit Olympia verbinden möchte.

 

Jeden Abend an der Lotterie teilgenommen

Doch an Tickets für die Wettkämpfe zu kommen, war alles andere als einfach und vorrangig Polynesiern vorbehalten. Denn während es für alle anderen olympischen Wettkämpfe auf dem französischen Festland möglich war, online Tickets zu kaufen, konnte man fürs Surfen die Eintrittskarten ausschließlich gewinnen. Weil in Polynesien so gut wie alles über Facebook publik gemacht und organisiert wird – und das ausschließlich auf Französisch – bekam außerhalb der Inselgruppe kaum jemand etwas von der Ticketvergabe mit. Dank der Hilfe einer Freundin, die auf Tahiti lebt, erfuhr Braun von der Lotterie. Jeden Abend saß sie am Laptop und versuchte bei den Verlosungsrunden ihr Glück – doch ohne Erfolg.

Tickets gab es eigentlich nur für Polynesier

Frustriert meldete sich bei den Veranstaltern des Preisausschreibens, welche sie darauf hinwiesen, dass dieses sowieso nur für Einheimische gedacht sei. Doch sie ließ nicht locker: Kurz vor Abreise im Juli wandte sie sich an das Tourismus-Büro der pazifischen Inselgruppe. Mit Hilfe ihrer Freundin vor Ort und nach der Vorlage eines gebuchten Hin- und Rückflugs nach Tahiti ergatterte sie schlussendlich doch noch ein Ticket für das Surffinale – und auch das kostete sie keinen Cent. Wie sie später erfuhr, wurde für den gesamten Wettbewerb kein Eintritt verlangt und auch die Verpflegung in der Fan-Zone war gratis.

Die Wettkämpfe wurden verschoben

Eigentlich waren die Surfwettkämpfe vom 27. bis 30. Juli angesetzt, doch weil das Wetter an diesen Tagen nicht optimal fürs Surfen war, wurden sie verlegt. Das Finale, das Braun gemeinsam mit einheimischen Freunden am Strand von Teahupo’o verfolgte, ging am 5. August über die Bühne. Eröffnet wurden die Wettkämpfe neben den olympischen drei Stockschlägen durch das Blasen eines Muschelhorns.

Dass die Contests verschoben wurden, grämte Braun nicht. Während ihres vierwöchigen Aufenthalts auf französisch Polynesien hat sie sich der dortigen Lebenseinstellung angepasst; auf Tahiti werde vieles lockerer gesehen.

Großbildleinwand in der Fan-Zone

Weil die Wellen nicht am Strand, sondern am weiter entfernten Riff brachen, war es für die Zuschauer schwierig, dem Wettbewerb zu folgen. „Mit einem Fernglas hätte man gesehen, dass etwas passiert, aber nicht genau was“, berichtet die 33-Jährige. Daher wurde am Strand eine Fan-Zone mit Großbildleinwand eingerichtet, wo das Spektakel auf dem Meer verfolgt werden konnte. An einem Glücksrad konnte man Fahrten mit einem Wassertaxi gewinnen, das einen näher zu den Sportlern bringt. Braun hatte zwar nichts gewonnen, doch weil die Wettkämpfe verschoben wurden, hatte jeder Ticketinhaber die Möglichkeit, abseits des Contests zum Riff mit zu fahren.

Die Stimmung in der Fan-Zone glich einer Party

Die Fan-Zone war nicht besonders groß, die meisten Besucher waren Polynesier und vereinzelt Franzosen und US-Amerikaner, die offenbar einen guten Draht in die Surfszene haben. Doch umso größer war die Begeisterung bei den Fans. Zwar lag der Fokus darauf, die Surfwettkämpfe zu verfolgen, doch die Stimmung glich einer großen Strandparty, bei der beispielsweise auch traditionelle polynesische Kränze geflochten wurden. Als der Lokalmatador Kauli Vaast auch noch die Goldmedaille holte, gab es für die Einheimischen kein Halten mehr. Die beiden deutschen Teilnehmer Camilla Kemp und Tim Elter schieden bereits früh aus. Doch nicht alle Polynesier sind davon begeistert, dass das französische Überseegebiet in die Pariser Spiele miteinbezogen werden. „Die Polynesier haben wenig davon“, erklärt Braun.

Fokus auf der Natur und dem Miteinander

Hinter der Balingerin liegen vier spektakuläre Wochen, doch der Besuch der olympischen Spiele setzte dem Aufenthalt am anderen Ende der Welt ein Krönchen auf. Eindruck hinterließen auch die Atolle, ringförmige und bewohnte Riffe, die eine Lagune umschließt. Auch das polynesische Lebensgefühl wird ihr noch lange im Gedächtnis bleiben: „Der Fokus liegt weniger auf Materiellem als auf der Natur und dem Miteinander“, erklärt sie.

Olympia auf Tahiti

Französisch Polynesien
 ist ein französisches Überseegebiet in Polynesien und besteht aus 118 Inseln, wovon Tahiti die größte ist. Obwohl Emmanuel Macron das Staatsoberhaupt ist, hat das Land eine eigene parlamentarische Verfassung und eine eigene Flagge und zählt nicht zum Gebiet der Europäischen Union.

Zeitverschiebung
 Die Zeitverschiebung beträgt zu Deutschland zwölf Stunden im Voraus.

Surfen
 Diese Sportart ist nun zum zweiten Mal bei den Spielen dabei, seit der ersten Austragung der Wettkämpfe von Tokio 2020 in 2021.

Paris 2024
 Die Entscheidung, die Surfwettbewerbe in Teahupo’o auszutragen, entspricht dem Bestreben von Paris 2024, dass die Spiele in ganz Frankreich vertreten sein sollen. Diese Sportart bietet die Möglichkeit, die französischen Überseegebiete zum ersten Mal in der Geschichte in die Olympischen Spiele miteinzubeziehen.