Ein 25-jähriger Balinger, der einen regen Handel mit Drogen aller Art betrieben hat, muss sich seit Donnerstag vor dem Hechinger Landgericht verantworten.
Der junge Mann, frischer Haarschnitt, Bärtchen, helles Hemd, könnte auf den ersten Blick der nette Kerl von nebenan sein. Er wird von Vollzugsbeamten in den Sitzungssaal geführt und sitzt während der Verhandlung stumm neben seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Carsten Kühn.
Eine gute halbe Stunde dauert es, bis Staatsanwältin Jasmin Eppler die 22 Anklagepunkte vorgetragen hat – Einzeltaten zwischen dem 17. August und dem 4. Dezember 2024. In jedem dieser Fälle geht es um Drogen.
Um seine Geschäfte ungestört abwickeln zu können, hatte der junge Mann unter dem Decknamen „the wizzy“ als Administrator die Telegram-Gruppe „the wizard boys“ betrieben – eine Gruppe mit rund 450 Mitgliedern. Regelmäßig hatte er ein „Menü“ hochgeladen mit den aktuellen Angeboten und Preisen. Es ging vorrangig um Heroin und Amphetamin, Marihuana und Haschisch – und um Cannabis in größeren Mengen.
Kunden und Lieferanten kontaktiert
Über diverse Messenger-Dienste – wie Threema oder Signal – wurden Kunden und Lieferanten kontaktiert, was vor allem die Rückverfolgung der Großhändler in manchen Fällen erschwert. Denn in vielen Fällen sind nur Decknamen wie „Jimmy“, „Boli Stuttgart“, „Boliking“, „PressStation“, „Max“, „Mr Mr“, „Dani“ oder „MrSpex“ bekannt.
Übergabestellen in der Region
Übergabestellen waren Parkplätze von Kaufhäusern im Bereich des Gewerbegebiets Auf Gehrn, der Parkplatz der Aral-Tankstelle an der Wilhelm-Kraut-Straße, der Parkplatz des Technischen Gymnasiums, in einem Fall sogar der Parkplatz des Friedhofs in Endingen. In manchen Fällen wurden für die Abholung und Übergabe Dritte beauftragt.
Kokain zum Preis von 17 500 Euro
Pech für den Beschuldigten: Der Unbekannte, dem er am 22. Oktober 25 Gramm Kokain für 1350 Euro verkaufte, war ein verdeckter Ermittler. Und das Paket mit drei Gramm Kokain, das er am 7. November im Paketshop im Rewe-Markt an eine vermeintliche Kundin schickte, die dafür 150 Euro bezahlt hatte, ging an eine verdeckte Ermittlerin. Der florierende Handel fand ein jähes Ende, als der Beschuldigte auf dem Parkplatz des Gartencenters Mauk 500 Gramm Kokain zum Preis von 17 500 Euro übergeben wollte und der „Kunde“ ein verdeckter Ermittler war. Die Handschellen klickten, der junge Mann sitzt seitdem in U-Haft. Weitere Beteiligte werden, wie aus der Anklageschrift hervorgeht, „gesondert verfolgt“.
Gefährliche Gegenstände mit sich geführt
Weil die lukrative Nebenbeschäftigung des jungen Mannes mit gewissen Risiken behaftet war, hatte er laut Anklage eine Schusswaffe oder „gefährliche Gegenstände“ bei sich geführt, „die ihrer Art nach zur Verletzung von Personen geeignet und bestimmt sind“. Unter anderem wurden am Tag seiner Festnahme in seiner Wohnung neben 200 Gramm Kokain, 300 Gramm Amphetamin, 1000 Ecstasy-Tabletten, 1750 Gramm Marihuana und 2230 Gramm Haschisch auch eine Machete, ein Einhandmesser und Pfefferspray sichergestellt. Somit beschränkt sich die Anklage nicht nur auf den Handel mit Drogen in nicht geringen Mengen. Es geht auch um „bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“.
Viele Zuhörer sind am ersten Verhandlungstag erschienen. Die meisten von ihnen sind jung. Als der Angeklagte aus dem Saal geführt wird, grinst er sie an. Offenbar kennt man sich.
Die Verhandlung wird am Donnerstag, 12. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann werden wohl auch erste Zeugen gehört. Weitere Termine sind bereits angesetzt.