Aufbruch in ein neues Leben: Im ZDF-Mehrteiler „Der Palast“, Staffel 2, geht es um das Schicksal des Tanzensembles im Friedrichstadt-Palast im Ost-Berlin der Wendezeit. Die Balinger Schauspielerin Lary Müller spielt eine der Hauptrollen.
Lary Müller, Jahrgang 1994, wächst in Balingen-Endingen und -Weilstetten auf. Nach dem Abitur studiert sie zunächst an der Sorbonne in Paris. Nach einem Schauspiel-Sommerkurs ändert sich ihr Berufswunsch, und sie macht eine Schauspielausbildung in London. Müller lebt heute in Berlin – so wie die Tänzerin Luise Jansen, die Müller in „Der Palast“ verkörpert. Im Interview spricht Lary Müller über ihre alte Heimat Balingen, die Zeit der untergehenden DDR, Lieblingsplätze, und sie verrät, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde.
Sie sind nach dem Fall der Mauer geboren, Frau Müller. Wie war es für Sie, in die Kulissen und die Geschichte der untergehenden DDR einzutauchen?
Es hat mir gefallen, in diese Zeit des Umbruchs und der Erneuerung einzutauchen. Ich finde den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung spannend und habe durch den Dreh viel Neues über die DDR und ihren Untergang gelernt. 1990 stellt einen Neuanfang aber auch ein Ende dar. In Berlin konnte experimentiert werden und Neues entstehen. Zahlreiche Menschen hatten aber auch Schwierigkeiten sich in einer veränderten Welt zurecht zu finden. Auch der Palast hatte diese, was in der Serie behandelt wird.
In der zweiten Staffel von „Der Palast“ verkörpern Sie eine Balletttänzerin. Haben Sie dafür Ballettunterricht genommen?
Ja, viel Ballett- und modernen Tanzunterricht. Sobald ich um die Rolle der Luise wusste, habe ich angefangen zu trainieren und konnte mich dann in sechs Monate voll intensivem Training auf diese Rolle und ihre körperlichen Herausforderung vorbereiten. Das war für mich eine sehr schöne Arbeit, da ich es liebe zu tanzen und als Kind davon träumte eine Ballerina zu sein.
Sie spielen Luise, die Schwester von Tänzer Lukas (Lukas Brandl), und haben damit eine der drei Hauptrollen. Vermutlich werden Sie grade von neuen Rollenangeboten überschwemmt?
Das Jahr hat erst begonnen und bis jetzt bin ich nicht überschwemmt worden. Aber ich freue mich darauf, was dieses Jahr bringen wird.
Wenn Sie an Balingen, Ihre Heimatstadt, denken – was kommt Ihnen da zuerst in den Sinn?
Die Natur, Hügel, lange Spaziergänge durch Wald und Wiesen, vorbei an Höfen, Kühen und Schafen, meine Familie und alte Freunde, Kindheit und Jugend in Balingen und den anliegenden Ortsteilen. Orte wie der Bären, das Freibad oder das Bali-Kino oder die Fasnetszeit in Hechingen oder Schömberg. Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an meine Heimat.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Balingen, und wo in Berlin? Dort leben Sie ja jetzt.
Die Lochen und die Obst-Wiesen in Weilstetten sind für mich ein spezieller Ort. Hier habe ich viel Zeit verbracht, in der Wiese gelegen und vom Leben in der großen Welt geträumt. Und auf dem Lochenstein mit der Aussicht versucht, einen klaren Kopf zu bekommen, wenn mir unten alles ein bisschen schwer erschien. In Berlin dagegen sind es die Kinos und die Theater- und Opernhäuser. Hier träume ich, wenn ich in der Stadt bin und schaue Filme oder Aufführungen. Während der Vorbereitung für meine Rolle der Luise, habe ich gerne Aufführungen des Staatsballetts in Berlin angeschaut und war danach ein veränderter Mensch. Die Tänzer und die Choreographien haben mich inspiriert und „meine Luise“ in ihrem Wunsch Tänzerin zu werden beflügelt.
Können Sie uns schon Ihr nächstes Projekt verraten?
Ich arbeite zur Zeit an mehreren kleinen Projekten, aber das nächste große Projekt steht noch nicht fest.
Was nehmen Sie auf eine einsame Insel mit?
Meinen Freund. Und vielleicht einen iPod mit meiner Lieblingsmusik und alle sieben Bände von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Die Zeit, um die zu lesen, hätte ich dann schon mal gefunden.