OB Helmut Reitemann wird in der Stadthalle verabschiedet – und erlebt dabei Überraschungen. Am Schluss des Abends mit vielen Rednern und Musik der „arcademia sinfonica“ gibt’s feuchte Augen und stehende Ovationen.
Die offizielle Verabschiedung von Helmut Reitemann als Oberbürgermeister im Großen Saal der Stadthalle steckte voller Überraschungen – witzigen und bewegenden. Nicht nur, dass der scheidende OB nach einem langen Tag, der morgens mit der Eröffnung der Gartenschau begonnen hatte, zunehmend heiser wurde. Auch das Programm, das ablaufmäßig nur wenig den Punkten in der Einladung folgte, hatte es in sich.
Bürgermeister Ermilio Verrengia begrüßte die Gäste, darunter zahlreiche politische Weggefährten und Reitemanns Familie. Es sei ihm eine Ehre gewesen, mit Reitemann arbeiten zu dürfen, gestand Verrengia. Auch wenn die gemeinsame Zeit nur 15 Monate gedauert habe. „Vieles, was wir heute in der Stadt als selbstverständlich hinnehmen, ist in Ihrer Amtszeit entstanden“, sagte er.
Utz Remlingler, Vizepräsident des Regierungspräsidiums Tübingen, hatte doch tatsächlich die Tage Reitemanns im Amt ausgerechnet: „Das waren 5840“, verriet er. Eine Zeit, in der Reitemann seiner Stadt stets mit großem Engagement und erfolgreich gedient habe. Remlingler erinnerte unter anderem auch an 2013 – das Jahr der Feuerwehrgroßeinsätze in Balingen. Überhaupt habe die Feuerwehr dem OB am Herzen gelegen. Die Kameraden dankten es mit zahlreichem Erscheinen. Der attraktiver Kern der Innenstadt gehe auf Reitemanns Konto.
Die Fähigkeit, loszulassen und aufzubrechen
„Ein Oberbürgermeister muss Fördermittel anzapfen können“ – und Reitemann habe das gekonnt. Zum Abschied wünschte er Reitemann Gelassenheit, die Fähigkeit, loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen.
Für einige ausgiebige Lacher sorgte OB-Stellvertreter Bernhard Rewes, der für alle Fraktionen des Gemeinderats sprach. Vorneweg gab’s Lob: Kompromisse eingehen zu können – das sei Reitemanns Markenzeichen und zeuge von Stärke, Toleranz, Offenheit und Freiheit, sagte Rewes. „Stets haben Sie Brücken geschlagen und sich von Parteipolitik nie beirren lassen – sondern nur zum Wohle der Bürger gehandelt.“ Rewes bescheinigte dem scheidenden OB große Sachkenntnis und ausgeprägte Allgemeinbildung: „Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Aber das war noch nicht alles: Auch Reitemanns begnadete Fähigkeiten als Tänzer, die er oft mit Ehefrau Cäcilia unter Beweis gestellte habe, hätten Eindruck hinterlassen. „Wir überlegen schon, ob wir Sie bei ’Let’s Dance’ anmelden sollen“, scherzte Rewes – und die Halle tobte vor Lachen. Zum Abschied gab’s vom Gemeinderat einen Gutschein für eine Albliege: „Die können Sie dann in Richtung Balingen ausrichten!“
Die Söhne zeigen ihrem Vater neue Berufsperspektiven auf
Wolfgang Schneider, Ortsvorsteher Weilstettens, sprach für die Ortsvorsteher, und plötzlich stand auch Oliver Schmid auf der Bühne, der im Namen aller Bürgermeister im Kreis sprach. Dann sprach Bruno Jarois, der den Royaner Bürgermeister Patrick Marengo vertrat, überraschend ein Grußwort – mit Dolmetscherin. In der Folge enterten plötzlich Reitemanns Söhne Julian und Stephan die Bühne und zeigten ihrem Vater neue Berufsperspektiven auf: Vorschläge waren unter anderem „Cowboy im Allgäu“ und „Raubtierdompteur“. Bis Reitemann schließlich ans Pult durfte, um sich zu erinnern und zu danken, waren zwei Stunden rum. Und wie es sich gehört, standen dem scheidenden OB zum Schluss die Tränen in den Augen, und die Halle spendete minutenlange Ovationen.