Alina Dalaslan, Arijan Topallaj und Emilio Quissua aus dem Balinger MMA-Stall Planet Eater steigen am 31. Januar in Stuttgart in den Käfig.
Manche Geräusche brennen sich unmissverständlich in unser Gedächtnis ein, wie das Knirschen des Neuschnees unter den Schuhsohlen oder das Rauschen des Meeres. Der Aufprall eines Boxhandschuhs auf einer Pratze ist eines dieser Geräusche. Der laute Knall des wuchtigen Aufpralls, gefolgt von einem stumpfen Echo, das sich seinen Weg durch den gesamten Raum bahnt. Verbringt man eine Weile in einem Kampfsport-Gym, wird man dutzende Male mit diesem charakteristischen Geräusch konfrontiert. Wieder und wieder, rhythmisch, fast schon melodisch.
„Iron Fist“ Alina
Alina Dalaslan kennt dieses Geräusch in- und auswendig. Im Laufe einer typischen Trainingseinheit findet sie sich auf beiden Seiten der Handschuhe-und-Pratzen-Medaille wieder. Am liebsten ist sie aber diejenige, die hauptverantwortlich für die lautstarken Explosionen ist. Schließlich schlägt die in Illertissen geborene Athletin härter zu als so ziemlich jede andere Frau – so ist ihr Spitzname „Iron Fist“ entstanden. Seit etwa einem Jahr trainiert die 25-jährige MMA-Kämpferin in Balingen – genauer gesagt bei Planet Eater, dem Team von Ex-UFC-Athlet Peter Sobotta.
Kometenhafter Aufstieg
Dalaslans Aufstieg an die Spitze ihres Felds war kometenhaft. Erst 2023 wechselte sie vom Kickboxen ins Lager der Mixed Martial Arts. Im November 2024 kürte sie sich zur Amateur-Weltmeisterin, wenige Monate später folgte das Profi-Debüt unter dem Dach der Organisation Oktagon. Seitdem steht eine Bilanz von vier Siegen und keiner Niederlage zu Buche. Von den Medien wurde sie zur „Prinzessin des MMA“ auserkoren, die Zahl ihrer Follower in den sozialen Medien steigt stetig an. Sie lief mit Rapperin Shirin David zu einem Kampf ein und erhielt ein Kompliment von Hollywood-Superstar Dwayne „The Rock“ Johnson bei dessen Filmpremiere.
„Ich versuche das alles nicht so sehr an mich heranzulassen“, erzählt Dalaslan von dem Trubel um ihre Person. Vielmehr gilt ihr Fokus der nächsten Einheit, dem nächsten Schlag… und natürlich dem nächsten Kampf – in diesem Fall am 31. Januar gegen die Polin Karolina Sobek. „Sie ist eine sehr gute Bodenkämpferin. Sie wird mehr Gewicht mitbringen als ich, aber dafür natürlich auch unbeweglicher sein. Da werden zwei Welten aufeinanderprallen“, freut sich die 25-Jährige auf ihr fünftes Duell im Profi-Bereich.
Von der Baustelle
Neben Dalaslan werden zwei weitere Planet-Eater-Athleten in der Schleyerhalle in den Käfig steigen. Einer von ihnen ist das Vorzeigeschild unter den Eigengewächsen des Peter Sobotta: Arijan Topallaj. Dieser kann ebenfalls auf einen besonderen Werdegang zurückblicken. „Vor meiner MMA-Zeit habe ich noch zwei Schachteln Zigaretten am Tag geraucht“, erzählt der gebürtige Oberndorfer. Damals hatte noch wenig auf eine Kampfsport-Karriere hingedeutet. „Ich bin von der Baustelle gekommen“, meint er lachend.
Sieben seiner ersten acht Kämpfe seit seinem Profi-Debüt 2021 gewann der „Albanian Eagle“ – allesamt durch K.o. in der ersten Runde. „Ich liebe das! Mein Kampfstil war schon immer sehr aggressiv“, so der 27-Jährige, der allerdings im Laufe der Jahre feststellen musste: „Das klappt nun mal nicht immer.“ Ende 2024 und zu Beginn des vergangenen Jahres setzte es plötzlich zwei Niederlagen für Topallaj. Doch zuletzt gelang ihm im Oktober mit einem Sieg die Wende: „Das war enorm wichtig für meine Karriere!“
Nun bekommt es Topallaj in Stuttgart mit dem Mexikaner Marco Elpidio zu tun, der bereits 36 Profi-Kämpfe auf dem Buckel hat. „Klar, wenn sich eine Lücke auftut, werde ich auf den Finish gehen. Aber ich muss auch schlau, professionell und ruhig kämpfen“, weiß der 27-Jährige.
Bleibt die Weste weiß?
Gleiches gilt für Emilio Quissua – allerdings liegt das dem dritten Planet-Eater-Akteur im Blut. „Ich würde sagen, dass meine größte Stärke mein Fight-IQ ist“, so der aus Magdeburg stammende Halb-Angolaner. Vor sechs Jahren kam Quissua nach Balingen – und hat seitdem mit einer perfekten Bilanz von sieben Siegen in sieben Kämpfen mehrfach unter Beweis gestellt, dass er ein Duell taktisch angehen kann. Nichts anderes dürfen seine Fans auch gegen den Franzosen Jorick Montagnac erwarten. „Er ist ein Modellathlet und sehr explosiv. Aber ich sehe mich einfach in allen Aspekten des Sports besser.“
Quissua wird also mit einer maximal breiten Brust in der Schleyerhalle in den Käfig steigen. Denn für ihn ist MMA nichts anderes als „Fragen und Antworten – und ich weiß, dass ich auf alle Fragen, die er mir stellen wird, die passenden Antworten parat habe.“ Dementsprechend ist sich der Vater von zwei Töchtern sicher, dass er auch seinen achten Profi-Kampf gewinnen wird. Eine bis dato weiße Weste, die vor dem Hintergrund einer langen Zwangspause von Juli 2023 bis Januar 2025 aufgrund einer Knieverletzung umso beeindruckender ist. Doch rückblickend habe dem 28-Jährigen die Leidenszeit sogar genutzt: „Ich bin jetzt fitter, als ich es vor der Verletzung jemals war.“
Die Prinzessin mit der eisernen Faust, der albanische Adler und der Meister der Fragen und Antworten: Am 31. Januar wird sich eine bunte Mischung aus dem Hause Planet Eater mit der europäischen Elite messen. Auch wenn ihre Gegner keine Pratzen tragen werden, dürfte der ein oder andere Schlag auch in der Schleyerhalle unmissverständlich zu hören sein.