Shawn da Silva kann bei Oktagon 85 in Hamburg nach langer Pause endlich wieder in den Käfig steigen. Foto: Sven Sonnenberg

Der Balinger MMA-Kämpfer Shawn da Silva gibt in Hamburg sein lang ersehntes Comeback. Der 30-Jährige hat schon viel erlebt – und mindestens genauso viel noch vor.

Der Mann mit dem klangvollen Namen und dem mindestens genauso extravaganten Kampfstil gibt am Samstagabend in Hamburg sein Oktagon-Debüt. Unter anderem wegen des klangvollen Namens ist Shawn Marcos Claudino da Silva besser bekannt als „Vato Loco“. Der Spitzname stammt von dem Hollywood-Film „Blood In Blood Out“ ab und bedeutet aus dem Spanischen übersetzt so viel wie verrückter Typ. „Irgendwie passt das ja auch zu meinem Kampfstil“, erzählt da Silva lachend. Der Film habe ihn in seiner Jugend sehr geprägt – der Spitzname ist bis heute geblieben. „Auch hier im Gym nennen mich alle einfach nur Vato.“

 

Endlich ist da Silva dran

Bei eben jenem Gym handelt es sich um das Mekka des Balinger Kampfsports: Planet Eater. Erst bei der letzten Fight Night des Veranstalters Oktagon stiegen mit Alina Dalaslan, Emilio Quissua und Arijan Topallaj gleich drei Schützlinge aus dem MMA-Stall von Ex-UFC-Kämpfer Peter Sobotta in den Käfig. Nun – bei Oktagon 85 in der Hamburger Barclays Arena – ist da Silva an der Reihe... endlich.

Seinen letzten Kampf bestritt der 30-Jährige im November 2024. Danach verließ er die Organisation „The Cage“, um sich Oktagon anzuschließen. „Das war der logische nächste Schritt. Ich möchte mir hier in Deutschland eine Community aufbauen“, so das 1,70 Meter große Fliegengewicht. Allerdings gab es immer wieder Schwierigkeiten bei der Organisation eines neuen Duells. „Wir hatten letztes Jahr einige Absagen“, bedauert da Silva. Doch nun ist die Zwangspause endlich vorbei und „Vato Loco“ darf sich wieder mit einem Kontrahenten messen.

Großer Traum zum Greifen nahe

Der Brasilianer Matheus Severino soll dabei nicht mehr als ein weiterer Schritt in Richtung seines großen Traums sein: „Mein Ziel ist es immer noch, in die UFC zu kommen. Und ich weiß auch, dass ich das schaffen werde!“ Im März 2024 war da Silva diesem Traum bereits ganz nah. Vor dem Kampf gegen Lone’er Kavanagh galt: Der Gewinner würde es in die Contender Series, die letzte Vorstufe der UFC, schaffen. Doch der Balinger musste sich geschlagen geben – und dabei zusehen, wie sich der triumphale Brite in seiner Gewichtsklasse seitdem einen Namen auf dem allerhöchsten Level macht.

„Es wird ein geiler Kampf!“

„Vielleicht sollte es damals einfach nicht sein“, geht da Silva noch heute positiv mit diesem Rückschlag um. Gleiches gilt für seine lange Abstinenz. Der verrückte Typ aus Balingen sprüht bei jeder Trainingseinheit nur so vor Tatendrang und Lebensfreude. Mit dieser Einstellung möchte er nun das Oktagon-Publikum im hohen Norden anstecken: „Es wird ein geiler Kampf! Ich will den Fans eine Show liefern.“

Eine Stimme für viele

Dass der 30-Jährige dabei gegen einen Brasilianer – die Nationalität seines Vaters – in den Käfig steigt, ist ihm „völlig Wurst“. Der in Albstadt geborene Da Silva verbrachte fünf Jahre seiner Kindheit in Portugal, sieht sich aber als Deutschen durch und durch. Er weiß aber auch: „Wenn ich nach Brasilien gehe, bin ich der Gringo. Hier in Deutschland bin ich der Ausländer.“ Auch deshalb möchte er sich auf der größten Bühne Europas präsentierten: „Ich will auch eine Stimme sein für Leute, die so sind wie ich.“

Shawn da Silva entdeckte den Kampfsport erst im Alter von 21 Jahren für sich. Inzwischen brennt das Feuer in ihm dafür umso heißer. Dieses Feuer will der „Vato Loco“ nun nach zu Oktagon bringen – und am liebsten auch bald in die UFC.