Baustelle an der Steinach: Hier wird der Rappenturm-Erinnerungsbau errichtet. Die Mehrkosten für das Vorhaben sorgten im Balinger Gemeinderat für großen Ärger. Foto: Maier

Der Gemeinderat hat den letzten Gartenschau-Auftrag vergeben: die Arbeiten für die Rappenturm-Erinnerung an der Steinach. Das sorgte für Ärger.

Balingen - Verärgerung und teilweise Unverständnis im Balinger Gemeinderat: Das Gremium hat nun den letzten Bauauftrag im Zusammenhang mit der Balinger Gartenschau vergeben. Die Firma Norbert Hartmann aus Kaiseringen wird die sogenannte Reminiszenz an den einstigen Rappenturm an der Steinach gestalten – für deutlich mehr Geld als kalkuliert.

Kosten steigen

Statt der dafür veranschlagten 108 000 Euro kosten die Arbeiten nun rund 226 000 Euro – eine satte Steigerung um mehr als 100 Prozent also. CDU-Stadtrat Klaus Hahn sprach von einem "starken Stück" – und regte an, die Ausführung abzuspecken, anders auszuführen oder aber ganz auf die Erinnerung an den Rappenturm zu verzichten. Wenn Privatleute mit einer solchen Kostensteigerung konfrontiert wären, würden sie wohl vom Auftrag zurücktreten.

Der Rappenturm-Bau ist Teil des vom Gemeinderats seit langer Zeit beschlossenen Gesamtkonzepts zur Gartenschau. Entstehen soll eine Teil-Rekonstruktion aus Beton, um die herum die noch im Boden befindlichen Reste des Rappenturms sowie der Stadtmauer nachgezeichnet werden sollen.

Lange Diskussion

Über eine solche Erinnerung an das frühere Bauwerk wird in Balingen seit Jahrzehnten diskutiert – im Zuge der Gartenschau und der Neugestaltung des Steinach-Ufers soll sie nun endlich verwirklicht werden.

Für die Ausführung hat das Landesdenkmalamt indes einige Auflagen erteilt – unter anderem die, dass die noch im Boden befindlichen Reste des Rappenturms durch die Neukonstruktion besonders geschützt werden müssten. Dies, verbunden mit der hohen Auslastung der Handwerksfirmen sowie der aktuellen Preissteigerungen führt zu der Kostenexplosion bei dem Vorhaben. Ingrid Helber sagte dazu, dass das Denkmalamt, wenn es solch teuren Anforderungen stelle, gerne auch eimal Geld dafür lockermachen könne.

Umplanung kaum möglich

Die Mehrkosten bezeichnete Oberbürgermeister Helmut Reitemann als "wirklich nicht schön", ja gerade "ärgerlich". Eine Umplanung sei zwar möglich, würde aber dazu führen, dass das Projekt bis zur Gartenschau nicht mehr fertig wird. Hochbauamtsleiter Frieder Theurer verwies darauf, dass mit dem Turm-Erinnerungsbau "eine schöne Situation" an der Steinach entstehe, an der sich die Balinger noch jahrzehntelang erfreuen würden.

Räte stimmen mehrheitlich zu

Während Sevgi Turan-Rosteck (Grüne) fragte, ob das Vorhaben zu diesem Preis wirklich verwirklicht werden sollte, stellten sich andere Stadträte klar hinter den Turm-Bau. Markus Wochner (Freie Wähler) und Dietmar Foth (FDP) sagten, dieser sei Teil des Gesamtkonzepts, davon solle man nun nicht abrücken. Uwe Jetter (Grüne) meinte, die Chance zur Realisierung des alten Rappenturm-Wunschs solle man nun nutzen – trotz der Mehrkosten. Diese sind bei diesem Projekt zwar prozentual gesehen mehr als deutlich, im Gesamtbudget von 22.6 Millionen aber eher von geringer Größenordnung. Der Gesamtkostenrahmen wird, auch weil andere Projekte günstiger sind als kalkuliert, eingehalten. Letztlich stimmte der Gemeinderat gegen die Stimmen der CDU-Vertreter und bei Enthaltung der Grünen für das Vorhaben.