Anke Traber freut sich – wie ihre Kolleginnen und Kollegen auch – über Feedback von den Kunden. Foto: Arbeitsagentur

Anke Traber ist Leiterin der Arbeitsagentur. Ob sie Glücksmomente in ihrem Job erlebt, wie oft es zu Auseinandersetzungen mit Kunden kommt, und ob sie neue Jobbezeichnungen immer gleich draufhat – wir haben nachgehakt

Die Agentur für Arbeit kommt meistens ins Spiel, wenn Menschen ihren Job verloren haben. Denn sie vermittelt unter anderem Ausbildungs- und Arbeitsstellen. Sie ist aber noch mehr als das – auch das wird im Gespräch mit Agentur-Chefin Anke Traber deutlich.

 

Frau Traber, eine Zeitlang waren Arbeitsagenturen beziehungsweise Jobcenter immer mal wieder im Gespräch, weil sich Kunden dort daneben benahmen oder Mitarbeitende gar bedrohten. Jetzt scheint es ruhiger geworden zu sein – oder täuscht der Eindruck?

In der Agentur Balingen kam es bisher nur ganz selten zu Auseinandersetzungen mit Kundinnen und Kunden. Wir haben Verständnis für die schwierige Situation in der sich Menschen befinden, die ihre Arbeit verloren haben. Die allermeisten sind dankbar für die Hilfe, die sie bei uns bekommen, und in der Regel lassen sich alle Fragen so klären, dass die Kunden verstehen, welche Schritte sie warum als nächstes unternehmen müssen.

Der neue Online-Antrag auf Arbeitslosengeld – ist der auch zum Schutz der Mitarbeiter eingeführt worden?

Das im Jahr 2017 in Kraft getretene „Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen – Onlinezugangsgesetz (OZG)“ verpflichtet Bund und Länder, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 auch elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Konkret beinhaltet das zwei Aufgaben: Digitalisierung und digitale Vernetzung. Die Umsetzung dieses Gesetzes ist maßgeblicher Grund dafür, dass die Bundesagentur als eine der ganz wenigen Behörden ihr nahezu komplettes Serviceangebot online anbietet. Dazu gehören auch alle Arten von Anträgen und damit natürlich auch der Antrag auf Arbeitslosengeld. Und die Vorteile liegen auf der Hand: Von zuhause am eigenen PC nur noch die notwendigsten Daten eingeben zu müssen – das spart Zeit und das Geld für das Briefporto.

Erlebt man in einer Arbeitsagentur Glücksmomente – zum Beispiel, weil man jemandem helfen konnte oder jemand einfach sehr dankbar ist?

Oh ja – jeden Tag. Unsere Kolleginnen und Kollegen kümmern sich mit viel Herz um die Belange und Sorgen ihrer Kunden. Das spüren die Menschen, und sie zeigen ihre Wertschätzung häufig schon im persönlichen Gespräch durch ein Lob. Viele schreiben auch eine Dankesmail. Und manche Kunden scheiben sogar mir direkt, was mich natürlich besonders freut.

Relativ neu ist das Azubi-Speeddating. Welches Feedback kommt denn von den Firmen und Azubis?

Das Feedback ist durchweg positiv. Sowohl Firmen als auch Schülerinnen und Schüler nehmen das Speeddating als ein unkompliziertes – und wie der Name schon sagt – schnelles Verfahren wahr, sich auf den ersten Blick kennenzulernen und festzustellen zu können, ob ein weiterführendes Gespräch sinnvoll ist. Die Betriebe schätzen es, mit wenig Aufwand in kurzer Zeit in Kontakt mit ernsthaft an einer Ausbildung interessierten Schülern zu kommen. Die Jugendlichen sind dankbar dafür, in einem lockeren Umfeld wichtige Menschen aus den Betrieben kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Betrieb tickt. Denn ein wesentlicher Entscheidungsfaktor für Jugendliche ist es, in einem Betrieb nicht nur gefordert – sondern vor allem wertgeschätzt zu werden und in einer Betriebsfamilie aufgehoben zu sein.

Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell, damit auch die Jobbezeichnungen. Hand auf Herz: Wissen Sie immer, womit genau Sie es bei einer freien Stelle zu tun haben?

Mit der Hand am Herz: ich selbst nicht immer. Meine Kolleginnen und Kollegen bilden sich regelmäßig fort, um in der Entwicklung der Berufe und Tätigkeiten auf dem Laufenden zu bleiben. Viele Informationen holen wir uns zudem aus Gesprächen direkt mit Arbeitgebern, idealerweise auch unmittelbar im Betrieb. Eine detaillierte Stellen- beziehungsweise Aufgabenbeschreibung durch den Arbeitgeber hilft auf jeden Fall, zu verstehen, worum es im Job geht, und sie ist vor allem unabdingbar für ein gelingendes Matching.

Wie lang dauert die Besetzung einer Stelle im Durchschnitt?

Die Dauer hängt sehr Qualifikationsniveau ab: Je höher qualifiziert und je mehr Anforderungen, desto länger die Suchzeit. Daneben spielen natürlich Gehalt, Erreichbarkeit und betriebliches Umfeld eine Rolle. Wichtig ist, dass alle Stellen in der Stellenbörse veröffentlicht werden. Wir haben Arbeitsstellen, für die noch am selben Tag ein passender Vorschlag gemacht werden kann. Und wir haben Stellen, die wir nach Rücksprache mit dem Arbeitgeber über viele Monate betreuen – so lang, bis die oder der Richtige erscheint.