Im Interview berichtet Dirk Abel, was 2026 alles anstehen wird. Foto: Peter Kiedaisch

Es läuft das dritte Amtsjahr für Balingens OB Dirk Abel. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er über Aufgaben und Herausforderungen für 2026.

Oberbürgermeister Dirk Abel befindet sich mitten in seinem dritten Amtsjahr. Im Interview mit unserer Redaktion berichtet er über Sparmaßnahmen, die auf die Bevölkerung zukommen werden in diesem Jahr, sein Engagement in der Emmi-Stiftung, und er verrät seine persönlichen Highlights im Jahr 2026.​

 

Herr Abel, wie verlief für Sie das abgelaufene Jahr 2025 persönlich sowie beruflich?

Persönlich war es nach den zuletzt schwierigen Jahren für uns in der Familie aufgrund der FSME-Erkrankung unserer Tochter wieder ein Jahr der größeren Zufriedenheit, ein Jahr des Aufbruchs. Trotz ihrer sehr hohen Pflegebedürftigkeit konnten wir zusammen in den Urlaub fahren und sie auch sonst im Alltag oft mit dabeihaben. Beruflich waren natürlich die Feierlichkeiten zu 50 Jahre neue Stadt Balingen ein großes Highlight. Das durften wir zusammen mit allen Stadtteilen und vielen engagierten Ehrenamtlichen erleben und konnten Balingen noch mal in ein ganz anderes Licht rücken – nämlich mehr in die Stadtteile. Ich glaube im Rahmen der Stadtteilfeiern kam deutlich zum Ausdruck, dass Balingen ein sehr ländliches Flair mit einer Brise Großstadtatmosphäre verbindet.

Stichwort Emmi-Stiftung. Diese Stiftung für neurologisch kranke Menschen wird bald ein Jahr alt. Wie verlief der Start der Stiftung und wohin soll der Weg führen?

Es ist wirklich überwältigend zu erleben, wie viele Menschen von sich aus tätig werden, Spenden sammeln und stiften. Es handelt sich um eine sehr kleine Stiftung unter dem Dach der Sparkasse. Ich habe einen Betrag in Höhe von 25.000 Euro eingebracht, der notwendig war, um die Stiftung zu gründen. Mittlerweile sind wir immerhin schon bei einem Stiftungsvermögen von 75.000 Euro angelangt. Wir haben zudem knapp 50.000 Euro Spenden eingesammelt, die sofort dem Stiftungszweck zugeführt werden können. Das Geld geht ungefähr zu zwei Dritteln an betroffene Familien, also neurologisch kranke Menschen, und zu einem Drittel an Institutionen, die in dem Bereich aktiv sind und neurologisch kranken Menschen und den Familien helfen.

Und gibt es konkrete Ziele und Pläne, wo es noch hingehen soll?

Ich habe wirklich sehr viele Anfragen erhalten von Betroffenen, hinzu kommen zahlreiche Benefizveranstaltungen. Da treibt mich gerade die Frage um, wie lange man das alles noch ehrenamtlich bewerkstelligen kann. Eventuell muss die Arbeit künftig über eine Geschäftsstelle laufen. Es macht mir auf jeden Fall sehr viel Freude, wenn man Menschen helfen kann, finanziell, aber auch mit Beratung und Unterstützung.

Balingen muss sparen, das ist der Tenor seit einigen Jahren. Was kommt konkret an Sparmaßnahmen im Jahr 2026 auf die Stadt und ihre Bürger zu?

Wir werden weiterhin in allen Bereichen, sei es Bäder oder Kindergärten, die Gebühren fortlaufend der Personalkostenentwicklung anpassen müssen, um hier nicht noch defizitärer zu werden. Auch müssen neue Gebühren eingeführt werden, Stichwort parken. Unsere Parkhäuser sind deutlich in die Jahre, besser gesagt Jahrzehnte, gekommen. Da werden wir in Zukunft nicht um Sanierungen herumkommen. Ganz wichtig ist mir hier aber: Balingen bleibt die Stadt des kostenlosen Parkens, aber eben dann mit einer Einschränkung. Ab der 90. Minute wird das Parken in der Innenstadt, so die Vorstellung der Verwaltung, 1,50 Euro je weitere Stunde kosten. In den Parkhäusern wollen wir drei Stunden kostenloses Parken ermöglichen und dann einen Euro verlangen je weitere Stunde. Zudem müssen die Bürger mit Veränderung innerhalb der Verwaltung rechnen. Womöglich werden wir in den Ortschaften nicht mehr ganz so viel Serviceleistungen anbieten können wie bislang. Der Umstieg auf den digitalen Service wird vielleicht gerade die ältere Generation vor Herausforderungen stellen. Hintergrund ist der, dass wir Personalstellen streichen müssen.

Auf der anderen Seite: Welche Projekte geht die Stadt Balingen für die Bürger im laufenden Jahr an?

Einerseits brauchen wir erst einmal wieder mehr Spielraum im Haushalt. Wir benötigen Überschüsse, die wir im Moment nicht haben, um unsere künftigen Investitionen zu finanzieren. Was wir aber im Jahr 2026 umsetzen werden, ist zum Beispiel die Fertigstellung des neuen viergruppigen Kindergartens in Endingen. Wir gehen den neuen Kindergarten Stadtmitte auf der Fläche des Kreises neben dem Landratsamt an und tätigen weitere Investitionen, etwa in Engstlatt die geplante Brücke Hürsten, die schon lange gewünscht wird dort. Wir werden das Zentralklinikum er- und anschließen müssen. Die entsprechenden Hochwassermaßnahmen für das Projekt werden ebenfalls umgesetzt. Darüber hinaus wollen wir einen digitalen Bürgerservice auf unserer städtischen Internetseite einrichten, sodass die Einwohner einen noch besseren Überblick haben, welche Leistungen sie digital bei der Stadt und im Bürgerbüro bekommen können und sich darüber schneller zurechtfinden. Oft ist es den Bürgern gar nicht klar, was und wie sie alles über den digitalen Weg erledigen können.

Werfen wir einen Blick voraus auf die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg. Was erhoffen Sie sich von der Wahl in Bezug auf die Stadt Balingen?

Natürlich wünsche ich mir eine stabile Regierung in Stuttgart. Stabil dahingehend, dass es zu keinen Streitigkeiten innerhalb der Regierungskoalition kommt und einiges erreicht und bewegt werden kann. Die kommende Regierung muss es schaffen, Bürokratie weiter abzubauen und die Kommunen und Unternehmen zu stützen und zu unterstützen. Anhand des kommunalen Regelungsbefreiungsgesetzes auf Landesebene wird schon deutlich, dass erkannt wurde, welche zentrale Rolle die Kommunen spielen. Das macht Mut, dass es weitere Erleichterungen für die Kommunen geben könnte.

Sie befinden sich aktuell mitten im dritten Amtsjahr. Wie weit ist Ihre To-do-Liste schon abgearbeitet?

Das ein oder andere ist bereits abgehakt, es steht aber auch vieles noch an. Leider bin ich in einer Zeit gekommen, in der das Geld nicht mehr so zur Verfügung steht wie vor einigen Jahren. 2019 hatten wir noch einen Überschuss von 11 Millionen Euro. Mittlerweile ist aber Ebbe in der Kasse. Da muss man sich ehrlich machen und realistisch sein. Alles, was man sich im Wahlkampf vorgenommen hat, wird man nach den acht Jahren unter diesen Umständen nicht realisieren können.

Können Sie näher darauf eingehen, welche Projekte auf der Strecke bleiben werden?

Ich kann am heutigen Tag nicht konkret sagen, was am Ende nicht möglich sein wird. Wir wollen uns nach wie vor weiter alles vornehmen. Etwa bei der Sanierung von Straßen und Gebäuden müssen wir tatsächlich schauen, wie schnell wir vorankommen können. Ich denke, dass wir hier mehr Zeit brauchen werden, als ich erwartet hatte.

Abschließend noch die Frage: Worauf freuen Sie sich im Jahr 2026 am meisten?

Sehr freuen würde ich mich, wenn der HBW in die erste Liga aufsteigt, sich die Fußballer der TSG in der Regionalliga halten und wir beim Public Viewing in Balingen ein Endspiel mit der deutschen Fußballnationalmannschaft erleben könnten. Außerdem steht am 16. Mai unser erstes Ehrenamtsfest an. Da wollen wir unseren Ehrenamtlichen im Aktivpark einen tollen Tag bieten.