Ermilio Verrengia ist mittlerweile vier Jahre im Amt des Bürgermeisters. Foto: Stadt Balingen

Ermilio Verrengia fühlt sich wohl in der Rolle des OB-Stellvertreters. Trotz vieler Krisen gerade zu Beginn seiner Amtszeit blickt er zur Halbzeit im Amt auf viele Erfolge.

Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia bezeichnet sich gerne als absolutes Balinger Kind. Aufgewachsen in Dürrwangen, mittlerweile zu Hause in Zillhausen.

 

In diesem Jahr feiert der 47-Jährige Bergfest im Amt des Bürgermeisters. Im Interview mit unserer Redaktion blickt er zurück auf sein bisheriges Schaffen, in die Zukunft und verrät, wie das Gespann Abel/Verrengia im Rathaus harmoniert.

Herr Verrengia, im Februar dieses Jahr ist die erste Hälfte ihrer Amtszeit abgelaufen. Wie fällt Ihr Halbzeitfazit aus?

Die vier Jahre waren geprägt von Krisen, das kann und muss man so festhalten: Energiekrise, Wirtschaftskrise und Fachkräftemangel. Keine zwei Wochen im Amt, ist der Ukraine-Krieg ausgebrochen. Die Corona-Pandemie war zu dieser Zeit am Abklingen, aber noch immer präsent. Maske tragen war hier teils noch angesagt. Wir befanden uns quasi durchgehend im Krisenmodus. Dennoch bin ich stolz darauf, dass wir stets die Stadt im Blick hatten und immer nach Lösungen suchten. Deswegen waren wir trotz der vielen Unwägbarkeiten immer gut aufgestellt.

Als Bürgermeister sind sie die Nummer 2 im Rathaus hinter Oberbürgermeister Dirk Abel. Wie gefällt Ihnen diese Rolle?

Die Rolle gefällt mir sehr gut. In diesem Job fungiere ich als Schnittstelle zwischen Oberbürgermeister, Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern. Die Rolle ist vor allem operativ geprägt. Ich vergleiche sie gerne folgendermaßen: Unser OB ist der Außenminister, und ich sehe mich dann als Innenminister. Diesen Vergleich nehme ich gerne her, wenn etwa Schüler fragen, wieso wir zu zweit sind. Dieser symbolische Vergleich hilft, diese Struktur zu verstehen.

Neben dem Amt als Balinger Bürgermeister sitzen Sie als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler zusätzlich im Kreistag. Sie betreiben Kommunalpolitik also aus beiden Perspektiven. Inwiefern beeinflusst das Ihre Arbeit?

Als Kreisrat vertrete ich den gesamten Zollernalbkreis. Deswegen stehen die Kreisinteressen dort an erster Stelle. Dennoch gibt einem dieser Sitz einen gewissen Wissensvorsprung, von dem die eigene Stadt profitieren kann. Es ist natürlich von Vorteil, wenn ich entsprechende Themen aus Kreisperspektive kenne und dann wiederum in die Stadtgremien einbringen kann. Das betrifft selbstverständlich ausschließlich die öffentlich behandelten Themen. Da können durchaus Synergien geschaffen werden.

Können Sie hier konkrete Beispiele nennen?

Als Beispiel, in dem beide Instanzen involviert sind, fällt mir ganz aktuell das neue Klinikum ein. Hier können wir in Zusammenarbeit mit Kreis und Stadt optimal feststellen, wo etwa noch nachjustiert werden muss. Bei diesem Jahrhundertprojekt müssen wir Hand in Hand arbeiten – und das funktioniert hier im Kreis richtig gut. Schon sehr lange pflegen wir zudem eine gute Zusammenarbeit in der gemeinsamen Ausländerbehörde sowie aktuell beim Errichten der Kita Charlottenstraße.

Wie gut läuft die Zusammenarbeit mit ihrem „Außenminister“? Oder anders gefragt: Wie gut harmoniert das Gespann Abel/Verrengia?

Dieses Gespann harmoniert richtig gut und das ist auch wichtig für die Stadt. Natürlich sind wir nicht immer derselben Meinung. Das gehört dazu und ist auch gut so. Unterschiedliche Sichtweisen helfen dabei Themen gründlich abzuwägen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Entscheidend ist, dass wir am Ende immer das Wohl der Stadt im Blick haben. Gerade im ersten Jahr von Dirk Abel als Oberbürgermeister, das privat durch die FSME-Erkrankung seiner Tochter sehr herausfordernd war, hat uns die gemeinsame Zeit rund um die Gartenschau stark zusammengeschweißt. Daraus ist eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit entstanden, beruflich wie menschlich.

Sie sprachen von vielen Krisen zum Start Ihrer Amtszeit. Worauf blicken Sie dennoch gerne zurück?

Wir haben trotz der Krisen viel erreicht. Da nenne ich gerne die spanischen Fachkräfte, die nach Balingen kamen. Ein Großteil dieser Pädagogen ist gut integriert und unterstützt heute in besonderem Maße unsere Kitas. Unsere Bürgerstiftung, die wir auf den Weg gebracht haben, ist ein weiteres positives Beispiel unserer Arbeit.

Beim ersten Ehrenamtsfest in Balingen vor Kurzem wurde das Engagement zahlreicher Bürger gewürdigt. Foto: Sabine Stotz

Blicken wir von der ersten Hälfte der Amtszeit voraus auf die zweite Hälfte, wie könnte diese aussehen?

Es wird nicht einfacher. Wir dürfen dennoch nicht stehen bleiben als Stadt – sei es im Wirtschaftsbereich oder wir als Gesellschaft. Eine Stadt funktioniert nur, wenn sowohl die Infrastruktur als auch die Gesellschaft intakt ist. Da bin ich dem Ehrenamt sehr dankbar, denn hier trägt jeder Einzelne seinen Teil dazu bei.

Haben Sie Sorgen, dass die Stimmung in der Gesellschaft aufgrund der anhaltend angespannten Lage in Deutschland und weltweit kippt?

Nein, die Gesellschaft steht in Balingen zusammen. Ich verspüre aber schon eine gewisse Verunsicherung. Und deshalb ist es enorm wichtig, dass wir gemeinsam agieren und wir in Verwaltung und Gemeinderat offene und transparente Kommunalpolitik betreiben. Ehrliches Handeln ist den Menschen besonders in schweren Zeiten wichtig.

Sie bezeichnen sich als Balinger Kind durch und durch. Was wünschen Sie sich für Ihre Stadt in der Zukunft?

Ich möchte, dass Balingen weiterhin gesellschaftlich zusammenhält und weiterhin in der Region wirtschaftlich stark aufgestellt ist. Das menschliche Miteinander liegt mir besonders am Herzen – Balingen ist menschlich und soll menschlich bleiben.

Werden Sie nach der nächsten Bürgermeisterwahl im Jahr 2029 weiterhin dieses Amt bekleiden?

Ich mache meine Arbeit mit großer Freude und viel Herzblut. Deshalb kann ich mir sehr gut vorstellen, diesen Weg auch über 2029 hinaus weiterzugehen. Die Entscheidung trifft aber schlussendlich natürlich der Gemeinderat.

Die Aufgaben des Bürgermeisters

Zum Geschäftskreis des Bürgermeisters gehören insbesondere die Verwaltung des Finanzwesens, die Bereiche der Ordnungsverwaltung und Familie/Bildung sowie die Stadtwerke Balingen. Als ständiger allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters führt er die Bezeichnung „Bürgermeister“.