Recht unterschiedlich haben die Bürger am Sonntag im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen abgestimmt. Foto: Maier

Die Menschen in den Wahlkreisen Zollernalb-Sigmaringen sowie Hechingen-Tübingen haben gewählt, das vorläufige Endergebnis lag am späten Sonntagabend vor, die Sieger und Verlierer stehen fest. Doch ein zweiter Blick auf die Ergebnisse lohnt sich – dabei wird deutlich, dass zehntausende Stimmen buchstäblich unter den Tisch fallen.

Zollernalbkreis/Sigmaringen/Tübingen - Es ist ein Blick unter die Fünf-Prozent-Hürde – also auf all jene Parteien, die den Einzug in den Bundestag über ein darüber liegendes Zweitstimmenergebnis nicht geschafft haben oder  – wie die Linke – trotz 4,9 Prozent aufgrund dreier Direktmandate weiter im Bundestag vertreten sein werden. Für viele Kleinparteien ist das Ergebnis gleichwohl ein Erfolg: Wer bundesweit mindestens ein Prozent der Stimmen holt, bekommt höhere Zuschüsse.

Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen

 10 120 Wähler haben in diesem Wahlkreis ihre Erststimme Kandidaten gegeben, deren Parteien nicht im Bundestag vertreten sein werden. Das entspricht kumuliert einem Anteil von 7,6 Prozent aller 136 395 abgegebenen gültigen Erststimmen im Wahlkreis. Die meisten davon – 3905 – erhielt Volker Beil von der Partei "dieBasis", was 2,9 Prozent entspricht, gefolgt von Jürgen Schiller (Freie Wähler) mit 3359 Stimmen (2,5 Prozent), Dominik Ochs (Die PARTEI, 1887 Stimmen, 1,4 Prozent), Christine Koch-Kuhring (ÖDP, 757 Stimmen, 0,6 Prozent) und Renate Schmidt (MLPD, 212 Stimmen, 0,2 Prozent).

Hervorzuheben ist, dass Thomas Bareiß (CDU) das Direktmandat erneut, aber mit gerade einmal 30,1 Prozent der Stimmen gewann – damit holte der Christdemokrat 14,9 Prozent der Erststimmen weniger als 2017. 69,9 Prozent der Wähler stimmten für die Kandidaten der anderen Parteien.

11 772 Wähler im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen haben zudem über die Zweitstimme für Parteien gestimmt, die den Sprung nach Berlin verpasst haben (Gesamtanteil an den gültigen Stimmen: 8,7 Prozent). Wiederum ganz vorne unter diesen "Sonstigen": "dieBasis" mit 2973 Stimmen (2,2 Prozent), gefolgt von den Freien Wählern (2617 Stimmen; 1,9 Prozent), der Tierschutzpartei (1883, 1,4), der PARTEI (1335, 1,0), dem Team Todenhöfer (545, 0,4), den Piraten (510, 0,4), der ÖDP (428, 0,3), Volt (260, 0,2), dem Bündnis C (257, 0,2), der NPD (208, 0,2), Gesundheitsforschung (184, 0,1), der Bürgerbewegung (167, 0,1), der MLPD (114, 0,1), den Humanisten (110, 0,1), Demokratie in Bewegung (85, 0,1), dem Bündnis21 (48, 0,0), dem Liberal-Konservativen Forum (31, 0,0) und der Deutschen Kommunistischen Partei (17, 0,0).

Thomas Bareiß holte in diesem Wahlkreis derweil nicht nur das Direktmandat, auch seine Partei, die CDU, wurde mit 28,8 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft.

Wahlkreis Hechingen-Tübingen

 Im Wahlkreis Hechingen-Tübingen sind am Sonntag bei der Bundestagswahl 11 586 Erststimmen an Kandidaten der "Sonstigen" – also nicht der CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken oder AfD – gegangen. Das entspricht einem Anteil von 8,2 Prozent aller 136 395 abgegebenen gültigen Erststimmen im Wahlkreis. Die meisten dieser "Sonstigen"-Stimmen – 2789 (1,7 Prozent) – gingen an Andreas Weber von den Freien Wählern, gefolgt von Johanna Pardo (dieBasis, 2940 Stimmen, 1,8 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgen Oliver Mohr (Tierschutzpartei, 2544 Stimmen, 1,6 Prozent). Christiane Lawrenz (Die PARTEI, 1953, 1,2), Kornelius Schultka (ÖDP, 743, 0,5), Stefan Klepp (Demokratie in Bewegung, 493, 0,3) und Claudia Lenger-Altan (MLPD, 114, 0,1).

Im Wahlkreis HechingenTübingen sicherte sich erneut Annette Widmann-Mauz das Direktmandat – mit gerade einmal 27,0 Prozent (insgesamt: 43 021 Stimmen). Sie verlor im Vergleich zu 2017 8,7 Prozent bei den Erststimmen. Damit haben noch mehr Wähler als im Wahlkreis Zollernalb Sigmaringen – 73 Prozent (!) – Kandidaten anderer Parteien ihre Stimme gegeben.

Zudem wurden im Wahlkreis Hechingen-Tübingen 11 547 gültige Zweitstimmen an Parteien vergeben, die nicht im Bundestag vertreten sein werden (Gesamtanteil an den gültigen Stimmen: 7,0 Prozent).

Wie im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen ganz vorne: "dieBasis" mit 2666 Stimmen (1,7 Prozent), gefolgt von den Freien Wählern (1977 Stimmen, 1,2 Prozent), der Tierschutzpartei (1777, 1,1), der PARTEI (1293, 0,8), dem Team Todenhöfer (837, 0,5), Volt (609, 0,4), den Piraten (532, 0,3), der ÖDP (503, 0,3), dem Bündnis C (323, 0,2), Demokratie in Bewegung (223, 0,1), den Humanisten (208, 0,1), Gesundheitsforschung (155, 0,1), der Bürgerbewegung (147, 0,1), der NPD (132, 0,1), der MLPD (50, 0,0), der DKP (42, 0,0) und dem Bündnis21 (37, 0,0). Die wenigsten Zweitstimmen erhielt das Liberal-Konservativen Forum – 36 Voten (0,0).

Eine Besonderheit in diesem Wahlkreis: Während sich die CDU-Kandidatin Annette Widmann-Mauz erneut das Direktmandat sicherte, gingen die Grünen mit 23,4 Prozent der Zweitstimmen als stärkste Partei aus dem Urnengang hervor.