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Balingen Zehn Jahre "Reiten mit Handicap": Gisela Swoboda erzählt

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Bei der "Pferdebegrüßung" wird unter Anleitung gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Fotos: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen-Heselwangen. "Mit meinen Pferden habe ich wieder gehen und laufen gelernt, auch Selbstbewusstsein gewonnen", sagt Gisela Swoboda. Vor zehn Jahren, nach ihrem Schlaganfall, hatte die frühere Augenärztin die Selbsthilfegruppe "Reiten mit Handicap" gegründet. Jetzt, zum runden Geburtstag, hat es auf dem Rosenhof in Heselwangen Kaffee und Kuchen gegeben, und die ganze Gruppe war eingeladen, zu feiern.

Behinderte Menschen, sagt Swoboda, würden oft als minderwertig betrachtet und wie kleine Kinder behandelt: "Dabei sind diese Menschen geistig oft so wie die anderen, nur können sie manche Dinge nicht – oder nicht mehr."

Geritten sei sie seit ihrer Kindheit, sagt sie. Häufig sei man in der Gruppe ausgeritten: "Aber nach meiner Hirnblutung hat mich niemand mehr mitgenommen. Ich war plötzlich allein."

Sie nahm ihre Probleme in die Hand, ging 2008 in die Rehasportgruppe der TSG, gründete 2009, unterstützt von ihrem Sohn Peter und ihrem Mann Wolfgang, die Selbsthilfegruppe "Reiten mit Handicap". "Ich wollte selbstbestimmt etwas machen, das mir wichtig war", sagt sie. Und lud die Rehasportgruppe auf den Rosenhof von Friedrich Rehfuß ein, wo ihre beiden Pferde eingestellt waren.

"Anfangs", erinnert sich Gisela Swoboeda, "war die Gruppe groß, 40 bis 50 Leute, die einfach mal reiten wollten." Nach und nach wurden es weniger. Aber ein "harter Kern" von acht bis zehn Mitgliedern ist geblieben: "Sie sind die ganze Zeit über dabei gewesen."

Peter Swoboda, der ausgebildeter Pferdewirt und Trainer für Behinderten- und Gesundheitssport ist, und Pferdewirtschaftsmeisterin Silvia Rall vermitteln ihnen die Grundlagen, damit sie sich in geschütztem Rahmen an ihre Grenzen heranwagen und diese überwinden können. Bei der "Pferdebegrüßung" wird Vertrauen aufgebaut. Danach, im Sattel, sind die Menschen mit Behinderung wie ausgewechselt. Sie sind glücklich, strecken die Arme in die Höhe, bewegen sich im Einklang mit dem Pferd. "Reiten", sagt Gisela Swoboda, "ist nicht wie Mopedfahren. Es ist ein Dialog mit dem Pferd, Bewegung als Herausforderung."

Insgesamt sei es eine große Herausforderung, selbst etwas zu machen. Das weiß sie aus eigener Erfahrung. "Die meisten Betroffenen", sagt sie, "gehen zum Arzt oder ins Trainingsstudio nach dem Motto: ›Mach mich gesund, gib mir was!‹" Hier in der Selbsthilfegruppe habe jeder eine andere Erkrankung, man helfe einander gegenseitig, "das zu lösen, was der andere nicht lösen kann". So sei es möglich, Grenzen zu überwinden, Dinge zu tun, die man anfangs nicht tun konnte. Auch in der Gesellschaft gebe es Grenzen, die überwunden werden müssten – und auch könnten: "Es ist ähnlich wie in der Kindesentwicklung, man hat auch die Freiheit, Fehler machen zu dürfen. Man bekommt Hilfe und Anleitung."

Über ihre Erfahrungen beim "Reiten mit Handicap" hält Gisela Swoboda bundesweit Vorträge. Therapeutisches Reiten, sagt sie, gebe es überall. Aber eine Selbsthilfegruppe wie diese, wo auf eigenen Pferden geritten werde, gebe es nur einmal: "Wenn ich Schwierigkeiten habe, vorzulesen, macht es mein Sohn. Geschrieben hab ich’s selber."

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