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Balingen Wie der Bären-Wirt mit Corona umgeht

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Bitte in die Liste eintragen: Patrick Streicher sitzt vor dem "Bären"-Eingang auf seinem Hocker, notiert Namen der Gäste und bekommt immer mehr "Rücken". Foto: Maier

Balingen - Patrick Streicher hat seit neuestem "Rücken". Quasi wegen Corona. Statt Gästen in seiner Balinger Kneipe "Bären" Bier an die Tische zu bringen, ist er seit der Wiedereröffnung fast nur noch damit beschäftigt, auf einem Barhocker vor der Tür zu sitzen. Warum die Kneipe bereits wieder öffnen darf und wie die Gäste reagieren, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel. 

Patrick Streicher weist Gäste auf die neuen Regeln hin. Kontrolliert, wer reinkommt, notiert Namen und Adressen. Verteilt Schutzmasken an jene, die keine dabei haben. Alles im Sitzen, ohne Rückenlehne. Anstrengend. Aber Streicher will sich nicht groß beklagen, er ist vor allem dankbar, dass der "Bären" wieder öffnen konnte.

Schließen musste er seine Lokalität wie alle anderen Gastronomen auch im März infolge der Corona-Pandemie. Streicher traf das auch persönlich besonders hart, weil er seinen 30. Geburtstag am 19. März im "Bären" feiern wollte. Mit vielen Gästen und der Sindelfinger Band Dr. Aleks & The Fuckers. Daraus wurde dann nichts.

Seit 20. Mai ist wieder offen – dass der "Bären" früher dran ist als Kneipen, hängt damit zusammen, dass er laut Konzession nicht nur eine Schankwirtschaft, sondern auch eine eingeschränkte Speisewirtschaft ist. Das kommt Streicher nun zugute, das nimmt er aber auch sehr ernst. Auf den Infektionsschutz achtet er ganz genau, er selbst sagt: fast schon pedantisch.

Während der Schließzeit galt es für Streicher zunächst, den Betrieb über die Runden zu bringen. Er erhielt Soforthilfe vom Land, für die beiden Festangestellten beantragte er Kurzarbeit. Dann bereitete er sich auf die Wiederöffnung vor und tüftelte ein Hygienekonzept für seinen Laden aus.

Wegen des Abstandsgebots wurden Tische abgetrennt, die Bierhähne sind mit Plexiglasscheiben abgeschirmt. Tische werden desinfiziert. Eingangskontrollen sind in Kraft. Die Mitarbeiter tragen Mund-Nasen-Schutz. Gäste müssen beim Betreten und Verlassen des Lokals ebenso eine Maske aufhaben wie beim Gang auf die Toilette. Auf den stillen Örtchen sind die Handtrockner abgestellt, für die sich Streicher vor Corona nach langer Überlegung entschieden hatte, weil sie auf Dauer günstiger sind als Papierhandtücher. Aber jetzt sind Papierhandtücher Pflicht.

Probelauf für Mitarbeiter

Bevor es in der vergangenen Woche wieder los ging, absolvierten die "Bären"-Mitarbeiter einen Corona-Probelauf und bewirteten sich gegenseitig. Dabei fielen weitere Dinge auf, die noch Eingang ins Konzept fanden – etwa, dass leergetrunkene Flaschen nicht mehr, wie bisher üblich, in die Kiste mit den noch ungeöffneten wandern dürfen. Sein Hygienekonzept haben sich mehrere andere Balinger Wirte als Beispiel genommen.

Dafür, dass der "Bären" überhaupt wieder aufmachen konnte, hat Streicher rund 2000 Euro investiert. Allein bislang 600 Euro für Desinfektionsmittel. Den Monat Mai hat er aus betriebswirtschaftlicher Sicht abgehakt. Wenn der Juni null auf null ausgehe, dann sei er "echt zufrieden".

Am ersten Wiedereröffnungstag war der "Bären" gut voll. In normalen Zeiten finden in der Kneipe 80 Menschen einen Sitzplatz, dazu kommen eine nicht näher definierte Zahl von Stehplätzen sowie der Außenbereich. "Genau haben wir da nie gezählt", sagt Streicher, "das war ja nicht notwendig". Der "Bären" lebt von der urigen Stimmung, von der Enge, das bringt die Menschen buchstäblich in Kontakt. Nun, mit Corona, ist genau das tabu. Und Streicher muss zählen: Als rechnerische Obergrenze hat er für den Innenraum die Zahl von 32 Gästen festgelegt, draußen dürfen 20 weitere Platz nehmen. Mittlerweile, früher undenkbar, kann man, muss man an manchen Tagen sogar Tische reservieren, um ein Bier zu trinken. Und es ist nicht gestattet, mal eben durch die Kneipe zu laufen und sich anderswo hinzusetzen, um etwa zu quatschen: Nur Angehörige von maximal zwei Haushalten dürfen laut Verordnung der Landesregierung an einem Tisch zusammensitzen.

My Goodness, kein Guinness

Die überwiegende Mehrheit der Gäste mache all das bisher klag- und beschwerdelos mit, sagte "Bären"-Mitarbeiterin Johanna Siedler. Rauswerfen mussten sie noch niemanden. Allerdings sei einer Handvoll Personen bislang der Service verweigert worden, weil sie sich an die Vorgaben nicht halten und etwa Namen, Adressen und Kontaktdaten nicht auf die Liste eintragen wollten. Problematischer ist für manche, dass das Angebot an Fassbier derzeit eingeschränkt und ihr Liebling nicht verfügbar ist. Darunter – "My Goodness" – ausgerechnet das im "Bären" so beliebte Guinness. Zu essen gibt es in der "eingeschränkten Speisewirtschaft" derzeit auch nichts. Und Dartpfeile darf man ebenso nicht werfen.

Im Vergleich etwa zum Einzelhandel bewertet Streicher die Auflagen für die Gastronomie als "moderat". Würde für seine Kneipe dieselbe derzeitig gültige Richtschnur wie etwa für einen Klamottenladen angewendet – eine Person je 20 Quadratmeter –, dann könnte er den "Bären", rund 80 Quadratmeter im Innern, gleich zulassen.

Sprüche, Witze zu Corona, die muss sich Streicher natürlich anhören. Oft werde er nach seiner Meinung zu dem Virus und den damit einhergehenden Auflagen gefragt. Dazu sagt er: Ihm wäre es auch lieber, wenn es keine Pandemie gäbe. Unabhängig von seiner Lage als Wirt begrüße er die Einschränkungen, seiner Meinung nach habe die Politik vieles richtig gemacht. So habe Deutschland die Pandemie vergleichsweise gut in den Griff bekommen. Nun müsse er sich eben auch an die Vorgaben halten. Und das tue er: "Ich würde mir nie verzeihen, wenn sich einer meiner Mitarbeiter das Virus einfängt."

Für die Einhaltung der in der Corona-Gaststättenverordnung festgelegten Vorschriften sind die Wirte verantwortlich. Die Überwachung erfolgt durch die Ortspolizeibehörde, in Balingen also durch Mitarbeiter des Ordnungsamts.

Die Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts haben laut Ordnungsamtsleiter Jens Keucher ein Auge auf die Gaststätten und die neuen Bestimmungen und werden bei Auffälligkeiten aktiv. Zudem tätig werden sie, wenn es entsprechende Hinweise auf mögliche Verstöße gebe. Wenn sich herausstellt, dass gegen Auflagen verstoßen wurde, erhalten Wirte eine kurze Frist, um nachzubessern, so Keucher weiter: Die Nachkontrolle erfolge am Tag nach der Erstkontrolle.

Die Corona-Verordnung zu Gaststätten enthält selbst keine Bußgeldtatbestände. Das sollte laut Keucher für Wirte aber kein Trugschluss sein, dass Verstöße nicht bestraft werden könnten: Wer sich nicht an die Auflagen halte, gegen den könne über das Infektionsschutzgesetz ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet werden. Keucher appelliert an die Gastronomen, im Sinne der Gäste und auch im eigenen Interesse alles daran zu setzen, einen unter Corona-Gesichtspunkten bestmöglichen Gesundheitsschutz zu bieten.

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