Kameramann Hubert Gutbrod (links) beim Dreh mit Hendrik Feichtigner (Zweiter von rechts) und Jakob Gunst (rechts) von der Musikschule BalingenFoto: Gohminger Foto: Schwarzwälder Bote

Antikriegstag: 45-minütiger Streifen ersetzt wegen Corona traditionelles (und langweiliges) Format / Junge Menschen im Fokus

Wegen der Corona-Pandemie wird die Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag dieses Jahr virtuell im Zollernalbkreis zelebriert. Ein 45-minütiger Film soll vor allem auch ein jugendliches Publikum ansprechen und wird über zahlreiche Kanäle im Internet gezeigt.

Balingen. "Neue Zeiten, neue Herausforderungen – jede Zeit benötigt zeitgemäße Lösungen", sagt Salvatore Bertolino, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi im Kreis. Keiner der Beteiligten habe Erfahrung damit, einen Gedenktag virtuell zu feiern, aber die aktuellen Umstände mit Covid-19 ließen keine andere Möglichkeit zu.

Am Antikriegstag wird traditionell des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs gedacht und für ein friedvolles Miteinander auf der ganzen Welt plädiert. 2018 fand der Gedenktag in Bisingen und 2019 in Geislingen statt. In den vergangenen Jahren habe man laut Bertolino "keine jungen Menschen begrüßen können" – das soll sich dieses Jahr ändern. Ganz bewusst habe man daher diesmal den Kontakt zur Jugend gesucht und gefunden.

"Mit der Schwelhalle verknüpfen wir die Welt- mit unserer Heimatgeschichte"

In Zusammenarbeit mit Azubis der Stadt Balingen wurde eine Talkshow auf die Beine gestellt. In dieser wird darüber gesprochen, was "die Erwachsenen" bezüglich des Kriegs gelernt haben. Darüber hinaus besteht der Gedenkfilm aus insgesamt 13 Personen- und Gruppenaufnahmen sowie Musikbeiträgen der Jugendmusikschule Balingen. Am Ende sollen alle Einzelbeiträge zu einem 45-minütigen Film zusammengeschnitten werden. Die Dreharbeiten hierfür fanden an den vergangenen beiden Tagen im Umfeld der Schwelhalle in Frommern statt.

Die Schwelhalle ist nicht zufällig als Drehort gewählt worden. "Mit der Schwelhalle verknüpfen wir die Weltgeschichte mit unserer Heimatgeschichte", erklärt Bertolino. Diese Halle sei ein Symbol dafür, wie aus einem Platz der Kriegsindustrie ein Ort für Begegnungen geschaffen wurde.

In diesem Zusammenhang weist Bertolino auch auf eine zentrale Forderungen des DGB zum Antikriegstag 2020 hin: Die Ausgaben für Verteidigung sollen auf maximal ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts beschränkt werden. Die NATO-Zielvorgabe sieht derzeit zwei Prozent vor – wie Donald Trump häufig vehement betont. Vor allem Corona habe aber "uns allen vor Augen geführt, wie verantwortungslos diese Geldverschwendung ist", ärgert sich Bertolino.

Veranstalter des Projekts sind der DGB Zollernalb, Verdi Zollernalb, GEW Zollernalb und die IG Metall Albstadt in Zusammenarbeit mit der Stadt Balingen, dem Schulverbund Frommern, dem Stadtarchiv Balingen, dem Arbeitskreis "Wüste" Balingen, der Jugendmusikschule Balingen, der Jugend- und Ausbildungsvertretung sowie Azubis der Stadt Balingen. Der Film wird am 1. September um 18.30 Uhr auf den Internetkanälen der beteiligten Organisationen gezeigt werden.

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