15 Interessierte sehen sich beim Waldumgang die verschiedenen Gebiete an.Fotos: Breisinger Foto: Schwarzwälder Bote

Forst: Waldumgang mit Revierleiter Dietmar Reineke weist auf Problempunkte und Entwicklungen hin

Balingen-Zillhausen. Zusammen mit 15 Interessierten hat sich Forstrevierleiter Dietmar Reineke am Samstagabend auf dem Weg zu einem Waldumgang in Zillhausen gemacht. Ein kleiner Teil der insgesamt 440 Hektar Wald, von denen 207 ha der Kategorie Stadtwald zuzuordnen sind, wurden ausgekundschaftet.

"Für die Balinger Verwaltung steht nicht der Ertrag unserer Arbeit im Vordergrund, es sollte aber auch nicht zu einem Minusgeschäft kommen. Im vergangenen Jahr arbeiteten wir defizitär, aber es gab auch schon Jahre, in denen wir abzüglich aller Kosten 0,25 Millionen Euro Gewinn hatten", verrät Reineke. Nach dem Start am Zillhausener Café Spieß ging es in den Wald hinein, zu einer Stelle mit Schwachholzbestand. "Ab Herbst werden wir uns um diesen Bereich kümmern", versicherte Reineke. Diese Arbeiten seien schon lange in der Pipeline, aber seit 2018 habe es aufgrund des Überangebots an Holz einen massiven Preisverfall gegeben. Momentan scheine der Bedarf aber wieder zuzunehmen, vor allem aufgrund des großen Interesses aus den USA, die aufgrund der unter Präsident Donald Trump geschlossenen Grenze zu ihrem größten Holzlieferanten Kanada einen Engpass hätten: "Da die Amerikaner ein gigantisches Konjunkturprogramm auf den Weg brachten, werden sicherlich viele Renovierungen getätigt werden, und in den USA wird traditionell viel mit Holz gearbeitet", weiß der Forstexperte. "Bei den Schwachholzbeständen steht die Lenkung des Zuwachses auf die qualitativ besten Bäume im Vordergrund, zudem möchten wir die Baumartvielfalt fördern, uns vom monokulturellen Forst befreien und den Prozess der Waldverjüngung, der sich über 20 bis 30 Jahre erstreckt, weiterführen", meint Reineke.

Über Stock und Stein ging es leicht bergauf zum nächsten Halt, bei dem es neben Fichten, Tannen, Buchen und Linden auch Eschen gab. "Je weiter weg vom Ort, so älter werden die Wälder, und so naturnäher wird es", so Reineke. "An dieser Stelle gibt es einen relativ harten, nährstoffreichen Boden mit viel Skeletten, eine Nachkalkung ist nicht erforderlich", ergänzt der Förster. Das Waldstück im Anschluss mit einem überaus hohen Anteil an Maulbeeren und dazu einigen Buchen, Fichten, Tannen und Eichen in verschiedenen Höhenstufen bezeichnete Reineke als ein "gewisses Kleinod".

Nachdem die Teilnehmer zuvor nur "blaue Punkte" an den Bäumen sahen, leuchtete es am nächsten Stopp an den dicken Stämmen "rot". "An dieser Stelle kümmern sich eigene Waldarbeiter in Abständen von fünf bis sieben Jahren um die Bestände", erklärte Reineke, der bekannt gab, dass die Straße nach Pfeffingen in den diesjährigen Herbstferien wegen Waldarbeiten gesperrt werden wird.

Im Großen und Ganzen steht der Zillhausener Wald sehr gut da, aber Reineke ging am Ende des mehr als zweistündigen Rundgangs auch auf zwei Probleme ein. Zum einen machte er auf eine Stelle aufmerksam, an der der aus Ostasien eingeschleppte und in Zillhausen seit 2009/10 vorherrschende Pilz Hymenoscyphus fraxineus die schwere Baumkrankheit Eschentriebsterben mit sich gebracht hat, und ging auf eine Schneise ein, in der in Form von Fichten eine Monokultur zu finden ist. "Dort wurde schon 1870 gekeimt, da hat noch keiner an Klimawandel gedacht", nahm Reineke seine Vorgänger in Schutz.

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