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Balingen Von Aicha, die das Lachen verlernt hat

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Im Gespräch mit ihrer Übersetzerin Franziska Faigle: die 21-jährige Aicha. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

"Capernaum" heißt so viel wie "Chaos". Der Arbeitskreis Asyl zeigt in Zusammenarbeit mit der evangelischen und der katholischen Erwachsenenbildung im Bali Kinopalast den Film, der in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, am Mittwoch, 16. Oktober, ab 19.30 Uhr. Davor wird eine junge Frau aus Guinea von ihrer Flucht erzählen.

Balingen. Das Leben des jungen Libanesen Zain ist chaotisch – genau wie der Name des Fischerdorfs Capernaum am See Genezareth, das laut Überlieferung Wohn- und Wirkungsort Jesu gewesen ist. Der Film zeichnet ein authentisches Porträt von Menschen am Rand der Gesellschaft, die in dieser Welt keine Chance haben. Nur die Hoffnung bleibt.

Die Geschichte der 21-jährigen Aicha aus Conakry in Guinea gleicht der des Jungen aus Beirut in mancher Hinsicht. Es geht um Menschenhandel, Elend und Angst. Die Angst hat Aicha nach Balingen mitgebracht. Ihre Adresse will sie nicht verraten, ihren Nachnamen nicht veröffentlicht wissen. Ihre Cousins, sagt sie, drohen, sie zu töten.

Wenn sie spricht, blickt sie einen kaum an. Sie lächelt nie. Nachts schläft sie nicht, lässt das Licht an. Sie geht kaum aus dem Haus. Einmal ist sie kollabiert, war orientierungslos. Der Arzt im Krankenhaus wollte nicht glauben, dass sie 21 ist. Sie sieht aus wie 40.

Aicha spricht fließend Französisch, hat in ihrer Heimat Abitur gemacht. Ihr Vater sei Arzt gewesen, sagt sie. Sie weiß nicht, ob er noch lebt. Ihre Mutter sei bei ihrer Geburt gestorben. Eine Tante, eine Geschäftsfrau, habe sie großgezogen, zur Schule geschickt. Deren Mann war Offizier. Und jedes Mal, wenn die Tante auf Geschäftsreise war, habe der Mann sie vergewaltigt. Seit ihrer frühen Kindheit. Mit 18 sei sie schwanger geworden. Als die Tante davon erfahren habe, sei sie schwer erkrankt und wenig später gestorben.

Ihre Söhne hätten sie dann verprügelt und gedroht, sie zu töten. Schwanger und mit gebrochener Schulter gelang es ihr mit Hilfe eines Cousins, das Land zu verlassen. Über Mali und Algerien kam sie nach Marokko, wo man ihr die Adresse einer Frau in Rabat gegeben hatte. Die Frau gab ihr Medikamente, um das Kind abzutreiben, und zwang sie danach sechs Monate lang zur Prostitution. Schließlich half ihr ein Freier aus Kamerun, nach Spanien zu fliehen. Er hatte sich in sie verliebt. Über Frankreich kam sie nach Deutschland. Zwei Jahre hat die Flucht gedauert.

Am 27. Juni sei sie nach Balingen gekommen, sagt Aicha. Bekannte habe sie hier nicht. Nur die Leute vom Asylkreis kenne sie, aus dem Café. Sie ist in psychiatrischer Behandlung, hat Schmerzen in der schlecht verheilten Schulter. Sie sei jetzt im Anerkennungsstadium, habe gute Chancen, zu bleiben, sagt Jean-Claude Canoine vom Arbeitskreis Asyl. Deutschunterricht bekomme sie nicht. Um einen Kurs zusammenzubekommen, müssten mehrere Flüchtlinge auf ihrem Niveau sein. "Sie lernt schnell."

Das Foto von ihr im Gespräch mit ihrer Dolmetscherin Franziska Faigle, die auch vor der Filmvorführung im Bali Kinopalast übersetzen wird, will sie noch einmal sehen. Ihr Gesicht, sagt sie, dürfe man nicht erkennen. Sie hat Angst, dass ihre Peiniger sie entdecken könnten. Als sie sich verabschiedet, scheut sie den Blickkontakt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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