Blick aufs "Mühlengeist-Schloss": Über eine Rampe sollen Gäste in den großen Turm und anschließend in den Gastraum gelangen. Diesen Entwurf will Siegfried Reiter demnächst beim Bauamt einreichen. Foto: Architekturbüro Beutter Foto: Schwarzwälder Bote

Wiederaufbau: Wie sich Eigentümer Reiter und Architekt Beutter die Zukunft des Gebäudes vorstellen

Da schau her: Für den Wiederaufbau der Gaststätte Mühlengeist legen Eigentümer Siegfried Reiter und Architekt Otto M. F. Beutter nun detaillierte Pläne vor. Entstehen soll an der Eyach im Balinger Norden ein außergewöhnliches Gebäude – quasi das Pendant zum Zollernschloss im Süden. Ob das Bauamt dazu seinen Segen geben wird?

Balingen. Besonders ins Auge fallen beim Anblick der Entwürfe die Türme: Vier sind es an der Zahl. Durch den größten, mit neun Metern Durchmesser, sollen künftig die Gäste, nachdem sie die davorliegende Rampe passiert haben, den Gastraum mit rund 140 Plätzen betreten oder die Außenterrasse in Richtung Eyach. In diesem Turm untergebracht sein soll zudem ein Aufzug und außerdem, wie in den kleineren Türmen auch, ein Treppenhaus, über das man in die übrigen Etagen samt Übernachtungsmöglichkeiten im Obergeschoss und auf die Dachterrasse gelangen kann.

Solche Türme "gehören einfach zu so einem Anwesen dazu", sagt Siegfried Reiter. Er wolle an der Stelle des "Mühlengeists", der 2010 durch Brandstiftung schwer beschädigt wurde und dessen Überreste seitdem vor sich hin gammeln, kein Standardgebäude errichten, keine simple viereckige "Betonschachtel" – sondern ein Haus mit Charakter. Deswegen die Türme, deswegen die sternförmige Balkendecke im Erdgeschoss. Dazu die Terrasse. Und dazu viele weitere Details.

Für den Wiederaufbau der früher beliebten und im Gartenschaujahr 2023 wohl besonders interessanten Lokalität will Reiter möglichst viel Material des bisherigen Gebäudes nutzen. Auf dem Gelände an der Eyach haben sich mittlerweile einiges an Holz und zahlreiche Natursteine sowie Unikate wie Mühlenräder angesammelt, die für den Neubau oder aber als Dekoration im Innern verwendet werden sollen. Ein Gebäude im "alten Stil" will Reiter schaffen. Das wünschten sich auch viele Balinger, sagt er, immer wieder werde er darauf angesprochen, wann es denn endlich soweit sei.

Ginge es allein nach Reiter, dann wäre der neue "Mühlengeist" schon fertig. Geht es aber nicht. Immer wieder habe er in den vergangenen zehn Jahren Pläne für den Wiederaufbau mit dem Balinger Bauamt besprochen, viele grundlegende Dinge seien auch geklärt. Auf einige seiner Überlegungen habe das Bauamt zuletzt aber auch erst gar nicht mehr reagiert, so auf die Bauvoranfrage vom November 2019. Und manche seiner Ideen – etwa die Türme – seien von vorneherein abgelehnt worden. Diesen Hickhack will Reiter nicht mehr länger mitmachen – er geht nun in die Offensive und will Klarheit.

Die Frage der Zukunft des "Mühlengeists" wird sich damit demnächst zuspitzen, sie könnte zum Politikum werden. In den nächsten Wochen will Architekt Beutter das Baugesuch – mit den Türmen, mit der sternförmigen Balkendecke – fertigstellen und dem Bauamt zukommen lassen. Dann solle man ihm klipp und klar sagen, was und wie er bauen dürfe, sagt Reiter. Und zwar anhand der gesetzlichen Bestimmungen, nicht aufgrund möglicherweise persönlicher Vorlieben und Geschmäcker der Verantwortlichen im Bauamt.

Reiter und Beutter weisen darauf hin, dass für das Baugrundstück kein Bebauungsplan existiert. Sie dürften also deshalb, meinen sie, grundsätzlich so bauen, wie sie möchten, sofern sie die grundlegenden Baubestimmungen beachten.

Diese Ansicht ist derweil, darauf weist Baudezernent Michael Wagner hin, nicht ganz falsch, grundsätzlich aber nicht richtig. Korrekt sei, dass es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan gebe – allerdings habe der Gemeinderat das entsprechende Verfahren, über das unter anderem die "Mühlengeist"-Bebauung geregelt und der Bereich rund um die Stadtmühle als sogenanntes Sondergebiet Freizeit ausgewiesen werden soll, im Frühjahr 2012 eingeleitet. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren, darüber habe die Stadtverwaltung einen "Fuß in der Tür" bei der Frage der künftigen Gestaltung des "Mühlengeists". Bauen "nach Lust und Laune" sei so nicht möglich, sagt Wagner; auch deswegen nicht, weil es sich um einen sogenannten Außenbereich handele – dort seien die Anforderungen mitunter noch strenger als in Innenlagen.

Und noch ein anderer Aspekt spiele eine Rolle, sagt der Baudezernent: das denkmalgeschützte Ensemble Stadtmühle. Einst habe es aus drei Gebäuden bestanden: neben dem "Mühlengeist" die eigentliche Stadtmühle sowie das Scheunenhaus. Aus denkmalschutzrechtlicher Sicht sei der "Mühlengeist" nach dem Brand untergegangen, gleichwohl müsse sich ein Neubau in das früher bestehende Ensemble einfügen. Auch das schließe einen Neubau "nach Lust und Laune" aus. Baugesuche, die dem offensichtlich widersprechen, könne die Stadt mit Verweis auf das laufende Verfahren zurückstellen. Und zur Not könne die Stadt eine Veränderungssperre erlassen.

Das hört sich nach möglicherweise weiterem Stillstand an – das ist indes nicht das, was beide Seiten wollen. Die Stadtverwaltung hat laut Wagner ein großes Interesse daran, dass der "Mühlengeist" wieder aufgebaut und bis zur Gartenschau 2023 – am Ende des Geländes – eine gut eingeführte und bekannte Lokalität ist. Genau das will auch Siegfried Reiter, er pocht derweil darauf, seine Vorstellungen verwirklichen zu können. Ein "Hingucker", eine "Sensation" solle der neue "Mühlengeist" werden, sagt Reiter. Ein Gebäude, das seinesgleichen suche und das die Menschen nicht nur wegen der darin servierten Zwiebelrostbraten, sondern von alleine anziehe. Er sei sicher, meint Reiter, dass der "Mühlengeist", gebaut nach seinen Vorstellungen und nach den Plänen von Architekt Beutter, vom ersten Tag an in aller Munde sei.

Mit einem möglichen Veto des Bauamts rechnet Reiter derweil auch. Für die Art Gebäude, wie er es sich wünsche, habe man dort "kein Empfinden". Sollte man das Baugesuch ablehnen, dann habe er jetzt, ein Jahrzehnt nach dem verheerenden Brand, genug. Dann verliere er die Freude an diesem Projekt endgültig.

Statt eines Neubaus würde er auf dem Gelände im Gartenschaujahr dann einen Bagger stellen, der ein großes Plakat in die Landschaft halte: darauf zu sehen die Ansichten des von Architekt Beutter geplanten Gebäudes mit den Türmen. Und ein Schriftzug, dick und fett: "Das hätte hier stehen können."

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