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Balingen "Vesperbrätle" kommt nicht gegen "Klassenkampf" an

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Wortgewaltig: Wolfgang Heyer (links) und Alex Simm bei ihrem Duell im Hof der Balinger Stadthalle. Foto: Breisinger Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen. Wolfgang Heyer gegen Alex Simm, Schwäbisch gegen Hochdeutsch: Dies war die Konstellation am Freitagabend beim sommerlichen Open-Air-Poetry Slam im Hof der Stadthalle. Der "Wettstreit" ging über sechs Runden, die Zuschauer kürten den jeweiligen Sieger über das "Applausometer".

In der ersten Runde widmete sich Hochdeutsch-Vertreter Alex Simm in poetischer Form dem in Schwaben geborenen, besserwisserischen und ordnungsliebenden Schwanenmädchen Swantje. "Reinheit, Zucht und Ordnung sind der Swantje Grund zum Glück", verriet Simm. Heyers erste Runde stand unter dem Motto "Schwäbisch für Einsteiger". Dabei ging er detailliert auf die schwäbischen Eigenarten ein. "Der Babybrei in der Flasche schmeckt bei uns wie Maultäschle", fand Heyer, der den ersten Punkt jedoch an Simm abgeben musste.

Auch die zweite Runde – dafür gab es zwei Punkte – ging an Simm, der unter dem Titel "In den Hirnwüsten unserer Zeit blühen nur Kakteen" den Kaktus als "Meister der Opposition bezeichnete".

Die dritte Runde entschied Heyer für sich. Bei "Schwäbisch ist eine Weltsprache Teil 2" ging er augenzwinkernd darauf ein, inwieweit das Schwäbische die englische Sprache beeinflusst hat. Simm berichtete von seinem Leben als Lehrer und kam nicht umhin, die Bewegung "Fridays for future" zu thematisieren. Simm sah die Angelegenheit pragmatisch, da die zum Teil unter dem Meeresspiegel liegenden Länder Bangladesch und die Niederlande bald nicht mehr im Erdkundeunterricht thematisiert werden müssten.

Auch die vierte Runde, in der er den typisch schwäbischen, sehr emotionslosen Tanzstil und den vermeintlichen fehlenden Hang des Schwaben zu Erotik und Romantik näher thematisierte, ging an Heyer. Seiner Meinung nach fällt die "Fischerin vom Bodensee" beim Schwaben schon unter romantische Musik, und ein "Klapps mit dem Vesperbrätle" erfülle alle erotischen Bedürfnisse. Simm zog mit seinem melancholischen "Ich gehe auf die 100 zu" den Kürzeren.

In der fünften Runde, in der es nun fünf Punkte zu geweinnen gab, schlug er aber zurück. Seine poetischen Ergüsse über das "Tokio Hotel hörende Emo-Einhorn Erna, das wie alle sein wollte und bei seiner Reise durch den Wald auf ein Rudel Nashörner aus Wien traf" kam hervorragend an und behielt gegen Heyers "Schwäbische ist eine Weltsprache Teil 1", der dabei die Ähnlichkeiten des Schwäbischen zum Österreichischen, Chinesischen – "I muss jedzd gau gau" – und Russischen beleuchtete, die Oberhand.

Den Sieg des Hochdeutschen über das Schwäbische machte Simm mit "Klassenkampf" perfekt. Er gab dabei einen Einblick in das "Dieter-Bohlen-Gymnasium in Rotzenwalde", in der die Eltern zu blöd seien, ihre Tochter ­Analena mit zwei "Ns" zu schreiben, so dass er beim ersten Erwähnen des Namens diesen prompt falsch betonte. Heyer slammte in "breideschdem Schwäbisch" zu "Radio-Zapping", in dem es um "160 Häftlinge warten auf den Tag der offenen Tür" und "1000 Sudokus gestohlen – die Polizei steht vor einem Rätsel" ging.

Als Preis erhielt Alex Simm von seinem Widersacher eine leere Wasserflasche. Der große Sieger waren aber die Besucher, die einen kurzweiligen, amüsanten und unterhaltsamen Abend erlebten.

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