Das Hechinger Landgericht hat gestern die Berufung eines wegen versuchten Betrugs angeklagten Balingers auf dessen Kosten verworfen. Foto: Archiv

Berufungsprozess: Hechinger Landgericht bestätigt Urteil des Amtsgerichts. Langes Vorstrafenregister fällt schwer ins Gewicht.

Hechingen/Balingen - Auch die nächsthöhere Instanz – das Hechinger Landgericht – hat gegen den Angeklagten entschieden: Ein mehrfach vorbestrafter Balinger muss wegen versuchten Betrugs für sechs Monate in den Knast.

Bei dem 64-jährigen Ex-Mechaniker, Ex-Polizeiobermeister, Ex-Lehrer und Ex-Versicherungsmakler, der sich zuletzt mit Hausmeisterdiensleistungen über Wasser gehalten hatte, konnte weder die Staatsanwältin noch die Vorsitzende Richterin eine positive Prognose erkennen.

In der Tat liest sich der "Werdegang" des Angeklagten wie das Drehbuch zu einem schlechten Film: ein verkorkstes Leben, eine Frau, die mit einem anderen Mann nach Spanien abhaut, ein erwachsenes Kind aus einer anderen Beziehung, eine halbe Million Mark Schulden. Die hielten den Balinger nicht davon ab, immer wieder teure Autos zu kaufen, die er niemals bezahlen konnte, Reparaturen in Auftrag zu geben, für die kein Geld da war, Fax und Kopierer für seinen Hausmeister-Service zu bestellen, als ihm bereits Pfändungsbescheide ins Haus flatterten, und nicht zuletzt, sich als potenziellen Käufer für zwei teure Immobilien auszugeben, ohne einen Cent auf dem Konto zu haben.

Großes Vorstrafenregister

Die Bilanz: Neun Verurteilungen wegen Betrugs, einmal in drei, einmal sogar in sechs Fällen, zwei Haftstrafen, die teilweise verbüßt worden sind. Acht eidesstattliche Versicherungen im Rahmen von Zwangsvollstreckungen hat der notorisch zahlungsunfähige Mann bereits beim Amtsgericht geleistet, und das Balinger Finanzamt, bei dem er mit 22.000 Euro in der Kreide steht, hat ihm seinen Geländewagen weggenommen.

Er, der genau wie bei der ersten Verhandlung vor dem Balinger Amtsgericht keine Angaben machen wollte, hat sich zuletzt bei der Immobilienabteilung der Sparkasse als zahlungskräftiger Kaufinteressent für ein Wohn- und Geschäftshaus in der Grünewaldstraße ausgegeben – und hat den Verkäufer fast dazu gebracht, ihm bis zur Bezahlung des Kaufpreises die Einliegerwohnung mietfrei zu überlassen. Fast, denn der Verkäufer hatte im letzten Moment in den Vorvertrag eine Klausel einbauen lassen: Erst nach einer Anzahlung von 100.000 Euro dürfe der Käufer einziehen.

Bank und Verkäufer vertrauten dem Mann – wie viele andere davor. Es klang zunächst auch nicht verdächtig, als der Käufer behauptete, er habe kein Konto bei der Bank, er wolle den Betrag bar bezahlen. Das Geld sei in der Schweiz und in Liechtenstein angelegt. Der Notartermin stand fest und platzte erst am Abend davor, als sich der Makler beim Verkäufer meldete und ihm mitteilte, dass der Käufer keine Sicherheiten vorweisen könne. Der wiederum meldete sich und gab vor, einem Anlagebetrüger aufgesessen zu sein.

"Ich könnte dem Mann jeden Tag den Hals umdrehen"

Der Verteidiger des 64-Jährigen stellte die Angelegenheit aus einer ganz anderen Perspektive dar: Es gelte hier, zwischen der "straflosen Vorbereitung eines Betrugs" und dem "voll­endeten Betrugsversuch" zu unterscheiden. Seiner Ansicht nach sei es zu Letzterem gar nicht gekommen.

Die Staatsanwältin sah es nicht so: Der Angeklagte habe mietfrei in den Genuss der Einliegerwohnung kommen wollen, sagte sie. Von der Anzahlung sei ja erst später die Rede gewesen.

Die Richterin sagte in der Urteilsbegründung, sie erkenne einen "voll­endeten Betrugsversuch". Es gebe selten Fälle mit so umfangreichen Vorverurteilungen wegen Betrugs: "Sie alle aufzulisten hätte unseren Rahmen hier gesprengt."

Eine frühere Geschädigte, die in den Zuhörerreihen saß, kommentierte: "Ich könnte dem Mann jeden Tag den Hals umdrehen. Und dabei sieht er so harmlos aus!"