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Balingen Uria-Hof: Streit um mobile Schlachtbox

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Auf großes Interesse stößt die Schlachtbox bei Hofführungen in Ostdorf. Jetzt ist sie angeblich nicht EU-konform. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

Balingen-Ostdorf - Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten, und er eckt an. Auch beim Land und beim Bund. Derzeit hat der Ostdorfer "Rinderflüsterer" Ernst Hermann Maier neuen Ärger am Hals: Die mobile Schlachtbox, für die er nach langen Kämpfen und Querelen eine EU-Zulassung bekommen hat, ist jetzt angeblich doch nicht zulassungsfähig.

Bei ihm steht das Tierwohl im Vordergrund. Auch ein Tier habe das Recht, in Würde zu leben und zu sterben, sagt Maier. Es ist der Leitsatz des Vereins Uria. Der Name ist abgeleitet vom Ur, dem Vorfahren der heutigen Rinder. Und die Herde von Ernst Hermann Maier lebt genau wie der Ur im freien Familienverbund auf den Weiden am Fuß der Schwäbischen Alb - ohne eingestanzte Ohrmarken, ohne engen Stall, ohne Massentiertransporte über weite Strecken. Ohne Angst, denn seine Tiere betäubt Maier mit Gewehr samt Schalldämpfer auf der Weide, in ihrer vertrauten Umgebung. Und er lässt sie in der eigens entwickelten "Mobilen Schlachtbox" ausbluten.

Der Schwarzwälder Bote hat im Herbst 2019 den Uria-Hof besucht:

Vorgehen des Ministeriums ist geschäftsschädigend für Betrieb

Ursprünglich habe der Koalitionsvertrag vorgesehen, mobile Schlachtungen voranzubringen, sagt Maier. Der zuständige Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium habe versucht, die EU-Zulassung der Ostdorfer Schlachtbox zu verhindern, sei damit aber gescheitert. 2010 habe der damalige Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle (CDU) die Box zugelassen. Jetzt versuche der gleiche Referatsleiter von damals, die Zulassung rückgängig zu machen, empört sich Maier. Vielleicht sei er noch verärgert, dass es ihm seinerzeit nicht gelungen war, die Zulassung zu verhindern. Oder er sei ein Lobbyist der Fleischindustrie. Beweisen könne man beides leider nicht. Und die Behauptung, die Zulassung der Schlachtbox sei "rechtskräftig, aber nicht rechtskonform", konnt nicht rechtskräftig dargelegt werden.

Was er beweisen kann ist, dass das Vorgehen des Landwirtschaftsministeriums für seinen Betrieb geschäftsschädigend ist. In einem Schreiben, das der Referatsleiter unterzeichnet hat und das dem Schwarzwälder Boten vorliegt, heißt es, die EU-Kommission habe bisher die von verschiedenen Mitgliedsstaaten vorgestellten einfachen Modelle teilmobiler Schlachteinheiten als "nicht EU-konform" bewertet. Denn, so wird argumentiert, eine "mobile Einheit" als "Betriebsraum eines zugelassenen Schlachthofs" müsse über "Wände, Decken und Boden verfügen, der zum Zeitpunkt der Schlachtung geschlossen ist". Und: Sowohl das Schlachttier als auch der Schlachter müssen sich "im Betriebsraum" befinden (können).

Unrichtig seien diese Behauptungen, kontert Maier. Denn erstens würden sie geltendem Recht widersprechen, und zweitens werde der Wortlaut der Verordnung unrichtig wiedergegeben und der Wortlaut des Umlaufbeschlusses falsch zitiert. Auf seine dringende Aufforderung ans Ministerium, Nachweise oder die Rechtsgrundlage für die angebliche Nichtkonformität mobiler Schlachteinheiten mit EU-Vorgaben vorzulegen, wartet Maier heute noch.

"Es ist eine Borniertheit und Arroganz ohnegleichen, die eigene Unfähigkeit der EU in die Schuhe zu schieben", sagt er. Vor allem aber ärgert Maier, dass viele Betriebe ihre Tiere nicht angst- und stressfrei schlachten können – obwohl viele das wollen. Seine Schlachtbox habe sich vielfach bewährt.

"Rinderflüsterer" hofft auf Unterstützung durch hiesige Politiker

Maier will noch warten. Auch auf eine Antwort von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), der ihm am 13. Juli 2017 in Bad Boll ein Treffen und einen Austausch zum Thema mobile Schlachtung versprochen hatte. Beides habe nie statgefunden, so Maier. Auf sein neuerliches Schreiben an den Minister vom 2. Dezember 2019 habe er noch keine Antwort erhalten. Sollte ein Treffen zustandekommen, hofft er auf Unterstützung durch Landrat Günther-Martin Pauli sowie die hiesige CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Hoffmeister-Kraut.

Nebenbei, bemerkt der "Rinderflüsterer", sei die Chipkennzeichnung von Rindern ab 2021 europaweit zulässig. Weil er seine Tiere seit Jahren nicht mit den eingestanzten Ohrmarken versieht, sondern elektronische Transponder-Chips verwendet, wird er seit 2013 mit Sanktionen belegt. Rund 40.000 Euro verliert er dadurch im Jahr, zusammengerechnet gut 300.000 Euro. "Das Ziel ist klar: Die wollen uns weghaben, die haben gehofft, wir gehen pleite. Die haben wohl geglaubt: ›Dem Maier drehen wir den Geldhahn zu, dann verreckt er.‹ Aber das ist nicht passiert und wird auch nicht passieren." "Alle reden vom Viehwohl", echauffiert sich der kämpferische Landwirt, "aber wehe, du machst es."

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