Soviel zum Thema Steuergeheimnis: Ute Muschkowitz ist fassungslos, ihr Steuerbescheid mit ihren privaten Daten wurde vom Finanzamt einem wildfdremden Mann zugeschickt. Foto: Ungureanu

Finanzamt verschickt persönliche Daten einer Rosenfelder Bademeisterin an wildfremden Mann.

Balingen - Zuerst hielt es Ute Muschkowitz für einen Scherz: Am Telefon war ein wildfremder Mann, der behauptete, ihren Steuerbescheid in den Händen zu halten. Als er jedoch Details vorlas, wusste sie, dass es kein Scherz war: Ihr Steuerbescheid war einem Fremden zugestellt worden.

Um den Betrag von soundsoviel Euro erstattet zu bekommen, müsse ich das und das nachreichen", habe der Burladinger aus dem Schreiben des Finanzamts zitiert. Er sei aus allen Wolken gefallen, erklärte der Fremde, der nebenbei bei der Bereitschaftspolizei tätig ist. Er habe bemerkt, dass an seinen eigenen Steuerbescheid noch ein weiterer angetackert gewesen sei. Da habe er gleich angerufen.

Die Haigerlocherin Ute Muschkowitz, die als Bademeisterin im Rosenfelder Sofienbad arbeitet, wunderte sich zunächst. Aber je länger sie zuhörte, um so mehr machte sich Empörung breit: Sie hätte es vermutlich nie erfahren, dass ihr Steuerbescheid in fremde Hände gefallen sei, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn auch sie selbst habe etwa um die gleiche Zeit einen Brief vom Finanzamt bekommen. "Wahrscheinlich hat die Sachbearbeiterin gemerkt, dass mein Steuerbescheid verschwunden war und hat ihn noch einmal ausgedruckt", vermutet die Frau.

"Es ist halt so"

Kurz und gut, sie tauschte die Telefonnummern mit dem ehrlichen Finder aus – für den Fall, dass es noch Klärungsbedarf geben werde – und begab sich mit den nachgeforderten Unterlagen zum Finanzamt. Dort sprach sie mit der Sachbearbeiterin und deren Vorgesetztem. Mit der Antwort, die sie bekam, gibt sich Ute Muschkowitz nicht zufrieden. Man habe ihr gesagt, "es ist halt so".

Sie habe vorsichtshalber schon alle nachgeforderten Unterlagen mitgebracht, "dass das auch bald erledigt wird", sagt Ute Muschkowitz. Die Erklärung, dass es in der Poststelle zur Verwechslung gekommen sein müsse, will sie nicht so stehen lassen: "Meine Steuererstattung geht keinen was an", sagt sie. Sie habe ihre eigene Schwimmschule. "Wenn ich die Daten und Adressen der Kinder weitergebe, werde ich auch zur Rechenschaft gezogen. Da komme ich unter Umständen vor den Kadi, und hier heißt es nur, das ist halt so."

Keine Frage, die Frau habe Recht, räumt Jürgen Hänle, Bürgerreferent des Finanzamts, ein. Mehr noch als bei anderen Behörden werde der Datenschutz beim Finanzamt groß geschrieben. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach sei der Bescheid direkt vom Rechenzentrum Karlsruhe gekommen. "80 bis 85 Prozent der Bescheide werden dort maschinell erstellt und verschickt", erklärte Hänle im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Fehler könne passieren, "das ist menschlich, vor allem jetzt, in der Urlaubszeit". In so einem Fall hätte man sich allerdings entschuldigen müssen: "Da muss man feinfühlig sein."

Für Ute Muschkowitz ist das ein geringer Trost. Sie habe schon überlegt, ihren Rechtsanwalt einzuschalten, erklärte sie gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.