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Balingen Stelen erinnern an aberwitzigen Nazi-Plan

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Im Vordergrund die Beton-Stelen, dahinter der Arbeitskreis mit (von links) Hans Kratt, Immo Opfermann, Helmut Stotz, Hans Schimpf-Reinhardt, Brigitte von Kellenbach, Michael Walter und Günter Ernst. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder-Bote

Balingen - Noch liegen die sechs Beton-Stelen auf Europaletten im städtischen Lagerraum an der Boschstraße, wo Stadtarchivar Hans Schimpf-Reinhardt Relikte hortet. Am 3. und 5. Mai werden die Beton-Teile in Erzingen und Engstlatt aufgestellt – dort, wo sich vor 70 Jahren die Lager des Unternehmens "Wüste" befanden.

Jeweils in Zweier-Gruppen sollen die Beton-Stelen an ein finsteres Kapitel deutscher Geschichte erinnern: Krieg, Zwangsarbeit und ein aberwitziges Unterfangen der Nazis mit dem Ziel, aus Ölschiefer Treibstoff zu gewinnen. Jeweils eine Zweier-Gruppe aus Häftlings- und Grafik-Stele werde beim Bahnhof in Erzingen aufgestellt, die zweite auf dem Geischberg beim ehemaligen Meiler des "Wüste"-Lagers 4 und die dritte in Engstlatt, im Gewann "Im Ried", sagt Schimpf-Reinhardt.

Die Häftlings-Stele stellt in stark vereinfachter Form auf der Vorder- und Rückseite einen Mann in gestreifter Sträflingskleidung dar, mit rotem Dreieck, das ihn als politischen Häftling ausweist, und mit der Nummer 4434 – der Sträflings-Nummer eines ehemaligen politischen Häftlings aus Holland, der noch lebt. "Skippi" sei er gerufen worden, mit richtigem Namen heiße er Johannes de Vaal, sagt Immo Opfermann, der den Holländer persönlich kennt.

Die zweite Stele informiert auf der Vorderseite über den jeweiligen Standort der Arbeitslager und auf der Rückseite über das Unternehmen "Wüste". Lange habe man diskutiert, bis man sich auf die Form der Sträflings-Stele geeinigt habe, sagt Schimpf-Reinhardt. Und lange habe man suchen müssen, bis man eine Baufirma gefunden habe, die bereit war, die Figuren in dieser Form aus Beton zu gießen. Kein einfaches Unterfangen auch, die Streifen der Sträflingskleidung mittels Holzleisten im Beton auszusparen. "Die Holzleisten müssen trapezförmig geschnitten sein, sonst bekommt man sie nicht mehr heraus", sagt Schimpf-Reinhardt.

Der Bauhof habe die Fundamente schon vorbereitet; die rund 800 Kilo schweren Betonteile werden mit einem Radlader abgeholt, mit einem Kran aufs Fundament gesetzt und dort einbetoniert. "70 Jahre nach Ende des Kriegs haben wir es endlich geschafft", meint Brigitte von Kellenbach.

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