In der Kleinen Hörnlestraße in Engstlatt ist noch ein Grundstück für ein Mehrfamilienhaus frei. Bei der Vergabe sollen soziale Komponenten berücksichtigt werden. Das Interesse von Bauwilligen hält sich in Grenzen. Foto: Hauser

In Balingen werden die Kriterien für einen sozialen Wohnungsbau zurückgeschraubt. Klausel weckt Interesse.

Balingen - Das Interesse an Grundstücken für Mehrfamilienhäusern ist unvermindert hoch. Ist der Verkauf aber an soziale Vorgaben geknüpft, lässt es merklich nach. Das haben Verwaltung und Gemeinderat erfahren müssen.

Eine ausgewogene soziale Durchmischung – das wollte der Verwaltungsausschuss Anfang des Jahres mit dem Beschluss erreichen, zwei Bauplätze für Mehrfamilienhäuser im Dürrwanger Baugebiet "Untere Breite" und einen Mehrfamilienhaus-Bauplatz in der Kleinen Hörnlestraße in Engstlatt nur unter bestimmten Bedingungen zu verkaufen.

Klausel weckt das Interesse

So sollte nach der Fertigstellung ein Drittel der Wohnungen mit einer Mietpreisbindung angeboten werden, und zwar für fünf Jahre zehn Prozent unter den ortsüblichen Mieten. Für ein weiteres Drittel wollte die Stadt für einen befristeten Zeitraum von fünf Jahren ein Belegungsrecht als Mieter eingeräumt haben. Und schließlich sollte ein Drittel der Wohnungen nur dann als Eigentumswohnungen vertrieben werden, wenn der Kaufpreis 2400 bis 2700 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigt.

Das war gut gemeint, aber nicht durchsetzbar. Laut Stadtverwaltung seien zwar rund 25 Bauträger und Investoren angeschrieben worden. Diese hätten auch ihr Interesse an Bauplätzen für Mehrfamilienhäuser bekundet. Keiner sei aber bereit gewesen, die sozialen Vorgaben umzusetzen. Die Bauträger wollten Wohnungen eher komplett verkaufen oder die Objekte vollständig vermieten.

Dennoch wurde Bauwilligen ein Hintertürchen offengehalten in Form einer Klausel. Sie hatten die Möglichkeit, "grundsätzliches Interesse" für den Fall bekundet, "dass von den Vorgaben teilweise auch abgewichen werden kann".

Das hat gezogen. Wie Oberbürgermeister Helmut Reitemann in der vergangenen Sitzung des Verwaltungsausschusses mitteilte, sei in Dürrwangen ein Bauplatz für ein Mehrfamilienhaus reserviert, in dessen Wohnungen Familien, die sich schwer tun, geeigneten Wohnraum zu finden, einziehen sollen. Im Falle des zweiten Dürrwanger Bauplatzes für ein Mehrfamilienhaus soll beim Verkauf der Wohnungen eine Obergrenze von 2700 Euro pro Quadratmeter eingehalten werden.

Zudem gebe es auch für den Engstlatter Bauplatz einen Interessenten, der beim Verkauf von drei Wohnungen ebenfalls die Obergrenze von 2700 Euro pro Quadratmeter einhalten und die anderen drei Wohnungen vermieten will, wobei der Preis mindestens zehn Prozent unter den ortsüblichen Mieten liegt.

Nun sind die Investoren an der Reihe. Sie sollen der Verwaltung ihre Konzepte vorlegen, bevor diese über einen Bauplatzverkauf endgültig entscheidet.

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