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Zollernalbkreis Sorge um Zukunft der Leitstelle Zollernalb

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Disponent Werner Nix hat die Monitore in der Integrierten Leitstelle Zollernalb in Balingen fest im Blick. Hier nehmen er und seine Kollegen 112-Anrufe entgegen – und leiten Rettungseinsätze ein. Foto: DRK

Zollernalbkreis - Wer im Zollernalbkreis die Notrufnummer 112 wählt, der landet in der Integrierten Leitstelle in Balingen – noch. In Zukunft vielleicht in Tübingen, Villingen-Schwenningen oder Tuttlingen? Landesweit werden derzeit die Leitstellen auf den Prüfstand gestellt. Der DRK-Kreisverband und die Landkreisverwaltung sehen die mögliche Entwicklung mit Sorge.

Mit dem Projekt der Evaluierung der Leitstellen im Land befasst sich seit wenigen Wochen eine Lenkungsgruppe im Auftrag von Innenminister Thomas Strobl (CDU). Immer mal wieder hatte es in den vergangenen Jahren Stimmen gegeben, die eine Zentralisierung der Leitstellen und damit die Schließung von Standorten forderten. Das Thema findet sich auch im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung – damit könnte es nun richtig ernst werden, fürchten DRK-Kreisvorsitzender Heiko Lebherz, Kreisbrandmeister Stefan Hermann und Rebeka Helmke, Leiterin des Kreisbauamts und als solche auch für den Brand- und Katastrophenschutz zuständig. Ernst auch für den Zollernalbkreis und die Integrierte Leitstelle in Balingen. Die hiesige "Kommandozentrale" für Rettungseinsätze könnte verloren gehen.

Noch bevor die Lenkungsgruppe die Arbeit Ende 2016 aufgenommen hatte, meldeten sich der Landesverband des DRK sowie die Ärztekammer Baden-Württemberg zu Wort: Nach deren Meinung gibt es zu viele Leitstellen im Land. Deren Zahl solle von derzeit 34 auf acht bis zehn reduziert werden. Die Folge wäre – analog zur Polizeireform –, dass die verbleibenden Leitstellen künftig für deutlich größere Gebiete zuständig wären. "Wenn das so kommt, wäre das fatal", sagt DRK-Kreischef Lebherz im Gespräch.

Rund 159.900 Anrufe sind im vergangenen Jahr in der Leitstelle Zollernalb bearbeitet worden. Die Leitstelle, die gemeinsam vom DRK-Kreisverband und dem Landkreis betrieben wird, ist rund um die Uhr mit zwei Disponenten besetzt; an Wochenenden und Feiertagen sogar mit drei – dann werden beispielsweise auch der kassenärztliche Bereitschaftsdienst und dessen Fahrservice vermittelt. Der Rettungsdienst wurde im vergangenen Jahr in 42.150, die Feuerwehr in 1250 Fällen alarmiert. Bei diesen Einsätzen komme es, sagen Lebherz, Hermann und Helmke, auf jede Minute, oft auf Sekunden an – schließlich gehe es um die Rettung von Menschenleben. Dabei müssten alle denkbaren Fehlerquellen ausgeschlossen werden.

Insbesondere komme es auf die Kompetenz vor Ort an: Diejenigen, welche die Einsätze steuern, müssten räumlich nahe am Einsatzort sein, um beispielsweise Ortsverwechslungen auszuschließen. Lebherz, Helmke und Hermann sehen die mögliche Gefahr, dass das in größeren Einheiten nicht mehr gewährleistet sein könnte: Je größer das Einsatzgebiet, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Hilfe nicht so schnell ankommt, wie sie sollte. Anders als der DRK-Landesverband sieht der hiesige DRK-Chef Lebherz eine mögliche Neustrukturierung sehr kritisch: "Ich befürchte eine deutliche Qualitätsminderung in Notfällen."

Für eine Neustrukturierung gebe es im Zollernalbkreis schlicht keinen Bedarf, meinen Lebherz, Hermann und Helmke. Die Integrierte Leitstelle Zollernalb, die zu den technisch modernsten im Land gehöre, sei ein Erfolgsmodell. Im Zollernalbkreis wie auch in anderen ländlichen Regionen müsse die derzeitige dezentrale Struktur der Rettungsleitstellen erhalten bleiben. Politische Unterstützung gibt es dabei von Seiten der CDU: Nicole Hoffmeister-Kraut, Kreisvorsitzende, Landtagsabgeordnete und Ministerin in Stuttgart, hat deswegen bereits mit ihrem Partei- und Ministerfreund Strobl gesprochen.

Erfahrungen mit der Zusammenlegung von Leitstellen gibt es in der unmittelbaren Nachbarschaft, und es sind nicht unbedingt die besten: Die Leitstelle Oberschwaben, die Ende 2011 den Betrieb aufgenommen hat, ist für die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen zuständig. Immer wieder gab und gibt es Kritik wegen der angeblich fehlenden Ortskenntnis der Disponenten, was mitunter zu Verzögerungen bei Rettungseinsätzen führe. Und anders als angenommen habe die Zusammenlegung dort nicht zu Kosteneinsparungen geführt, heißt es.

Eng eingebunden in das Projekt der Leitstellen-Evaluierung ist Kreisbrandmeister Hermann: Er ist Mitglied des Arbeitskreises, der für die Lenkungsgruppe die Aufgaben der Leitstellen zusammentragen und darstellen sollte. Er meint, dass eine Zentralisierung aufgrund der Systematik der Leitstellen nur schwer vorstellbar sei. Wenn es darum gehe, die Vernetzung der Leitstellen zu verbessern, dann könne das durchaus sinnvoll sein. Vor allem aber, das macht Hermann klar, müsse auch künftig die Sicherheit der Bevölkerung und damit die Gewährleistung von schnellen Einsätzen Vorrang haben vor Wirtschaftlichkeitsgedanken.

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