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Balingen Schnelltests sollen Corona-Risko minimieren

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Die Evangelische Heimstiftung betreibt 86 Pflegeheime, darunter auch das Haus am Stettberg in Balingen. In 21 Einrichtungen ist Covid-19 bereits nachgewiesen worden. Foto: Engelhardt

Zollernalbkreis - Die Situation in Pflege- und Seniorenheimen spitzt sich zusehends zu. Nach Corona-Fällen in Einrichtungen in Burladingen und Onstmettingen sind nun auch im Haus am Stettberg in Balingen und im Gerhard-Rehm-Haus in Engstlatt Fälle von Covid-19 aufgetreten. Die Forderungen nach weitergehenden Schutzmaßnahmen werden lauter.

Nach Ansicht der Evangelischen Heimstiftung (EHS) seien die Ausgangsbeschränkungen des Landes zwei Wochen zu spät gekommen, teilt Sprecherin Alexandra Heizereder in einer Stellungnahme mit. Als größtes Pflegeunternehmen in Baden-Württemberg und Träger von 145 Einrichtungen, davon 86 Pflegeheimen und 30 Pflegediensten, habe sich die EHS aber "sehr früh und sehr konsequent" auf das Coronavirus eingestellt.

Zu den von der EHS betriebenen Senioren- und Pflegeheimen gehören im Zollernalbkreis das Pflegewohnhaus Rosenfeld, die Seniorenresidenz an der Eyach und das Haus am Stettberg. Letztgenannte Einrichtung muss derzeit auf ihren Hausdirektor verzichten. Arthur Edinger befindet sich weiterhin in häuslicher Isolierung, nachdem er am Wochenende Symptome einer Covid-19-Erkrankung entwickelt hatte. Das Testergebnis stehe noch aus, bestätigt Clemens Miola von der Regionaldirektion Tübingen. Er ist zuständig für zehn Einrichtungen, unter anderem für das Haus am Stettberg. Er koordiniert vor Ort die weitergehenden Maßnahmen. "Die Tests der Mitarbeiter laufen seit Montagabend. Ergebnisse sind noch keine da. Verdachtsfälle und Infizierte werden mit den notwendigen Hygienevorgaben wie infizierte Bewohner versorgt", erklärt Miola.

21 von 86 Häusern bei EHS bereits betroffen

"Bei uns leben alte, kranke, multimorbide, pflegebedürftige Menschen: die vulnerabelste Risikogruppe in unserer Gesellschaft", sagt EHS-Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider, der jetzt proaktive Maßnahmen fordert, "mit denen wir nicht nur auf die Entwicklungen von gestern reagieren." Auch in den Einrichtungen der EHS gebe es steigende Corona-Zahlen. "Von den 86 Pflegeheimen sind aktuell 21 betroffen, 122 der insgesamt 6300 Bewohner und 66 der rund 9200 Mitarbeiter der EHS sind positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden", erklärt die Pressesprecherin am Dienstag. Dass das aber nur eine Momentaufnahme sei, sei allen klar.

"Die Bereitschaft zu testen, war aber von Landkreis zu Landkreis sehr unterschiedlich. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass zum Beispiel im Landkreis Esslingen nur wenige Heime positiv getestete Bewohner haben, während nach großen Testaktionen in Tübingen oder Heidenheim die Zahlen rapide ansteigen", erklärt Schneider. Einige Landkreise hätten in der Zwischenzeit reagiert und flächendeckende Tests für Bewohner und Mitarbeiter in Pflegeheimen angekündigt. "Das muss noch schneller passieren", fordert Schneider, "damit wir in allen Pflegeheimen die tatsächliche Lage kennen und schneller und gezielter reagieren können".

Auch der evangelische Dekan Beatus Widmann und Thomas Pietsch, Geschäftsführer der Balinger Sozialstation, setzen sich öffentlich für schnelle Tests von Mitarbeitern in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Arztpraxen ein. "Wir müssen alles Menschenmögliche tun, um unsere Klienten, die der Hochrisikogruppe angehören, zu schützen", betont Pietsch. Denn alles andere sei fahrlässig.

Massentestung kein Thema im Kreis

Im Zollernalbkreis gibt es derzeit 28 stationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 1700 Plätzen sowie 37 ambulante Pflegedienste. Das zuständige Gesundheitsamt steht mit den Pflegeeinrichtungen in ständigem Kontakt. Die Testung aller Bewohner und Mitarbeiter wie in Tübingen ist derzeit im Zollernalbkreis kein Thema. "Eine solche ›präventive‹ Massentestung ist nicht angezeigt, da der Erkenntnisgewinn gering ist sowie Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis steht", heißt es aus dem Landratsamt.

Im Zollernalbkreis habe es eine solche Testung bisher ein Mal gegeben, allerdings "ohne wesentlichen Erkenntnisgewinn": "Wer heute negativ getestet ist, kann kurze Zeit später schon positiv sein – oder war vielleicht vor einigen Tagen positiv", geben die Verantwortlichen des Gesundheitsamts zu bedenken. Denn der Test stelle nur eine Momentaufnahme dar. "Nur wenn sich eine ausreichende Virusmenge im Rachenraum angereichert hat, ist er aussagekräftig positiv", so das Gesundheitsamt. Dies sei am Beginn der Erkrankung, also sobald Symptome auftreten, der Fall. Bei Menschen, bei denen keine Symptome feststellbar seien, wären nicht ausreichend Viren vorhanden, folglich falle der Test im Regelfall negativ aus. Dies könne sich jedoch bereits am nächsten Tag ändern, falls sich die betreffende Person noch in der Inkubationszeit befand.

Bisher noch keine verlässlichen Schnelltests

"Außerdem wird der Test auch immer negativ ausfallen, wenn jemand die Erkrankung bereits überstanden und das Immunsystem die Viren abgetötet hat. Trotzdem kann eine solche Person bereits an den Vortagen andere angesteckt haben." Alle Mitarbeiter und Bewohner einer Einrichtung "präventiv" zu prüfen, bringe daher nichts. "Der einzig zuverlässige Test auf SARS-CoV-2 dauert vom Abstrich bis das Ergebnis vorliegt mehrere Tage", erklärt das Gesundheitsamt. Verlässliche Schnelltests gebe es dagegen nicht.

Ein Problem, mit dem Daniel Urban als ärztlicher Leiter der Corona-Schwerpunktambulanz in der SparkassenArena und sein Team auch täglich zu kämpfen haben. "Von den aktuell verfügbaren Schnelltests, die etwa im Internet bestellt werden können, rate ich ab", sagt der Balinger Internist. Diese seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend überprüft und würden das Risiko falscher Testergebnisse in sich tragen. Wie viele seiner Kollegen hofft er, dass es auch bei den Schnelltests zeitnah Verbesserungen geben wird.

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