Rolf Brack wird Nationaltrainer in der Schweiz. Foto: Eibner

Sportwissenschaftler unterschreibt Zwei-Jahres-Vertrag als Schweizer Handball-Nationaltrainer.

Jetzt ist es amtlich. Rolf Brack wird den Handball-Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten am Ende der Saison verlassen. Der 59-Jährige hat beim Schweizerischen Handball-Verband (SHV) einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Gestern wurde Brack in Regensdorf im Kanton Zürich als neuer Nationaltrainer der Eidgenossen vorgestellt. Damit endet beim HBW Balingen-Weilstetten im kommenden Sommer eine Ära. Brack hatte das Team vor knapp zehn Jahren als Zweitligist übernommen, 2006 in die höchste deutsche Spielklasse geführt und seither mit ihm stets erfolgreich um den Klassenerhalt gekämpft.

Offiziell wird Brack den Job als Schweizer Nationaltrainer im Juli 2014 antreten, doch bereits ab Dezember wird der HBW den Sportwissenschaftler für Nationalmannschafts-Termine der Schweizer freistellen. Bis dahin ist das Kompentenz-Team mit Adrian Brüngger (Trainer von Pfadi Winterthur), Petr Hrachovec (Assistent/Management bei Pfadi Winterthur), Martin Rubin (Trainer Wacker Thun) und Michael Suter (Nationaltrainer der Schweizer U21 und U18), das Brack künftig zur Seite stehen wird, für die Nati verantwortlich. Bracks Vertrag läuft bis zum Juni 2016.

Die Krönung einer Trainer-Karriere

»Nach 30 Jahren in der Bundesliga, dabei in Städten und Regionen etwas zu bewegen«, so Brack, »ist das Amt als Nationaltrainer die Krönung einer Karriere«. Was ihn in der Entscheidung bestärkte, den Vertrag beim HBW nicht zu verlängern und auch keine Verpflichtung bei einem anderen Erstligisten einzugehen, seien die vergangenen Wochen der Vorbereitung mit den zahlreichen Verletzten gewesen. »Das war die stressigste Zeit meiner Trainerlaufbahn und hat auch die Problematik zum Ausdruck gebracht, dass die Ziele beim HBW höher denn je gesteckt sind und trotz der widrigen Umstände nicht korrigiert wurden«, so Brack. Nun liegt seine Zukunft in der Schweiz. »Die Voraussetzungen, dort etwas nach vorne zu bringen, sind vorhanden«, sagt Brack.

»Dass er unser Nationaltrainer wird, sehe ich sehr positiv. Wir haben viele junge Spieler, die noch weiter ausgebildet werden müssen. Ich glaube, dass wir mit Rolf Brack einen Schritt nach vorne kommen«, sagt Manuel Liniger, Schweizer National-Linksaußen in Reihen des HBW. Der 32-Jährige will seine internationale Karriere fortsetzen und dabei helfen, den Neuaufbau zu gestalten. »Ich bin der Einzige, der ihn auch als Vereinstrainer kennt und kann den Jungen vielleicht auch dabei helfen seine Vorstellungen zu verstehen. Bis das bei mir in Balingen so weit war, hat es schließlich auch eine Weile gedauert«, so Liniger weiter.

HBW-Präsident Arne Stumpp, den Brack ebenso wie Geschäftsführer Bernd Karrer früh über die Gespräche mit den Eidgenossen informiert hatte, bedauert, dass Brack ein neues Angebot seines Noch-Arbeitgebers ablehnte. »Die zehn Jahre waren eine tolle Zeit. Wir sind Rolf sehr dankbar für das geleistete. Er hat einen großen Anteil daran, dass der HBW seit acht Jahren in der Bundesliga spielt«, ließ Stumpp per Pressemitteilung wissen. Und für Karrer ist klar: »Ich freue mich auf die restliche Spielzeit mit ihm und bin fest davon überzeugt, dass er bis zuletzt alles für den HBW geben wird., weil der Verein ein zentraler Bestandteil seiner Trainerkarriere und seines Lebens war und aktuell noch immer ist.« Bracks Entscheidung, das Angebot des SHV anzunehmen, erachtet der HBW-Geschäftsführer als absolut »logisch und nachvollziehbar.«

Doch wer leitet ab der kommenden Saison die Geschicke beim HBW? Präsident Stumpp ist sich sicher, »dass der HBW aufgrund seines Gesamtkonzepts in seiner bisherigen positiven Entwicklung einen passenden Nachfolger für Rolf Brack als Cheftrainer finden wird. Wahrscheinlich werden wir schon in den nächsten Tagen eine Entscheidung bekannt geben können.«

Nachfolger soll bald vorgestellt werden

Potenzielle Kandidaten gibt es mehrere, Jan Gorr (HSC Coburg) und Markus Baur (Kadetten Schaffhausen) zählen offenbar nicht mehr dazu. Ob Markus Gaugisch bereit ist, den Zweitligisten TV Neuhausen/Erms zu verlassen, vielleicht sogar der ehemalige HBW-Spieler Jens Bürkle, der die DJK Rimpar aus der 3. in die 2. Liga führte, zurückkehrt, oder sich Eckard Nothdurft, Trainer des HBW-Drittliga-Teams bereit erklärt, noch einmal in die vorderste Front zu rücken?