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Balingen/Rockford US-Waffenwahn: eine Innenansicht

Von
Zielen, schießen: Der Waffengebrauch ist für viele Amerikaner Alltag. Fotos: Privat Foto: Pontow

Balingen/Rockford - Erneut erschüttern tödliche Schüsse die USA. Erst Anfang August hatten Amokschützen in El Paso und Dayton 31 Menschen umgebracht. Unser Mitarbeiter Benedikt Pontow (20) aus Balingen meint nach seinen Erfahrungen, die er während eines Schuljahrs in den USA gewann, dass diese Katastrophen wohl auch in Zukunft kein Ende finden werden.

Seine Erfahrungen schildert er im nachfolgenden Text.

Zumindest in einem waren sich die amerikanischen Spitzenpolitiker nach den tödlichen Schüssen von El Paso und Dayton Anfang August einig: "We pray for the victims" (Wir beten für die Opfer) war der meist getwitterte Satz sowohl der Demokraten als auch der Republikaner.

Jetzt aber auch endlich mal ein Umdenken in der Waffenpolitik? Fehlanzeige. Dabei liegt die Lösung aus europäischer Sicht doch auf der Hand: einfach dieses überkommene Recht auf Waffenbesitz abschaffen oder wenigstens automatische, eigentlich nur für den Krieg bestimmte Gewehre verbieten.

Amerikanische Denkweise hautnah erfahren

Umso erstaunlicher ist es, warum sich die meisten Amerikaner gegen derartige Regulierungen immer noch sträuben und ihr Recht auf Waffenbesitz nach wie vor so schätzen. Wer diese scheinbar nicht zu brechende Liebe unserer sonst so pragmatisch agierenden Freunde von der anderen Atlantikküste zu ihren Waffen nachvollziehen will, der muss ihre Denkweise, wenn nicht sogar ihre Lebenseinstellung verstehen.

Als ich vor drei Jahren, kurz vor der US-Wahl, ein Schuljahr in einem kleinen Dorf namens Rockford im mittleren Westen der USA verbrachte, habe ich eben diese Denkweise hautnah erfahren. Noch nie zuvor hatte ich so friedlich lebende und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Waffen waren dort jedoch allgegenwärtig und ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Je älter ich werde und je länger ich über diese Zeit nachdenke, desto wahnsinniger erscheint mir, was ich dort erlebte: Freunde, die sich nach der Schule zum gemeinsamen Jagen im Wald verabreden. Der Hausmeister der Schule, der mit einer im Supermarkt gekauften Pistole am Gürtel durch die Gänge marschiert. Gemeinsame Feste, bei denen alte Milchkanister im Garten für Schießübungen mit der ganzen Familie (inklusive Kleinkinder) platziert werden.

Waffenbesitz gibt esin Gefühl von Freiheit

Nichtsdestotrotz hatte ich nie das Gefühl, dass irgendjemand gegen diese Gewohnheiten etwas einzuwenden hatte, im Gegenteil. Vielmehr erschien es mir, als gebe der Besitz von Waffen den Menschen ein Gefühl von Stärke, ja sogar ein Gefühl von Freiheit. Freiheit vor dem Staat, der in dieser Gegend meilenweit entfernt ist und im Ernstfall nicht zur Hilfe eilen kann. Und auch Freiheit vor den Mitbürgern, bei denen man laut eines ehemaligen Mitschülers schließlich nicht immer wisse, was diese so im Schilde führen.

Als ich meiner Gastfamilie erzählte, dass Waffen in Deutschland grundsätzlich verboten seien, fragte mich mein Gastopa, wie wir uns denn vor gegebenenfalls drohenden Diktaturen verteidigen würden. Der Stolz, dass so etwas in den USA nie passieren könne, stand ihm dabei ins Gesicht geschrieben (da bin ich mir beim jetzigen US-Präsidenten nicht zu 100 Prozent sicher).

Und gerade dieser freiheitliche Stolz scheint es zu sein, der in der Kultur der Amerikaner so fest verankert ist, dass diese offensichtlich sogar bereit sind, die Gefahr wie die eines Amoklaufs geflissentlich hinzunehmen.

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