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Balingen "Reichtum in Gesellschaft gerecht verteilen"

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Auf Wahlkampftour: Claudio Wellington und seine Freundin Yeliz Karakaya. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder-Bote

Soziale Gerechtigkeit, Steuerentlastungen für breite Bevölkerungsschichten und Abzug der Bundeswehr aus allen Auslandseinsätzen: Mit diesen Themen will Kandidat Claudio Wellington bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen für die Linke punkten.

Zollernalbkreis. Dass der Wahlkampf für die Linken im Wahlkreis nicht einfach werde, gibt der 31-Jährige, der in Villingen-Schwenningen geboren wurde, zu. Man besitze im Zollernalbkreis nur geringe personelle und finanzielle Ressourcen und lediglich fünf oder sechs Aktivisten wie etwa den Kreisrat Andreas Hauser, die sich im Wahlkampf stark engagieren könnten. Im Kreis Sigmaringen sei der Kreisverband der Linken kaum existent.

Zudem komme, dass er als Kandidat in St. Gallen als Versicherungsmakler arbeite – "mithin also zwei Stunden entfernt vom Wahlkreis" wohne. So müsse er seine Wahlkampf­aktivitäten, er nennt Haustürbesuche in den größeren Städten im Wahlkreis, Infostände sowie den Besuch von Wochenmärkten vorwiegend auf die Wochenenden konzentrieren oder dafür eigens Urlaub nehmen.

Gleichwohl setzt sich Wellington ein klares Ziel: "Ich will für die Linke fünf Prozent plus X holen." Damit läge er immerhin um einige Zehntelprozentpunkte über dem Ergebnis von 2013, als Kandidat Daniel Morteza Ghazvini 4,2 Prozent der Erst- und 4,1 Prozent der Zweitstimmen holte. 2009 war die Linke noch auf 6,9 Prozent der Zweitstimmen gekommen.

Immer wieder muss Claudio Riccardo Giancarlo Wellington, so sein vollständiger Name, die Frage beantworten, wie er zu den Linken gekommen sei. "Ich gebe zu, dass ich nicht wie ein idealtypischer Linker aussehe." Diese würden oft als "realitätsferne Spinner" bezeichnet, er hingegen stehe mit beiden Beinen mitten im Leben, sagt der gelernte Hotelfachmann. Dies möchte er unter anderem damit zeigen, dass er auf den Wahlkampfplakaten eine Krawatte trage.

Auch sein Beruf als Vorsorgeberater bei einem großen Versicherungskonzern beiße sich nicht mit seinen politischen Ambitionen: "Im Gegenteil. Im Beruf und in meinem Engagement bei den Linken bin ich bestrebt, die Lebenssituation der Menschen zu verbessern."

Bei einem Auslandsaufenthalt in Portugal in den Jahren 2013 bis 2015 sei ihm bewusst geworden, wie groß die Armut auch in Europa sei. Er kam in Kontakt mit dem dortigen Pendant der Linkspartei. Und auch der Grieche Alexis Tsipras habe ihn mit seinem Wahlspruch "Wir wollen Europa verändern" begeistert. Im Wahlkampf 2013 trat Wellington in die Partei Die Linke ein und hat dort seine "politische Heimat" gefunden. Seit Sommer 2016 ist er Mitglied im Landesvorstand Baden-Württemberg.

Obwohl Wellington, er ist geschieden und hat einen siebeneinhalbjährigen Sohn, weit weg ist von seiner politischen Basis, weiß er um die Probleme im Wahlkreis. Stichworte sind unter anderem die Debatten um die Zukunft des Zollernalb-Klinikums und den Ausbau der B 27 zwischen Balingen und Rottweil. Klinikum: Wellington will sich dabei nicht auf einen oder zwei Standorte im Kreis festlegen. Für beide Optionen gebe es Gründe dafür und dagegen. Wichtig sei eine wohnortnahe Krankenversorgung der Bürger. Bund und Land müssten dafür die entsprechenden Mittel bereitstellen. Bei einer Zentralisierung sei vor allem die Arbeitsplatzgarantie für die Beschäftigten von Bedeutung.

Hinsichtlich der B 27 betont Wellington, dass seine Partei vor allem auf den Ausbau des ÖPNV setze und ein Sozialticket für bestimmte Personenkreise fordere. Allerdings verkenne er nicht, dass gerade im ländlichen Raum der Individualverkehr von großer Bedeutung sei, auch weil es viele Pendler gebe. So unterstütze er den B 27-Ausbau, der für die Wirtschaft sinnvoll sei, wenngleich die Kosten und der Naturschutz berücksichtigt werden müssten.

Vor allem aber liegt ihm die Steuergerechtigkeit am Herzen. Die Linken, sagt er, wollten die Umverteilung von unten nach oben auf den Kopf stellen. Stichworte sind ein höherer Grundfreibetrag, die Anhebung der Bemessungsgrenze für den Spitzensteuersatz, die Einführung einer Reichen- beziehungsweise Vermögenssteuer und die gleiche Besteuerung von Kapitaleinkünften und Arbeitseinkünften.

Hartz IV bezeichnet er als "Armut per Gesetz", diese "Schande" müsse abgeschafft, dagegen eine Grundsicherung und eine Mindestrente in Höhe von jeweils 1050 Euro eingeführt werden. Dazu komme die Abschaffung der Leiharbeit und das Bemühen um "gleichen Lohn für die gleiche Arbeit innerhalb der gleichen Arbeitszeit". Dies alles, betont Wellington, sei finanzierbar, weil es genügend Reichtum in der Gesellschaft gebe, der nur falsch und ungerecht verteilt sei. Außenpolitisch stünden die Linken für einen antimilitärischen Kurs mit Rückzug der Bundeswehr aus allen Auslandseinsätzen und dem Stopp der deutschen Rüstungsexporte. Thema sei auch die Auflösung der Nato zugunsten eines Sicherheitssystems unter Einbeziehung Russlands.

Hält er eine Rot-Rot-Grüne Regierung für realistisch? Antwort: "Das ist vorstellbar. Aber es gibt für uns auch Haltelinien unter dem Motto: ›Lieber aufrecht in der Opposition als gebückt in der Regierung‹."

Im Wahlkampf wird Wellington von seiner Freundin Yeliz Karakaya, einer Kurdin, begleitet, mit der er seit einem Jahr zusammenlebt. Ihre Eltern seien vor 26 Jahren in die Schweiz gekommen und hätten noch immer keinen Flüchtlingsstatus. Für Wellington ein Zeichen dafür, dass die Humanisierung der Flüchtlingspolitik europaweit vorangetrieben werden müsse. Der Satz "Wenn wir uns entschuldigen müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land" sei daher der einzige von Kanzlerin Angela Merkel, den er unterschreiben könne, resümiert der Wahlkreiskandidat der Linken.

 
 

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Steffen Maier

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