Die Hoffnung auf einen schnellen Umzug ist geplatzt. Foto: Maier

Beide Märkte in Gewerbegebiet ab Anfang Juni zu. Baugenehmigung lässt weiter auf sich warten.

Balingen - Die Hoffnung bei Real, dass die Prüfung der Baugenehmigung für die Sanierung des Markts im Gewerbegebiet Gehrn durch das Regierungspräsidium und damit der Umzug des Lebensmittelmarkts schnell in trockenen Tüchern sein würde, hat getrogen. Statt im Herbst 2018 soll der neu gestaltete Markt wohl erst im Frühjahr 2019 fertig sein.

Das geht nicht nur aus Anzeigen hervor, die das Handelsunternehmen in diesen Tagen veröffentlicht hat. Auch das Unternehmen bestätigt, dass der 9. Juni für beide Märkte an der Langen Straße der letzte Verkaufstag ist. Der jetzige Non-Food-Markt in der Langen Straße 24 werde danach umfangreich renoviert und modernisiert sowie auf das neue Konzept umgestellt. Ab Frühjahr 2019 werde man "frischer, moderner und schöner" zurück sein.

Wie berichtet, muss Real das Gebäude Lange Straße 37, den jetzigen Lebensmittelmarkt, Ende Juni an den neuen Eigentümer Edeka übergeben, der dort wiederum den Bau eines Neukaufs plant. Das Lebensmittelsortiment will Real deswegen ins Gebäude des jetzigen Non-Food-Markts an der Langen Straße 24 integrieren.

Diese Konstellation bringt es nun mit sich, dass Real beide Märkte im Gewerbegebiet Gehrn bereits Anfang Juni schließt. Schon heute sind dort Um- und Aufräumarbeiten in vollem Gange.

Die spannende Frage, wann Real nach der Schließung wieder da sein wird, ist indes offen. Der ursprüngliche Zeitplan, den neuen Markt – Non-Food und Lebensmittel – bereits bis Herbst soweit fertig saniert zu haben, ist passé. Die entsprechenden Überlegungen hatte Joachim Feyrer, über die Gesellschaft FSP Miteigentümer der Immobilie, im Dezember vergangenen Jahres vorgestellt, als er den Bauantrag bei der Stadtverwaltung einreichte (wir berichteten). Bis April sollte der Antrag, so der Plan damals, in trockenen Tüchern sein.

Offenbar kurz vor Erteilung der Baugenehmigung hat indes Edeka ins Verfahren eingegriffen: Im März meldete sich der Real-Konkurrent beim Regierungspräsidium Tübingen, der Oberen Baurechtsbehörde: Edeka verlangte Akteneinsicht und will geprüft haben, ob der Bauantrag von Real aus Sicht des RP genehmigungsfähig ist.

Nach Meinung von Edeka ist der Umzug des Lebensmittelsortiments von Real und damit die Umnutzung des Non-Food-Markts zu einem SB-Warenhaus "in mehreren Punkten rechtswidrig". Das geht aus einem Schreiben des Unternehmens an den Balinger Oberbürgermeister Helmut Reitemann von Ende März hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Bei der Balinger Stadtverwaltung war man gleichwohl grundsätzlich guten Mutes, dass die Tübinger Behörde – nach aufwendigen Abstimmungen im Vorfeld – recht rasch ihre Einschätzung zu dem Baugesuch von FSP abgeben würde. Hinter vorgehaltener Hand rechnete man noch im April damit. Aber denkste: Mittlerweile ist das RP nach Informationen unserer Zeitung in eine "vertiefte Prüfung eingestiegen". Ausgang und Dauer: offen.

Auch Edeka wartet

Derweil ist auch das Baugesuch von Edeka für den Neukauf auf Gehrn noch in Bearbeitung – und auch hier gilt es, rechtliche Fragen zu klären: So will Edeka künftig auf 1950 Quadratmetern Lebensmittel verkaufen.

Der Bebauungsplan, der nach dem von Edeka geplanten Abriss der Immobilie greift, sieht allerdings dafür nur 1500 Quadratmeter vor. Möglich machen soll die größere Lebensmittel-Fläche die Umwandlung von 500 Quadratmetern, die im Bebauungsplan bislang für Textilien vorgesehen sind (früher "Violas Modewelt").

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung wäre diese Umwandlung weit weniger schädlich als das, was sonst drohen könnte: die Ansiedlung eines nach Röther im ­CityCenter zweitgrößten Textilmarkts in Balingen – und das nicht in der Innenstadt, wo er laut Einzelhandelsgutachten hingehört, sondern im Gewerbegebiet, was zur Folge haben könnte, dass die Balinger City Kunden verliert.

Gerade die Umwandlung aber bietet – wie im Fall des Umzugs des Lebensmittelmarkts von Real – Angriffsfläche. Denkbar ist, dass, nachdem Edeka Real quasi reingegrätscht ist, Real im Gegenzug ebenso rechtliche Schritte einleitet und das Baugesuch möglicherweise ebenso durch die Tübinger Behörde überprüfen lässt. Was wiederum für Edeka Verzögerungen mit sich bringen könnte.

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