Modernste Technik in der Integrierten Leitstelle in Balingen: Kreisbrandmeister Stefan Hermann (von links), Rainer Knoll, stellvertretender Leiter der Leitstelle, deren Leiter Alwin Koch und der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Zollernalb, Heiko Lebherz, spielen am Einsatzleitplatz durch, was passiert, wenn dort ein AML-Notruf eingeht. Foto: Visel Foto: Schwarzwälder Bote

Unfälle: Integrierte Leitstelle setzt auf AML-Smartphone-Dienst / Genaue Position des Anrufers wird angezeigt

Moderne Technik gewährleistet schnelle Hilfe bei Unfällen: Die Integrierte Leitstelle in Balingen kann nun auf den sogenannten AML-Dienst in modernen Handys zurückgreifen, der bei der Wahl des Notrufs die Position des Anrufers übermittelt.

Balingen. "Für uns ist dieser Dienst von unschätzbarem Wert", sagt Leitstellen-Leiter Alwin Koch. Denn viele Notrufe gingen aus unwegsamem Gelände, etwa Mountainbike-Trails oder Traufwegen, ein. Mehr noch: Viele Anrufer wüssten gar nicht, wo sie sich befinden.

Moderne Handys erkennen per AML (Advanced Mobile Location, zu deutsch: Fortschrittliche mobile Ortung), wann es sich um einen Notruf handelt, etwa bei der Wahl von 112, aktivieren die interne Ortungsfunktion (GPS) und senden die Positionsdaten automatisch an die Notrufzentrale. In der Leitstelle wird dann im System unter anderem auch sofort das Rettungsfahrzeug angezeigt, das sich am nächsten am Unfallort befindet.

Ein wesentlicher Vorteil von AML sei, dass es im Betriebssystem moderner Smartphones integriert und dafür keine zusätzliche App notwendig sei. "Man muss einfach die 112 wählen. Diese Technik ist schneller, einfacher und genauer als die bisherigen Verfahren zur Ortung von Notrufen", betont Koch. Nachteil sei, dass ältere Handys über diesen Dienst nicht verfügten und dass zur Übertragung der Daten eine Netzverbindung bestehen müsse.

Bei einem Notruf, erklärt er, werde im Einsatzleitrechner die interne Ortungsfunktion bis zu fünfmal automatisiert wiederholt, damit die genaue Position des Anrufers angezeigt werde. Die übermittelten Daten würden vom Disponent in der Leitstelle auf den Navigator im Einsatzfahrzeug übertragen. In Deutschland betreiben die Leitstelle in Freiburg und die Feuerwehr Berlin zwei Endpunkte, an die alle AML-Daten übertragen werden. Das Verfahren ist datenschutzrechtlich geprüft und freigegeben.

Neben AML gibt es auch die Möglichkeit, bei einem 112-Anruf eine WhatsApp-Nachricht zurückzuschicken, woraufhin der Anrufer ebenfalls seine Koordinaten übermitteln kann. Mehr noch: Mit der Rescue-Track-Technik kann die Leitstelle bei einem 112-Notruf die Nummer des Anrufers übernehmen; der dann vom Unfallort Fotos oder Videos über sein Handy übermitteln kann. Das verzögere die Alarmierung nicht, lasse aber die Situation vor Ort besser einschätzen.

"Wir müssen an der Technik dran bleiben, denn sie ist für uns wichtig, um schnell Hilfe leisten zu können", sagt Koch, der die Leitstelle, die je zur Hälfte vom DRK und vom Landkreis getragen wird, seit 13 Jahren leitet. Dort gehen pro Jahr rund 180 000 Anrufe ein. Koordiniert werden rund 2000 Feuerwehreinsätze sowie 45 000 Rettungsdienste und Krankentransporte pro Jahr. Ab 1. Januar 2021 werden im Tagdienst drei Mann Dienst tun, bisher sind es in der Regel zwei Mitarbeiter.

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