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Balingen "Mühlengeist"-Pläne nehmen Formen an

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Noch nur auf Karton: Dieses Modell des Geislinger Architekten Otto M. F. Beutter verdeutlicht die Dimensionen des neuen "Mühlengeists". Im Hintergrund ist die Brandruine zu sehen. Foto: Maier

Balingen - Rund zehn Jahre nach dem verheerenden Feuer in der Gaststätte Mühlengeist rückt deren Wiederaufbau nun in greifbare Nähe. Eigentümer Siegfried Reiter hat mit dem Geislinger Architekten Otto M. F. Beutter grundlegende Aspekte mit der Stadtverwaltung abgeklopft – und er sammelt bereits Material für den Neubau.

Auf dem "Mühlengeist"-Areal nahe der Balinger Stadtmühle tut sich derzeit einiges, eigentlich geschieht fast jeden Tag etwas. Es knarzt an vielen Stellen, Gebäudeteile stürzen ein. Zuletzt sind einige Decken des seit dem Brand im Sommer 2009 zerstörten Gebäudes eingebrochen. Betreten kann man es nicht mehr – Lebensgefahr. Diese bestand auch für die Hexe, eine rund einen Meter hohe Skulptur aus massivem Holz, die das Feuer damals überstanden hatte und die Reiter auch im neuen "Mühlengeist" wieder aufstellen will. Vorübergehend hat sie nun einen neuen Platz gefunden inmitten der Ruine – Reiter hat sie in der einigermaßen einsturzsicheren früheren Toilette zwischengelagert.

Neubau soll altehrwürdigen Charakter haben

Oft auf dem Areal anzutreffen ist auch Albert Hipp vom gleichnamigen Hechinger Abbruchunternehmen. Er soll das Gebäude dereinst abreißen, außerdem aber ist Hipp maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt: Von anderen Abrissobjekten aus dem gesamten Zollernalbkreis und darüber hinaus liefert er seinem Kumpel Siegfried Reiter Material wie Holz und Natursteine, die dieser dafür benötigt, damit der neue "Mühlengeist" wie das Vorgängergebäude einen alten, ehrwürdigen Charakter erhält. Auf großen Stößen lagern Balken rund um die Brandruine. Dazu kommen Steine aus anderen altehrwürdigen Gebäuden – wie etwa Torbögen aus dem früheren Hechinger Eugenien­stift. Oder aber auch das Mühlenrad aus der Alten Mühle in Dußlingen.

"Jedes Teil hier hat eine Geschichte zu erzählen", sagt Hipp. Er ist zwar in erster Linie Abbruchunternehmer, ist aber wie Siegfried Reiter ein Freund der Geschichte von Gebäuden – und, soweit möglich, deren Wiederverwertung. Was Reiter mit dem Wiederaufbau des "Mühlengeists" vorhabe, sagt Hipp, sei "Recycling im besten Sinne".

Damit dafür nicht nur das nötige Material bereitliegt, hat sich Siegfried Reiter mit Otto M.F. Beutter einen neuen Architekten zur Seite geholt. Im Oktober hatten sie einen Termin bei Baudezernent Michael Wagner. Lange Zeit wollte die Stadtverwaltung den neuen "Mühlengeist" nur in zeitgemäßer und moderner Ausführung genehmigen – während Reiter die einst beliebte Gaststätte so wieder errichten wollte, wie sie einst gewesen ist.

Architekt erstellt Massenmodell

In diesem Punkt habe man nun Einigkeit erreicht, sagt Reiter: Er dürfe im wesentlichen so bauen, wie er sich das vorstelle. Um die Baugenehmigung voranzutreiben, hat Architekt Beutter in dieser Woche ein sogenanntes Massenmodell erstellt, anhand dessen man die Dimensionen des Neubaus im Vergleich zu den Nachbargebäuden erkennen kann.

Mit dem Bau beginnen will Reiter "so schnell wie möglich". Fertig sein soll der neue "Mühlengeist" – das ist auch der erklärte Wunsch der Stadt – bis zur Gartenschau im Jahr 2023. Das Ensemble rund um die Stadtmühle ist Endpunkt der Landschaftsachse – wohl tausende Besucher werden sich im Gartenschaujahr dort tummeln, nachdem sie an der Eyach entlang spaziert sind.

Obwohl die Baugenehmigung nocht nicht erteilt ist und damit auch noch lange kein Eröffnungstermin feststeht, fiebern laut Reiter viele Balinger darauf hin. Er werde immer wieder auf seine Pläne angesprochen. Ebenso, dass man es schön finde, dass er das Gebäude im "alten Stil" wiederaufbaue. Und es liegen für den neuen "Mühlengeist" laut Reiter bereits erste Reservierungen vor. Etwa für eine Hochzeit. Das Paar wolle ausdrücklich in einem "alten schönen Gebäude" feiern – und mit dem Ja-Wort solange warten, bis der "Mühlengeist" fertig sei.

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