Stefan BuckFoto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Wahl: Ex-AfDler Stefan Buck versucht bei der Landtagswahl als Einzelkandidat Wähler von seiner ehemaligen Partei abzuwerben

Der Balinger Stefan Buck tritt als einziger Einzelkandidat an für die kommende Landtagswahl im Wahlkreis Balingen an. Der Ex-AfDler möchte Corona "endlich in den Griff bekommen" und plädiert für mehr Rechte von Polizisten und Gastronomen.

Zollernalbkreis. Stefan Buck spricht mit fester, selbstbewusster Stimme. Er ist der Auffassung, dass in diesem Land einiges besser laufen könnte. Aus diesem Grund ist der heute 45-Jährige 2018 in die Politik gegangen. Auslöser war für ihn damals die in seinen Augen verfehlte Migrationspolitik der Bundesregierung. Er ist indes der Auffassung, dass bei der Migrationsfrage zwischen Zuwanderern und Flüchtlingen differenziert werden muss.

Im Jahr 1993 habe er den Krieg in Jugoslawien "am eigenen Leib" erfahren, daher findet er es schon wichtig, Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen, in Deutschland eine sichere Zuflucht zu bieten. Aber: "Jeder Mensch strebt nach einem besseren Leben, wir können nicht einfach die Grenzen öffnen und alle in unser Sozialsystem einwandern lassen."

So hat es ihn Ende 2018 in die AfD verschlagen, eine Partei, die er damals als "CDU 2.0" wahrgenommen hat. Am Ende war er AfD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Doch nach ziemlich genau einem Jahr Parteimitgliedschaft sei er aufgewacht, erzählt der selbstständige Kfz-Mechaniker: "Ich muss wohl im Zustand der geistigen Umnachtung gewesen sein. Ein Jahr AfD reicht mir für das ganze Leben!" Seither sitzt er als Parteiloser für die Konservativ-Bürgerlichen Vereinigung (KBV) als Fraktionsvorsitzender zusammen mit zwei anderen Ex-AfD-Kollegen im Kreistag.

Nun soll es also der Landtag sein. Ihm sei bewusst, dass er als Einzelkandidat nur geringe Chancen auf einen Sitz im Landesparlament habe, aber: "Jeder, der mich wählt, wählt schonmal nicht die AfD." Seine politischen Ansichten bezeichnet er als "weder links oder rechts", sondern schlicht "bürgerlich und konservativ".

Ein besonderes Anliegen sind ihm die aktuellen Corona-Verordnungen. Er vertritt die Auffassung, dass diese nicht zum erwünschten Ziel führen: "Ich verleugne die Krankheit nicht, ich habe Bekannte, die Corona nicht überlebt haben. Außerdem halte ich mich an die Verordnungen." Es ärgere ihn allerdings, dass es die Regierung über den Sommer nicht geschafft habe, ein richtiges Konzept zu erarbeiten.

"Man macht Läden zu, die zum Infektionsgeschehen überhaupt nicht beitragen", ärgert sich Buck. Daher sollen "kleine Läden" und Gastronomen wieder aufmachen dürfen. Den ÖPNV, Kindergärten, Schulen und große Betriebe würde er dagegen schließen lassen.

Die Alltagsmasken hält er für sinnvoll und würde auch dafür plädieren, dass das Tragen von FFP2-Masken zur Pflicht wird. Die Mund-Nasen-Bedeckungen müssten der Bevölkerung kostenfrei zugänglich gemacht werden. Auch den Corona-Impfstoff unterstütze er. Wenn sich die Gelegenheit biete, werde er sich impfen lassen, so die Aussage des Parteilosen.

Zu seinen weiteren Positionen gehören das Einführen einer Grundrente, um die Altersarmut zu bekämpfen. Darüber hinaus will er jegliche Form von Extremismus bekämpfen und sich für eine Stärkung von Polizei und Rettungskräften stark machen: "Polizisten dürfen keine Angst haben, einen Platz leerzufegen." Gegen die mittlerweile nicht mehr stattfindenden "Lichterspaziergänge" hätte er einen Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken für angemessen gehalten. Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass die Gehälter von Politikern zu hoch seien. Aus diesem Grund möchte er auch – sollte er gewählt werden – seine ersten beiden Gehälter an die gebeutelte Gastronomiebranche spenden.

Als Inhaber einer Motorradwerkstatt spricht sich Buck dafür aus, "den Verbrenner nicht kaputt zu machen". Von der E-Mobilität hält er nichts. Er glaubt außerdem nicht an den Klimawandel, hält es aber für wichtig "die Natur nicht auszubeuten und etwas gegen Verpackungsmüll zu tun". Zusammen mit seinen Kindern habe er schon "einen Parkplatz sauber gemacht", erzählt Buck.

Im Wahlkampf wird der Balinger von dem Rapper Dizzepticon unterstützt. Am vergangenen Sonntag hat er mit ihm bereits eine Art "Wahlkampfsong" aufgenommen und ein Video gedreht. Mit der Hilfe des Musikers hofft er, den einen oder anderen Wähler doch noch an die Wahlurne zu bewegen. Eins ist sicher: Im Wahlkampf möchte Buck alles geben.

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