Vater hat kindliches Vertrauen seiner Töchter ausgenutzt

Von Matthias Badura

Zollernalbkreis. Jahrelang hatte ein Vater seine beiden minderjährigen Töchter sexuell missbraucht. Gestern fiel das Urteil vor dem Hechinger Landgericht – in Gegenwart der Opfer: sechs Jahre Gefängnis.

Zwei Verhandlungstage hatte der Prozess vor dem Landgericht Hechingen unter Vorsitz von Richter Herbert Anderer gedauert. Er war unkompliziert verlaufen, da der Angeklagte mehr als 200 Taten von Anfang an eingeräumt hatte.

Die Befragung der Ehefrau und des medizinischen Gutachters war nichtöffentlich erfolgt. Nach draußen drang allerdings, dass der Täter eigentlich nicht pädophil veranlagt sei. In einer langen Phase der Frustration seien die Mädchen für ihn leicht greifbar gewesen, und er habe ihre besondere Wehrlosigkeit und ihr kindliches Vertrauen ausgenutzt, um das zu bekommen, was er haben wollte. Ein Muster, das sich Herbert Anderer zufolge in der Form immer wieder finde.

Oberstaatsanwalt Karl- Heinz Beiter hatte gefordert, den vielfachen sexuellen Missbrauch von Kindern, die gleichzeitig blutsverwandte und Schutzbefohlene sind, mit sechseinhalb Jahren Gefängnis zu ahnden. Richter und Beisitzer beließen es nicht zuletzt aufgrund der Geständigkeit des 44-Jährigen bei sechs Jahren.

Davon wird er im günstigsten Fall drei bis dreieinhalb Jahre absitzen müssen. Anschließend könnte dann auf ihn zukommen, was er als eine weitere oder gar schlimmere Strafe empfinden dürfte: die Abschiebung in sein afrikanisches Heimatland.

Der Vorsitzende Richter stellte diese Möglichkeit jedenfalls in Aussicht. Auch die Angehörigen des Täters, die gestern bei der Urteilsverkündung anwesend waren, rechnen mit dieser Maßnahme.

Wie die Ehefrau später erklärte, stelle das Urteil einen Schnitt im Leben der Familie dar. Sie wolle, dass dies allen Beteiligten, einschließlich dem Täter, klar würde. Die Folge waren Tränen, die in den Zuhörerreihen flossen. Welche widersprüchlichen Gefühle damit zum Ausdruck kamen, war für Außenstehende kaum zu ergründen.

Nun muss der 44-Jährige seine reguläre Haftstrafe absitzen. Wie das Gericht einräumte, könnte dies eine umso härtere Zeit für ihn werden, weil Sexualverbrecher in der Gefängnis-Hierarchie ganz unten stünden und entsprechenden Anfeindungen ausgesetzt seien.